Science
06.08.2014

Weltraum-Sonde Rosetta trifft auf Zielkometen

Die europäische Weltraum-Sonde "Rosetta" hat sich bis auf rund 100 km ihrem Zielkometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko angenähert und ist auf ihre Umlaufbahn eingeschwenkt.

Am Grazer Institut für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), das an mehreren wissenschaftlichen Instrumenten beteiligt ist, wurde das jüngste Manöver gespannt mitverfolgt. Rund 50 Besucher und Wissenschafter wollten am Mittwoch am Grazer IWF miterleben, wie "Rosetta" auf eine Umlaufbahn des Kometen einschwenkt.

Das Ereignis wurde von Experten des Raumflugkontrollzentrums (ESOC) in Darmstadt verfolgt, kommentiert und nach Graz übertragen. "Jetzt geht es in die wirklich heiße Phase der Mission", erklärte der Grazer IWF-Direktor Wolfgang Baumjohann am Rande der Grazer Live-Schaltung.

Kometen begleiten

"Rosetta ist die erste Welttraumsonde, die einen Kometen über längere Zeit begleiten wird und wir sind mit fünf wissenschaftlichen Instrumenten an dieser Mission beteiligt. Wir haben mit den Geräten an Bord erste Tests gemacht, die Daten sehen vernünftig aus. Wir gehen davon aus, dass alles wirklich gut funktionieren wird und wir aussagekräftige Daten erhalten", betonte Baumjohann.

"Das ist jetzt nur der Auftakt zu einer noch langen spannenden Phase der Mission. Wir sind jetzt gespannt auf November, wenn die Landeeinheit 'Philae' auf dem Kometen abgesetzt wird", sagte auch IWF-Mitarbeiter und Principal Investigator einer der Instrumente, Mark Bentley. Zunächst müsse die Oberfläche des nahezu unbekannten Kometen von der Sonde aus kartiert und ein geeigneter Landeplatz für "Philae" gefunden werden. Dann werde die Landeeinheit auf der Kometenoberfläche landen und u.a. Proben von den obersten Schichten des Kerns entnehmen und analysieren, beschrieb Bentley die noch ausstehenden Herausforderungen.

MIDAS fliegt mit

An Bord von "Rosetta" fliegt u.a. das Instrument MIDAS mit, das unter seiner Federführung am Institut für Weltraumforschung der ÖAW und in Zusammenarbeit mit Joanneum Research, RUAG und AIT entwickelt wurde. Es soll Mikro-Staubteilchen des Kometen einsammeln, mithilfe eines Rasterkraftmikroskops abtasten, abbilden und statistisch auswerten. "Wir fangen damit an, wenn die laufenden Messungen des Staubkollektors uns zeigen, dass ausreichend viel Staubteilchen vorhanden sind. Wir schätzen, das wird im September sein, wenn wir rund 30 km vom Kometen entfernt sind", erläuterte Bentley. Die Textur der Staubteilchen könne auf einige Nanometer genau gemessen werden.

Bisher sei aus seiner Sicht alles tadellos gelaufen: "Die Flugdynamik-Experten der ESA haben sehr gut vorausgeplant und gute Arbeit geleistet und wir haben bei unseren Tests gesehen, dass an Bord alles bestens funktioniert. Wir erwarten keine Probleme", so der IWF-Forscher. Unliebsame Überraschungen könnten jedoch bis zum Ende der Mission nicht ausgeschlossen werden: "Es bleibt spannend bis zum Schluss", so Bentley.