Projekt ViTAL

© FH Technikum Wien

Forschung
02/19/2017

Wenn das Smart Home auf seine Bewohner schaut

Im Projekt ViTAL der FH Technikum Wien wird eine Soft- und Hardware-Plattform für Smart-Homes entwickelt, die eine Steigerung des Komforts im Zuhause ermöglicht.

Die Nutzung automatisierter Systeme zur Steuerung von Beschattung, Heizung, Beleuchtung und Co ist seit einigen Jahren unter dem Schlagwort “Smart Home” in aller Munde. Trotzdem steht der oft prophezeite große Durchbruch noch bevor. Die FH Technikum Wien beschäftigt sich schon seit langem mit solchen Systemen und versucht, noch bestehende Schwachstellen auszuräumen. Im Projekt ViTAL (assistiVe domoTics for Autonomous Living), das von der MA23 der Stadt Wien gefördert wird und seit 2014 läuft, wird ein quell-offenes Steuerungssystem entwickelt, mit dem verschiedenste Anwendungen und Prozesse zentral über ein Webinterface oder eine Handy-App gesteuert werden können.

“Wir haben einerseits die klassischen Aspekte der Integration verschiedenster Haustechnik-Systeme, also etwa der Steuerung von Licht, Beschattung, Heizung und Unterhaltungssystemen. Andererseits erlaubt unsere Lösung auch die Einbindung von E-Health-Anwendungen. Wir können Blutdruck, Puls, Gewicht, Blutzucker und die Zahl der Schritte der BewohnerInnen erfassen und die Daten verknüpfen”, sagt Friedrich Praus von der FH Technikum Wien im Gespräch mit der futurezone. Durch die Kombination mit den Daten anderer Sensoren im Umfeld sollen die erfassten medizinischen Daten aussagekräftiger werden. “Wenn hohe Blutdruckwerte erfasst werden, kann ich durch die Erfassung der Temperatur oder der Aktivität eines Bewohners Medizinern Hinweise mitliefern”, sagt Praus. Außerdem kann das System als eine Art Notruf-System für ältere Personen verwendet werden, indem z.B. Bewegungssensoren ausgewertet werden.

Hilfe im Alltag

Eine Erleichterung im Alltag soll die Einbindung eines, im Projekt ViTAL entwickelten, Service-Roboters bringen. Dieser kann schwere Lasten heben und erlaubt seinen Besitzern, Videotelefonate zu führen. Wie bei den medizinischen Komponenten profitieren auch hier besonders ältere oder körperlich eingeschränkte Bewohner. Durch einen integrierten Greifarm können Gegenstände vom Roboter aufgenommen und transportiert werden.

Im Gegensatz zu vielen anderen Smart-Home-Lösungen, die auf Cloud-basierte Technologie setzen, ist das ViTAL-System lokal konzipiert. “Bei uns steht Sicherheit an erster Stelle auf der Prioritätenliste. Wir nutzen das System bereits in der Lehre, dort läuft es auf einem Standard-PC. Das klappt auch ohne Anbindung ans Internet. Wir arbeiten auch an einer Portierung für den Raspberry Pi”, sagt Praus. Was ViTAL aber braucht, ist eine Einbindung in ein Heimnetzwerk. Darüber wird das System nämlich mit Smartphone oder Computer gesteuert. “ Spezielles Augenmerk wurde auf den Schutz der medizinischen Daten der Nutzer gelegt. Diese werden nicht automatisch verschickt, sondern können nur auf Wunsch in ELGA-kompatibler Form für die Ärzte exportiert werden.

Für einen Einsatz im Alltag ist ViTAL als Forschungsprojekt derzeit nicht ausgelegt. “Für eine reale Installation im eigenen Zuhause wären beim heutigen Stand immer noch Experten nötig. Ansonsten wäre unser System aber auslieferbar. ViTAL wird bereits zur Unterstützung von Menschen mit Behinderung im realen Betrieb getestet. Durch unsere offene Architektur kann auch im Komfortbereich ein Markt erschlossen werden”, sagt Praus. Bevor sich Smart-Home-Lösungen breitenwirksam durchsetzen können, müsse die Integration neuer Komponenten aber noch vereinfacht werden: “Hier setzen manche Hersteller leider immer noch auf proprietäre Standards. Auch Sicherheit, Wartung und Inbetriebnahme sind noch nicht dort, wo wir sie gerne hätten. Aber wir arbeiten daran”, sagt Praus.

Dieser Artikel ist im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und FH Technikum Wien entstanden.

Friedrich Praus ist Leiter des Bachelor-Studiengang Smart Homes und Assistive Technologien an der FH Technikum Wien. Seine inhaltlichen Schwerpunkte liegen im Bereich der Embedded Systems und Smart Homes. Die Kernthemen dabei sind drahtlose und drahtgebundene Gebäudeautomationssysteme und deren sichere Integration in Active & Assited Living Anwendungen.

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