Science 21.03.2013

„Wichtig ist geringes Mitgefühl für Roboter"

© Bild: Reuters

Fenster putzen, Überwachen aus der Luft, alten Menschen helfen - kaum eine Aufgabe ist Robotern zu schwer. Einsatzmöglichkeiten scheinen unerschöpflich, etwa in der Medizin. Auf der Innorobo in Lyon waren drei Tage lang die jüngste Generation der intelligenten Maschinen versammelt.

Nao ist so etwas wie der Showstar in Lyon. Die jüngste Generation des rund 60 Zentimeter hohen Roboters schreibt auf Zuruf, tanzt in Formation, übt Thai Chi oder spielt Golf. Wenn Nao sein Elektroauto durch die Messehallen lenkt, machen auch erfahrene Robotik-Experten dem kleinen Publikumsmagneten Platz.

Auf der zum dritten Mal organisierten Innorobo in Lyon zeigen Forscher und Hersteller den Stand der Robotik. Humanoide Roboter wie Nao sind dort genauso zu finden wie Fahrzeuge, Fluggeräte oder Kästen in bedarfsgerechten Formen und Arten. Die Produkte können einen Pool selbstständig reinigen, ohne Aufsicht Rasen mähen, die Wohnung allein saugen, an der Scheibe heftend Fenster putzen, Menschen beim Tragen helfen, riesige Gelände am Boden oder aus der Luft bewachen.

Wichtiges Feld im Einsatz humanoider Roboter ist Service am menschlichen Gegenüber. Multimediale Infozentren mutieren zum rollenden Führer etwa durch Museen oder Einkaufszentren. Die dort oft erhoffte Empathie ist beim Militäreinsatz von Robotern nicht erwünscht. „Wichtig ist geringes Mitgefühl für den Roboter", sagt Gérard de Boisboissel vom französischen Crec Centre de recherche des écoles, „wenn der Roboter bei der Aktion vielleicht zerstört wird, aber der Soldat noch lebt - dann ist alles in Ordnung."

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Viel Arbeit wartet auf Forscher und Entwickler noch im Medizinbereich. „Wir klopfen noch an der Tür", beschreibt der US-Amerikaner Hugh Herr die umfassenden Aufgaben zur Verbesserung der Lage von Patienten. Der Biophysiker entwickelt am Massachusetts Institute of Technology körpernahe Roboter, tragbare intelligente Prothesen. „Damit können wir Laufgeschwindigkeit, Stabilität und Belastung der Patienten gegenüber einfachen oder fast passiven Prothesen verbessern."

Beim Einsatz in der Nähe von Menschen gibt es laut Adam Hagman von der schwedischen Initiative Robotdalen „ein Image-Problem für Roboter vor allem in Europa". In Untersuchungen wollten 60 Prozent der Befragten Roboter aus der Pflege verbannen. Viele Arbeiten könnten aber problemlos von den mit Daten gespeisten Mechaniken übernommen werden. So seien in Schweden in einem Krankenhaus mit 500 Betten allein 25 Krankenschwestern nur mit Lauf- und Transportarbeiten beschäftigt. Hagman meint, Roboter seien da effektiver.

Akzeptanz
Die Akzeptanz für Robotersysteme erhöht sich laut Birgit Graf vom Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung auf rund 50 Prozent, wenn Patienten klar sei, dass Roboter für sie arbeiten und nur definierte Aufgaben ausführten. Für die nähere Zukunft sieht Graf viel Forschungsbedarf etwa bei der Kommunikation zwischen verschiedenen Systemen. Ziel für das Fraunhofer-Team ist, teils autonom agierende Serviceroboter von kundigen Helfern in speziellen Callcentern steuern zu lassen.

Für Innovation stehen in Lyon auch fünf Startups, die als Preisträger für neue Entwicklungen eingeladen wurden. Mit Witty Worx hat der Niederländer Ruud van der Aalst ein interaktives Lernspielzeug für Kleinkinder gebaut, das bei baldiger Marktreife mit rund 250 Euro in der Roboter-Preisklasse sehr weit unten angesiedelt sein soll. Der aus der Ukraine stammende Münchner Andrey Nechypurenko hat mit Veterobot ein als Bausatz nur 500 Euro teures Open-Source-Vehikel gebaut. Damit sollen Entwickler spezielle Forschungen etwa bei der Erfassung der Umgebung rasch umsetzen können. Nechypurenko: „Die vergeuden sonst erstmal ein halben Jahr, wenn sie ein eigenes Fahrzeug entwickeln müssen."

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Erstellt am 21.03.2013