Science
06.07.2016

Wiener Mathematiker wollen Online-Bewertungen verbessern

Wer sich im Internet stets auf andere verlässt, beispielsweise bei Produktbewertungen oder Forenbeiträgen, könnte künftig schlechter aussteigen.

Indirekte Reziprokität nach dem Motto "ist man hilfsbereit, spricht sich das herum und andere helfen einem auch" ist wichtig für die Kooperation in Gruppen, aber man muss dafür ständig den Edelmut anderer bewerten. Wer das unterlässt, sollte einen schlechten Ruf bekommen, damit das Prinzip funktioniert, berichtet ein Mathematiker der Uni Wien mit Kollegen im Fachmagazin "Biology Letters".

Drückeberger werden bestraft

Diese "moralische Bewertung" ist aufwändiger als man glaubt, erklärte Tatsuya Sasaki vom Department für Mathematik der Universität Wien gegenüber der APA. Beispiel Onlineshoppen: Will man ein akkurates Feedback abgeben, dauert das einige Zeit. Vor allem für seriöse Beanstandungen muss man oft weitere Fakten recherchieren, was mühsam und zeitintensiv ist. Mitunter hat man sogar mit Vergeltung durch die kritisierten Personen zu rechnen, so der Forscher.

In Modellberechnungen hat Sasaki mit japanischen Kollegen nun herausgefunden, wie eine Gruppe vermeiden kann, dass Drückeberger von einem Bewertungssystem profitieren, ohne etwas beizutragen: Wenn sie ein schlechtes Image als fiese Nutznießer bekommen, während brave Rezensenten mit einem guten Ruf belohnt werden, kann das System der indirekten Reziprokität in vielen sozialen Systemen stabil funktionieren, erklären die Forscher.