Science
06/17/2013

Wiener Physikerin gewinnt Wittgenstein-Preis

Ulrike Diebold, Oberflächenphysikerin der TU Wien, erhält mit dem Wittgenstein-Preis den höchsten Wissenschaftsförderpreis des Landes.Neun Nachwuchsforscher bekommen Start-Preise.

Der Wittgenstein-Preis 2013 geht an die Wiener Physikerin Ulrike Diebold (51) von der Technischen Universität (TU) Wien. Das gaben Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (V) und der Präsident des Wissenschaftsfonds FWF, Christoph Kratky, am Montag in Wien bekannt. Die auch als „Austro-Nobelpreis" bezeichnete Auszeichnung ist mit 1,5 Mio. Euro dotiert und damit der höchste Wissenschaftsförderpreis in Österreich.

Gleichzeitig bekamen neun Nachwuchsforscher Start-Preise, die mit jeweils bis zu 1,2 Mio. Euro dotiert sind. In Summe stehen den Wissenschaftern damit in den kommenden sechs Jahren 12 Mio. Euro für ihre Arbeit zur Verfügung.

Mit dem Wittgenstein-Preis werden hervorragende und international anerkannte Wissenschafter ausgezeichnet. Die vom Wissenschaftsministerium finanzierte Förderung soll ihnen „ein Höchstmaß an Freiheit und Flexibilität bei der Durchführung ihrer Forschungstätigkeit garantieren, um eine außergewöhnliche Steigerung ihrer wissenschaftlichen Leistungen zu ermöglichen", wie es seitens des FWF heißt.

"Ideale Preisträgerin"
Ausgewählt werden die Preisträger von einer aus renommierten ausländischen Wissenschaftern zusammengesetzten Jury.
Töchterle bezeichnete Diebold als „ideale Preisträgerin", die auf ihrem Gebiet „zu den Besten der Welt" gehört und auch zeige, dass „hervorragende Forschung nach Österreich zurückkehrt". Die Auszeichnungen seien „glänzend dotiert und sehr renommiert" und in „sehr scharfem Wettbewerb vergeben worden", so Töchterle unter Hinweis auf 96 Einreichungen für den Start-Preis.

Diebold ist seit 2010 Professorin für Oberflächenphysik an der TU Wien. Zuvor war die Wissenschafterin jahrelang in den USA tätig. Sie zählt zu den international führenden Expertinnen für Oberflächen von Metalloxiden. Obwohl diese Materialien eine wichtige Rolle in der Industrie spielen, etwa als Katalysatoren, galten sie lange als viel zu kompliziert, um sie zu untersuchen. Bei ihrer Verwendung war man auf Versuch und Irrtum angewiesen, ein Verständnis dieser Materialien auf atomarer Ebene fehlte.

Die Physikerin untersucht die Metalloxide mit Hilfe von Rastertunnelmikroskopen und kann so die Oberflächen Atom für Atom studieren. So konnte sie wichtige neue Erkenntnisse über die atomaren Vorgänge an der Oberfläche gewinnen. Erst vor wenigen Tagen erschien in der Fachzeitschrift „Nature Materials" eine Arbeit Diebolds, in der sie beschreibt, wie der funktionseinschränkende Verklumpungseffekt in Palladium-Katalysatoren, wie sie etwa in Autos eingesetzt werden, zustande kommt.

Diebold ist nach Ruth Wodak (1996), Marjori Matzke (1997) und Renee Schroeder (2003) die vierte Frau, die den Wittgensteinpreis erhalten hat.