Thema | Start-ups 02.05.2015

A1 Campus: Ein neuer Start-up-Hub für Wien

Zurzeit beheimatet A1 vier Start-ups in seinem Wiener Campus. Die Firmen profitieren von der Kooperation ebenso wie der Konzern.

Ihre Produkte und Services sind höchst unterschiedlich - eine Park-App, ein Baumängelmanagement-System, ein Heimvernetzungsdienst und ein Passwortmanager. Vier Start-ups befinden sich derzeit auf dem A1 Campus im 20. Wiener Gemeindebezirk und betreiben von dort aus in enger Kooperation mit dem Telekommunikationsanbieter ihre Geschäfte. Seit einigen Jahren schon versucht A1 sich stärker mit Jungunternehmern zu vernetzen und diese auch in den eigenen Konzern zu integrieren. Im Rahmen der gemeinsamen Start-up-Aktion von futurezone und A1 etwa werden regelmäßig spannende Projekte gesucht, von denen die besten die Möglichkeit erhalten, auf dem A1 Start-up-Campus einzuziehen und sich bei ihrer Firmengründung unterstützen zu lassen. Aktuell läuft gerade wieder eine Bewerbungsphase, an der man noch bis Anfang Juni teilnehmen kann.

A1 ist vor allem auf der Suche nach Start-ups, die auch zum eigenen Firmenbild passen. Im Idealfall beteiligt sich der Konzern auch an den Jungunternehmen. “Grundsätzlich laden wir unsere Start-ups drei Jahre zu uns auf den Campus ein”, sagt Mario Mayerthaler, der den A1 Start-up Campus leitet, bei einem Roundtable. In der Zeit will man die Firmen so weit auf den Weg bringen, dass sie es danach auch “alleine” schaffen. Beteiligungen können natürlich auch nach dem Auszug noch aufrecht bleiben. A1 seinerseits schätzt vor allem auch den jungen Spirit, den die Firmen in den Konzern mitbringen. “Davon profitieren auch unsere Consultants, die sich mit den Start-ups befassen”, so Mayerthaler.

Die Start-ups erhalten von A1 Büros zur Verfügung gestellt
© Bild: KURIER/ Gerhard Deutsch

Erfolgsbeispiele

Am längsten an Bord ist bisher das Start-up Defect Radar. Das Unternehmen hat eine Smartphone- und Tabletlösung entwickelt, um Baumängel zu erfassen, abzubilden und entsprechenden Dienstleistern zuzuordnen. “Inzwischen haben wir unsere App auf Deutsch und auf Englisch auf dem Markt und freuen uns über internationale Kunden”, sagt Domagoj Dolinsek, CEO von Defect Radar. Auch in der Hotelerie wird die App mittlerweile zur Mängelerhebung eingesetzt. A1 unterstützt das Unternehmen beim Vertrieb und stellt Büroräumlichkeiten zur Verfügung. Zuletzt konnte Defect Radar auch mehrere Preise gewinnen.

Ähnlich erfolgreich verliefen die vergangenen Jahre für Flatout. Das auf Heimvernetzung spezialisierte Unternehmen kam 2013 mit A1 zusammen und konnte bereits einige Pilotprojekte im Ausland (Lateinamerika und Finnland) auf den Weg bringen. Im vergangenen Jahr erhielt Flatout mehrere Förderungen und konnte auch zwei Business Angels von seiner Idee überzeugen. Gemeinsam mit A1 soll nun in diesem Jahr auch das erste Pilotprojekt in Österreich starten. Flatout setzt auf Webtechnologien und will mit der sogenannten FlatCloud Firmen eine White-Label-Lösung zur Verfügung stellen. Man kann sich das in etwa wie ein Betriebssystem für Smart Homes vorstellen. Ein großes Einsatzgebiet sei etwa der Sicherheitsbereich, wie CEO Daniel Marischka erklärt. An diesem Aspekt zeigt sich auch A1 im Rahmen der Kooperation interessiert.

1 / 4
©KURIER/ Gerhard Deutsch

A1 Start-up Campus

©KURIER/ Gerhard Deutsch

A1 Start-up Campus

©KURIER/ Gerhard Deutsch

A1 Start-up Campus

©KURIER/ Gerhard Deutsch

A1 Start-up Campus

Neuzugänge

Erst seit einigen Monaten sind die beiden Firmen Parkbob und Keynto Teil des Start-up-Campus. Parkbob hat große Pläne mit seinem Crowdsensing-Service, der Nutzern dabei helfen soll, schnell und unkompliziert einen freien Parkplatz in der Stadt zu finden. Im Spätsommer soll die App in einer Betaversion starten. Firmenchef Christian Adelsberger verspricht dabei einen verantwortungsvollen Umgang mit Nutzerdaten, die nur komplett anonymisiert zum Einsatz kommen sollen. “Wir wollen keine Nutzerdaten monetarisieren.” Zudem soll die App für User kostenlos sein und sich das Start-up über die Zusammenarbeit mit Businesspartnern finanzieren.

Keynto wiederum hat einen Passwortmanager entwickelt, der vor allem damit punkten will, dass sämtliche Server in Europa bzw. in Österreich stehen. Damit soll mehr Vertrauen bei den Kunden geschaffen werden. Im Fokus hat Keynto derzeit vor allem Businesskunden. “Wir sind das Dropbox für Passwörter”, so Tiziano Galizia, CEO von Keynto.

Zurzeit befindet sich A1 in Gesprächen mit zwei weiteren Firmen, die auf dem Campus einziehen sollen. Und auch der Gewinner der aktuell laufenden Suche nach Austria’s Next Top Start-up soll wieder einen Platz bei A1 erhalten.

Gegenseitige Unterstützung

Auf dem Campus profitiere man nicht nur von der Zusammenarbeit mit A1, sondern auch vom Austausch untereinander, heißt es seitens der Start-ups. “Die Zusammenarbeit wächst. Wir veranstalten inzwischen auch kleinere Events. Das Ganze soll wirklich zu einem neuen Hub in Wien werden”, sagt Parkbob-Chef Adelsberger. Firmen, die noch ganz am Anfang stehen, rät er: “Just do it. Wer eine Idee hat, sollte sich einfach reinwerfen und es auf jeden Fall damit probieren.” Das sehen auch die anderen Gründer ähnlich. Einig ist man sich auch, dass sich Wien bzw. ganz Österreich über die vergangenen Jahre zu einer lebendigen Start-up-Szene entwickelt hat. “Die Szene ist gut. Man darf sich aber auch nicht verrennen. Es ist wichtig, die nötigen und richtigen Kontakte zu knüpfen und sich dann auch darauf zu fokussieren”, so Dolinsek von Defect Radar.

( futurezone ) Erstellt am 02.05.2015