Start-ups 17.08.2016

Start-up entwickelt neue Testmethode für Allergien

© Bild: MacroArray Dx

Das vom Molekularbiologen Christian Harwanegg gegründete Wiener Start-up MacroArray Diagnostics will mit einer neuen Analysemethode für Allergien international durchstarten.

Rund 25 Prozent der Bevölkerung, sagen Studien, leiden unter Allergien. Die Diagnose ist oft schwierig, da es hunderte mögliche Auslöser gibt. "Sie gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen", sagt Christian Harwanegg. Der Wiener Molekularbiologe und Gründer des Start-ups MacroArray Diagnostics hat einen Allergietest für klinisch diagnostische Labors entwickelt, mit dem viele Parameter auf einmal abgefragt werden können. Der umfangreiche Test, für den nur zwei bis drei Tropen an Blutserum erforderlich sind, enthält nach Angaben des Start-ups 250 Allergene, die so ausgewählt sind, dass 99 Prozent der Allergiker in einem Schritt richtig und vollständig getestet werden können.

In den vergangenen Jahren habe es viele Fortschritte in der Allergiediagnose gegeben, in die Routinediagnostik hätten sie aber noch nicht Einzug gehalten, sagt Harwanegg zur futurezone. Die molekulare Allergiediagnose ermögliche detaillierte Untersuchungen. "Wo früher nur ein Parameter getestet wurde, werden nun sieben oder acht untersucht", erläutert der Gründer.

Früher sei beispielweise nur die allergische Reaktionen auf Eier getestet worden. Im Eiweiß oder Dotter gebe es aber mehrere unterschiedliche Allergene. "Wir können das alles genau auftrennen." Für Patienten ergebe sich aus der umfangreichen Diagnose ein beträchtlicher Mehrwert. Anstatt gar keine mit Eiern zubereitete Speisen essen zu dürfen, könnten Allergiker bei entsprechender Diagnose künftig etwa Speisen, in denen nur Dotter oder Eiweiß verarbeitet wurde, sehr wohl zu sich nehmen. Ebenso ist eine Aussage möglich, ob erhitztes Eiweiss vertragen wird, also Probleme nur bei Verzehr von rohem Eiern zu erwarten sind.

"Langfristig Kostensenkungen"

Macro Array Dx
© Bild: MacroArray Dx
Mit dem erhöhten Testaufwand seien die Erfolgsaussichten einer Immuntherapie wesentlich höher. Die Kosten für die Tests würden für das Gesundheitssystem keinen Mehraufwand bedeuten. Langfristig seien sogar Kostensenkungen möglich, sagt Harwanegg. "Leidtragende" seiner Methode seien lediglich die Ärzte "Sie bekommen mehr Ergebnisse und müssen sich damit auseinandersetzen."

Eine Zulassung als Diagnostikum hat die Technik noch nicht. Das Start-up ist aber bereits mit einer Lösung für die die Inhouse-Diagnose in Spitälern und Forschungseinrichtungen auf dem Markt. Im Sommer 2017 soll ein Diagnostikum folgen. 2018 will das Start-up dann ein vollautomatisiertes Laborsystem anbieten. Für die Entwicklung seien mehrere Millionen Euro notwendig, rechnet Harwanegg vor. "Das müssen wir erst finanzieren."

Gespräche mit Investoren

Bislang wurde das Start-up aus Eigenmitteln und Fördergeldern der austria wirtschaftsservice (aws) finanziert. Mit Investoren für die weitere Entwicklung der Testmethode und dem Aufbau seiner Firma ist Harwanegg bereits in Verhandlung. Vorausgesetzt die weitere Finanzierung klappt, will das Start-up, das derzeit zwei Mitarbeiter zählt, bis Jahresende auf elf bis zwölf Mitarbeiter aufstocken. Der Hauptpersonalaufwand gehe am Anfang in die Entwicklung und Zulassung, erzählt der Gründer. In fünf Jahren, so rechnet er, könnte MacroArray Dx 60 bis 70 Mitarbeiter beschäftigen.

Start-up-Erfahrung

Mit Start-ups hat Harwanegg bereits Erfahrung. Der Molekularbiologe war für VBC Genomics tätig, das 1999 als Ableger der Universität Wien gegründet wurde. Nach der Übernahme des Biotech-Start-ups durch die schwedische Phadia Holding war er für den damaligen Weltmarktführer in Allergiediagnostik tätig, der später selbst vom US-Unternehmen Thermo Fisher Scientific gekauft wurde.

Zuletzt leitete er die Niederlassung des US-Konzerns in Österreich. Als diese geschlossen und die Mitarbeiter nach Schweden übersiedeln sollten, wollte Harwanegg den Umzug nicht mehr mitmachen und entschloss sich zur Gründung von MacroArray Dx. In Start-up-Strukturen könne man Innovationen schneller umsetzen, sagt der Gründer. Die Kehrseite der Medaille sei der chronische Geldmangel.

Die von ihm entwickelte Technik will Harwanegg künftig auch lizenzieren. Sie könne etwa auch bei Tests für Infektionskrankheiten und Autoimmunkrankheiten angewandt werden, sagt Harwanegg: "Man muss nicht alles selber machen."

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Medienkooperation mit der aws. Die redaktionelle Hoheit obliegt allein der futurezone-Redaktion.

( futurezone ) Erstellt am 17.08.2016