Start-ups
03.01.2017

Start-up-Förderung: Duzdar holt sich Tipps in Israel

Staatssekretärin Muna Duzdar (SPÖ) sieht bei Ausgaben für Forschung und Entwicklung „Steigerung nach oben“.

Rund 5.000 Start-ups gibt es in Israel, im Verhältnis zur Einwohnerzahl angeblich die weltweit größte Dichte solcher Unternehmen. Auch die österreichische Regierung hat ein Auge auf die jungen innovativen Unternehmen geworfen und will sie besser fördern, Staatssekretärin Muna Duzdar (SPÖ) holte sich nun Tipps in Tel Aviv. Ihr Fazit: Es brauche mehr Geld für Innovation und eine neue Fehlerkultur.

„Ressourcen bündeln“

Österreich stecke zwar beachtliche Mittel in Forschung und Entwicklung, findet Duzdar. „Aber der Vergleich zu Israel zeigt, es gibt eine Steigerung nach oben.“ Das aktuelle Start-up-Paket der Bundesregierung ist 185 Millionen Euro schwer, mit dem Geld sollen etwa Lohnnebenkosten gefördert werden. Es sei wichtig, die Ressourcen zu bündeln und die Ausgaben für Innovation noch einmal zu steigern, meinte Duzdar. Eine konkrete Zahl nennt die Kanzleramtsstaatssekretärin während ihres Arbeitsbesuches in Israel am Dienstag allerdings nicht.

Schon der Eingangsbereich im Co-Working-Haus „Mindspace“ ist typisch Tel Aviv: Hip. Da trifft eine türkise Retro-Vespa im gedämpften Licht der minimalistischen Designer-Lampen auf ein abgewetztes schwarzes Ledersofa, als Couchtisch dienen morsche Fensterläden mit Glasplatte drauf. Vorm Lift mit der eigenwilligen Tiertapete, der in die Büroebene führt, werden Weinverkostungstermine und Spa-Angebote des „Mindspace“ angepriesen.

In einer der Arbeits-Kojen erklärt Wendy Singer von Start-Up Nation Central der Delegation, warum Israel als Vorbild in diesem Bereich gilt: Die Regierung unterstützt innovative Unternehmen unter anderem mit niedrigeren Steuern und weniger Bürokratie. Außerdem würden Immigranten als Potenzial gesehen. Als einer der Schlüsselfaktoren wird auch das israelische Militär hervorgehoben: Viele gründeten nach ihrer Zeit in der hoch technologisierten Armee Start-ups, für die sie die als Soldaten erlernten Kompetenzen nutzen, heißt es.

Fehlerquote „sehr erstaunlich“

Zudem herrsche in Israel eine Kultur, Scheitern zu akzeptieren: von gut 1000 neu gegründeten Start-ups pro Jahr verwelken 90 Prozent wieder, erzählte Singer. Für Duzdar ist diese Fehlerkultur „sehr erstaunlich“. Eine „Kultur der zweiten, dritten Chance“ sei zwar in Österreich nicht von heute auf morgen zu etablieren, aber eine gesellschaftliche Debatte wäre wünschenswert, befand Duzdar.

Die Organisation „Start-Up Nation Central“ will Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Politik aus der ganzen Welt mit jungen Unternehmern und ihren Technologien in Kontakt bringen, etwa im Bereich Cybersicherheit oder Gesundheitstechnologie. Seit neuestem gibt es eine Datenbank, wo die Start-ups und ihre Leistungen nach Bereichen aufzufinden sind. Dieses Modell würde man gerne auch in anderen Ländern etablieren, versucht Singer der Staatssekretärin ihre Idee schmackhaft zu machen.

Förderprogramm

Die Wirtschaftskammer hat angesichts des Booms in Israel auch schon leuchtende Augen bekommen: Mit dem Förderprogramm „Go Tel Aviv“ holt man für ein Monat österreichische Start-ups in die Stadt, um ihnen das Know-how zu vermitteln, wie man schnell wachsen kann, erklärte der österreichische Wirtschaftsdelegierte Günther Schabhüttl. „Allein die Tatsache, hier zu sein, ist ein Mehrwert“, schwärmte Schabhüttl. Bei dem Programm gehe es aber auch um echte Schulungs- und Mentoringmaßnahmen. Derzeit läuft die Bewerbung für den zweiten Durchgang im Mai. Umgekehrt gibt es das Projekt „Go Austria“, bei dem israelische Start-ups für zwei Wochen nach Österreich kommen, und zwar mit dem Ziel, in den europäischen Markt einzusteigen.

Es ist freilich nicht alles Gold, was glänzt: Im Verhältnis zur Gesamtwirtschaft sind die Start-ups auch in Israel bei weitem nicht der bestimmende Faktor. Und dem Vernehmen nach gibt es durchaus Kritik am Staat, dass er bei all seinen Förderungen für Start-ups und innovative Firmen auf die anderen Unternehmen vergisst. Duzdar verweist auch darauf, dass die hochtechnologische Entwicklung offenbar zum Großteil an der Bevölkerung vorbeigehe. Als zuständige Staatssekretärin für Digitalisierung sei es ihr aber wichtig, dass der technologische Wandel möglichst vielen zugutekomme. Man müsse versuchen, die digitale Kluft zu schließen, bekräftigte sie. Der Ausbau der Infrastruktur sei ebenso wichtig wie die Stärkung der digitalen Bildung.