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Innovation Vorarlberger Start-up stickt Stromspeicher.

Texible arbeitet an Hochleistungsstromkollektoren für Batteriesysteme, die unter anderem bei Elektroautos zum Einsatz kommen sollen.
Texible arbeitet an Hochleistungsstromkollektoren für Batteriesysteme, die unter anderem bei Elektroautos zum Einsatz kommen sollen. - Foto: Petair - Fotolia/Petair/Fotolia
Texible, ein Spin-off der Universität Innsbruck, hat eine Sticktechnologie entwickelt, die in der Medizin und Pflege ebenso zum Einsatz kommen kann wie bei Stromkollektoren.

„Schiffchenstickmaschinen haben in Vorarlberg eine große Tradition“, sagt Thomas Fröis. Rund 600 solcher Maschinen sind im westlichsten Bundesland noch im Einsatz. Weil das klassische Stickereigeschäft aber zurückgeht, braucht es neue Aufgaben für die vorwiegend von Auftragsfertigern betriebenen Geräte. Und da kommt Fröis’ Start-up Texible ins Spiel. Das als Ableger der Universität Innsbruck von Vorarlberger Textilforschern und Textilunternehmen gegründete Unternehmen hat eine Sticktechnologie entwickelt, die es ermöglicht Drähte und Materialien wie Glasfaser, Kupfer und Stahl mit solchen Schiffchenstickmaschinen zu verarbeiten. 

Stromkollektoren

Lithium Stromkollektor Texible…
Texible Stromkollektor Lithium - Foto: /Texible GmbH

Solcherart gestickte Textilien will Texible unter anderem bei der Optimierung von Batterien und Akkus für die Elektromobilität zum Einsatz bringen. Mit der bereits patentierten 3-D-Struktur des Start-ups könne eine bis zu 50 Prozent höhere Kapazität und eine Verdoppelung der Leistungsdichte von Stromkollektoren erreicht werden, sagt Fröis. Für Elektroautos werde auf diese Weise etwa eine größere Reichweite bei verkürzter Ladezeit ermöglicht.

Erste Labortests wurden bereits durchgeführt. Ein Zellenfertiger, der die Technik in Partnerschaft mit dem Vorarlberger Start-up zur Serienreife bringen soll, wird derzeit gesucht. Bis eine kommerziell verwertbare Lösung verfügbar sei, werde es noch ein bis eineinhalb Jahre dauern, meint Fröis. Entwicklungsaufwand gebe es vor allem noch bei der Beschichtungstechnologie. 

Smarte Betteinlage

Thomas Fröis, Texible mit smarter Betteinlage…
Texible-Gründer Thomas Fröis - Foto: /Texible GmbH

Ein Produkt hat das Vorarlberger Start-up bereits auf dem Markt. Die Betteinlage Texible Wisbi ist seit März erhältlich. Die smarte Matte für demenzkranke Personen schlägt Alarm, wenn Patienten auf nassen Einlagen liegen. Das Start-up beliefert bereits Pflegeheime und Krankenhäuser mit der Betteinlage, über Sanitätshäuser ist sie auch für private Haushalte verfügbar.

Finanziert wurde Texible unter anderem mit Fördergeldern des Austria Wirtschaftsservice (aws), gegründet wurde das Start-up 2016. Die eigentliche Geschichte des jungen Unternehmens begann aber schon früher. Um Auftragseinbrüche abzufangen, gründeten Vorarlberger Stickereibetriebe vor knapp zehn Jahren das Innovationsnetzwerk „Smart Embroideries Austria“. Gemeinsam mit dem Institut für Textilchemie und Textilphysik wurden Forschungsprojekte ins Leben gerufen.

"Not macht erfinderisch"

„Not macht erfinderisch und so ist man auf die Idee gekommen, Technik zu sticken“, erzählt Fröis im Gespräch mit dem KURIER. „Es wurden viele Prototypen entwickelt, es gab aber niemanden, der sie zur Serienreife bringen und vertreiben konnte.“ Als drittes Standbein macht Texible Auftragsentwicklungen für Kunden im Wearables- und Lifestyle-Segment. In T-Shirts integrierte Sensoren zur Atemmessung gehören ebenso dazu wie Kinderdecken zum Baby-Monitoring. Selbst in den Wearables- und Lifestyle-Bereich einsteigen will Fröis aber nicht. „Wir sehen uns als Entwicklungspartner. Was Sensortextilien angeht, ist unser Schwerpunkt Medizin und Pflege.“

 

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und aws (austria wirtschaftsservice).

(futurezone) Erstellt am 19.08.2017, 06:00

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