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Start-ups "Wer Daten missbraucht, ist weg vom Fenster".

Christian Adelsberger von Parkbob im futurezone-Interview
Christian Adelsberger von Parkbob im futurezone-Interview - Foto: A1/APA-Fotoservice/Hinterramskog
Start-ups, aber auch heimische Konzerne wie A1 wollen das Geschäft mit den Daten nicht allein Google und Facebook überlassen. Sie sehen sich dabei sogar im Vorteil.

Konzerne wie Facebook und Google, die mit dem Sammeln persönlicher Daten Milliardengewinne einfahren, müssen viel Kritik einstecken. Dass man vorhandene Daten für sinnvolle Dienste und Anwendungen auch so verwenden kann, dass die Identität von Usern komplett geschützt bleibt, wollen heimische Start-ups in Zusammenarbeit mit A1 beweisen. Anonymisierung lautet das Stichwort.

Eines dieser Start-ups ist Parkbob. Wer in Wien, München, Berlin oder Rom auf Parkplatzsuche ist, kann sich von der App helfen lassen. In bereits 23 Städten ist der in Österreich entwickelte Dienst verfügbar. Allein in Wien bekommen User durch die Anbindung an die Handyparken-App ca. 50.000 freie Parkplätze täglich angezeigt. Das Start-up, eines der Aushängeschilder am „A1 Start up Campus“, will den Dienst demnächst auch in Moskau und Madrid sowie für US-Städte anbieten.

Parkplatzsuche in Echtzeit

Dass Autofahrer praktisch in Echtzeit angezeigt bekommen, wo ein Parkplatz frei ist, ist keiner magischen Glaskugel geschuldet. Vielmehr wertet das Unternehmen mittels ausgeklügelter Software diverse Datenquellen aus und versucht daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Diese stammen von Navigations-Dienstleistern, Taxis mit GPS-Systemen an Bord, Parkplatzbetreibern aber auch von den registrierten Usern selbst, welche die Auswertung ihrer Aus- und Einparkvorgänge freiwillig teilen.

Interview Kurier
Christian Adelsberger, Parkbob - Foto: A1/APA-Fotoservice/Hinterramskog
Datenschützer, bei denen vielleicht jetzt die Alarmglocken läuten, können laut Parkbob-Gründer Christian Adelsberger aufatmen. „Wir haben das System von Anfang an so gebaut, dass wir nicht wissen können, wer die Nutzer hinter den zugelieferten Daten sind. Wir wollen es auch gar nicht wissen. Damit halten wir das System sauber und garantieren, dass kein Unfug mit den Daten angestellt werden kann – selbst wenn jemand es böswillig darauf auslegt“, erklärt Adelsberger im futurezone-Interview.

Anonymisierte Daten

Bei A1, das für die Handyparken-App verantwortlich zeichnet und die dort anfallenden GPS-Daten mit Parkbob teilt, ist Vorsicht das oberste Gebot. „Daten sind unser höchstes Gut. Deshalb werden auch diese GPS-Daten ausnahmslos anonymisiert, bevor sie ausgewählten Partnern als Rohmaterial zur Verfügung gestellt werden“, erklärt Mario Mayerthaler, Head of A1 Start Up Campus.

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Foto: A1/APA-Fotoservice/Hinterramskog
Mit der Übererfüllung sämtlicher Vorgaben des Datenschutz- und Telekommunikationsgesetzes grenze man sich bewusst von internationalen Webkonzernen wie Google und Facebook ab, die diesbezüglich viel freier agieren würden.

Wer fährt wann Zug?

Dass mit anonymisiertem Datenmaterial sinnvolle Services möglich sind und wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden können, will auch das Grazer Start-up Invenium beweisen, das ebenfalls am Campus von A1 angedockt ist. Invenium hat sich auf die Auswertung von Verkehrsströmen – von Fußgängern bis zu Autos und öffentlichem Verkehr – spezialisiert.

„Wir können das Einzugsgebiet eines Einkaufszentrum und die Verweildauer von Käufern aufzeigen oder auch transparent machen, zu welchem Zeitpunkt ein öffentliches Verkehrsmittel von wie vielen Personen verwendet wird. Das erleichtert die Verkehrsplanung auf Basis von tatsächlichen Erfahrungswerten“, sagt Invenium-Gründer Michael Cik. Auch für die Auswertung von Tourismus-Strömen würden sich die vom Start-up entwickelten Algorithmen hervorragend eignen.

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Michael Cik, Invenium - Foto: A1/APA-Fotoservice/Hinterramskog
Cik zufolge ist der ethische Umgang mit Daten essenziell, um als Unternehmen erfolgreich zu sein. „Wer mit Daten bewusst etwas Schlechtes im Schilde führt, wird scheitern. Gerade heute erwarten sich User und Kunden Transparenz bei diesem Thema“, sagt Cik. Parkbob-Gründer Adelsberger geht sogar noch einen Schritt weiter: „Wer als Unternehmen Daten missbraucht oder sonst einen Blödsinn macht, ist kommerziell weg vom Fenster. Das trifft auf die viel gescholtene USA sogar noch stärker als auf Europa zu, wo wiederum die rechtlichen Rahmenbedingungen mitunter strenger sind.“

Daten-"Fairtrade" als Geschäftsmodell

Dass Firmen von einem ethischen Umgang mit Daten künftig auch geschäftlich noch viel stärker profitieren werden als jetzt, liegt für den Parkbob-Gründer auf der Hand. „Man kennt das ja aus der Bio- und Fairtrade-Bewegung. Den Konsumenten ist klar, dass Firmen Geld verdienen müssen. Aber sie legen Wert darauf, dass das Produkt zu fairen Bedingungen und so sauber wie möglich produziert wurde. Bei Daten-Services gibt es dafür leider noch keinen Begriff“, sagt Adelsberger.

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Mario Mayerthaler, A1 - Foto: A1/APA-Fotoservice/Hinterramskog
Auch Mayerthaler glaubt, dass das Thema Datenschutz für Kunden immer wichtiger wird und Telekommunikationsunternehmen wie A1 in die Hände spielt. „Der Kunde wird durch die geplanten europäischen Regulierungsmaßnahmen von globalen Konzernen wie Google und Facebook viel mehr Kontrolle über seine eigenen Daten bekommen. Und auch das Bewusstsein der User hinsichtlich Datenschutz wird noch stärker ausgeprägt werden. Davon werden wir profitieren - eben auch weil uns die Kunden vertrauen", ist Mayerthaler überzeugt.

Austria's Next Top Start-up

Start-ups gesucht - bis Juli bewerben

Datengetriebene Geschäftsmodelle stehen auch im Zentrum der meisten Start-ups, die am vor sechs Jahren gegründeten A1 Start Up Campus angesiedelt sind. Wie bereits in den Vorjahren sucht A1 zusammen mit der futurezone nach spannenden Jungfirmen, die in die Räumlichkeiten des Campus einziehen wollen. Noch bis Ende Juli können sich Start-up-Gründer im Rahmen der Aktion „Austria’s Next Top Start-up“ mit ihrer Idee und ihrem Team bewerben (zu den Bewerbungsunterlagen).

Preisgeld und Unterstützung

Neben einem Preisgeld von 10.000 Euro profitiert das von Lesern und einer Fachjury gekürte Sieger-Start-up vom Know-how und der Cloud- und Rechner-Infrastruktur von A1, aber auch vom Austausch mit anderen Start-ups direkt am Campus. Dieser entwickelt sich laut A1 hervorragend. Nach einer Verdoppelung der Büroräumlichkeiten im 2. Wiener Gemeindebezirk auf 1000 Quadratmeter soll die Fläche im kommenden Jahre noch einmal um etwa diese Fläche erweitert werden.

Neun Start-ups sind mittlerweile an Bord, darunter auch die Kassensoftware-Entwickler von ready2order und das Werbeplanungs-Start-up Adscanner, das sich auf die datengetriebene Analyse von TV-Kampagnen spezialisiert hat.

(futurezone) Erstellt am 22.07.2017, 06:00

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