Das Drohnenboot dürfte eine Rakete bereits abgeschossen haben.

Das Drohnenboot dürfte eine Rakete bereits abgeschossen haben.

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Militärtechnik

Ukrainische Drohnenboote wehren Helikopter mit Luft-Luft-Raketen ab

Der "Drohnenkrieg" in der Ukraine ist um eine Kuriosität reicher: Die Ukraine hat offenbar damit begonnen, Drohnenboote mit wärmesuchenden Luft-Luft-Raketen auszustatten. Damit sollen sie wohl vor russischen Helikoptern geschützt werden, mit denen sie bekämpft werden.

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Das russische Verteidigungsministerium hat ein Video veröffentlicht, die einen russischen Kamow KA-29 Helikoper zeigen, der auf eine Drohne schießt. Diese soll mit einer Wympel R-73 ausgestattet sein, auch bekannt als AA-11 Archer. Die sowjetische Luft-Luft-Rakete wurde in den 1970er-Jahren entwickelt und hat eine Reichweite von etwa 30 Kilometern, was allerdings nicht bedeuten muss, dass diese auch beim Start von einem Drohnenboot aus erreicht wird.

Im Video ist eine einzelne R-73 zu sehen, am Heck des Drohnenbootes befinden sich allerdings 2 abgewinkelte Schienen, was vermuten lässt, dass eine Rakete bereits abgefeuert wurde. Laut dem Account hätte diese Rakete erfolglos versucht, einen russischen MI-8 Helikopter zum Absturz zu bringen. 

Noch keine bekannten Einsätze

Laut The War Zone ist es der erste Fall, in dem ein Drohnenboot mit einer solchen Rakete ausgestattet wurde. In der Vergangenheit gab es allerdings bereits einige Fälle, bei denen Drohnenboote mit tragbaren Luftabwehrsystemen nachgerüstet wurden. Dass dieses am helllichten Tag unterwegs war, deute möglicherweise darauf hin, dass die Drohne absichtlich als eine Art Köder eingesetzt wurde.

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Laut dem pro-russischen Telegram-Account "Fighterbomber" gab es bislang noch keine bestätigten Einsätze von Luft-Luft-Raketen, die von Drohnenbooten abgefeuert wurden. Der Account gesteht allerdings ein, dass die Bewaffnung eine Gefahr für russische Hubschrauber darstelle, die gegen die ukrainischen Drohnenboote eingesetzt werden.

Angriff auf russische Boote vor der Krim

Die Bilder tauchen am selben Tag auf, an dem die Ukraine berichtete, einen erfolgreichen Drohnenboot-Angriff auf ein russisches Marineziel durchgeführt zu haben. Die Kamikazedrohne soll dabei "ein russisches Schnellboot" zerstört haben, das sich in einer Krim-Bucht befand. Die Attacke fand allerdings anders als die Vorfälle mit den Hubschraubern in der Nacht statt - zu einer Zeit, wo die Drohnenboote nicht so auffällig sind.

Dabei ist unklar, ob die bei der Attacke verwendeten Drohnenboote - Russland spricht von insgesamt 5 Booten - mit Raketen ausgestattet waren. Im obigen Video ist allerdings bei Sekunde 48 zu sehen, wie ein längliches Ding ins Wasser fällt, das die Form einer Rakete haben könnte. 

Steuerung mit Helmvisier

Der Suchkopf der R-73 hat ein großes Sichtfeld von 75 Grad, wodurch sie deutlich mehr Ziele anvisieren kann als eine herkömmliche wärmesuchende Luft-Luft-Rakete mit einem festen, nach vorne gerichteten Suchkopf. Normalerweise wird sie in Verbindung mit dem Helmvisier durch Kopfbewegungen des Piloten auf ihr Ziel losgelassen. Offensichtlich hat die Ukraine eine Möglichkeit gefunden, diese Fähigkeit aus der Ferne zu nutzen.

R-73 Luft-Luft-Raketen.

R-73 Luft-Luft-Raketen. Vitaly V. Kuzmin/Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0

Ein Näherungssensor erkennt, wann die Nähe eines Ziels erreicht wird, wobei dann der 7,4 Kilogramm schwere Gefechtskopf gezündet wird, der sich in einem Splittermantel aus panzerbrechendem abgereichertem Uran befindet. 

Auch wenn der Hubschrauber nicht direkt getroffen wird, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass der Helikopter dabei beschädigt wird. Das zwingt die Russen, außerhalb der Reichweite der Drohnen zu fliegen, wodurch es unmöglich wird, die Drohnen mit dem primären Maschinengewehr abzuschießen.

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