In Dubai gab es schwere Regenfälle: Ob die Geoengineering-Methode Cloud Seeding die Ursache ist, bezweifeln Wissenschafler*innen.

In Dubai gab es schwere Regenfälle: Ob die Geoengineering-Methode Cloud Seeding die Ursache ist, bezweifeln Wissenschafler*innen. 

© APA/AFP/GIUSEPPE CACACE

Science

Schwere Regenfälle in Dubai: Ist Cloud Seeding der Grund dafür?

In Dubai fiel allein am Dienstag so viel Regen vom Himmel, wie sonst im Laufe eines ganzen Jahres. Videos zeigen Autos, von denen in den Wassermassen nur mehr das Dach hervorschaut. Bäche fließen durch Geschäfte, während Aufnahmen vom wichtigen Verkehrsflughafen Flugzeuge zeigen, die sich durch das Hochwasser kämpfen. 

Nun fragen sich viele, ob das sogenannte Cloud Seeding die Ursache der Überschwemmungen sein könnte. In den Vereinigten Arabischen Emiraten wird das nämlich regelmäßig durchgeführt. Bei dieser Form der Wetterbeeinflussung werden Chemikalien in die Wolken eingebracht, die Regen auslösen sollen. 

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Emirate impfen Wolken seit Jahrzehnten 

Seit 2002 wird das „Wolkenimpfen“ in den Emiraten praktiziert, um damit der dortigen Wasserknappheit zu begegnen. „Beim Cloud Seeding geht es darum, künstlichen Niederschlag aus Wolken zu erhalten, die sonst keinen, wenig oder erst viel später Niederschlag erzeugen würden“, erklärt der Klimaforscher Georg Pistotnik von Geosphere Austria. Flugzeuge fliegen an den Rand der Gewitterzelle und sprühen Chemikalien in die Wolken. „Dabei wachsen in den Wolken kleine Wassertröpfchen langsam zu größeren heran“, sagt Pistotnik. 

Irgendwann werden diese schwerer und fallen in Form von Schneeflocken, Regentropfen oder Hagel auf die Erde. „Mit sogenannten Gefrierkeimen geht das schneller – diese wirken sehr stark wasseranziehend. Das können Staubpartikel oder Kochsalzmoleküle sein, die es in Meeresnähe gibt. Cloud Seeding macht sich das zunutze, indem es solche Gefrierkeime künstlich einbringt“, sagt der Klimaforscher. 

In den Emiraten werde dafür meistens Kochsalz verwendet. Andernorts wird dafür zumeist Silberiodid verwendet – auch in Österreich, wo Cloud Seeding zur Hagelabwehr eingesetzt wird. Die eingebrachten Partikel bilden in der Wolke eine Art Gerüst, an dem die Tropfen wachsen und dann zu Boden fallen. Bei der Hagelabwehr sollen sich so kleinere Graupel bilden und abregnen, bevor sie zu großen Hagelkörnern heranwachsen.

Verschwörungstheorien

Bei Überschwemmungen in der Vergangenheit kursierten bereits Gerüchte, wonach Cloud Seeding die Schuld daran haben könnte. Bei den australischen Sturmfluten im Jahr 2022 oder in der Türkei im Vorjahr schoben manche User*innen auf Social Media die Katastrophen auf künstliche Eingriffe in das Wetter. 

Eine gängige Verschwörungstheorie besagt, dass Regierungen das Wetter mit Absicht manipulieren würden, um der eigenen Bevölkerung zu schaden. Auch bei den Überschwemmungen in den Emiraten gibt es nun wieder Spekulationen, ob die menschlichen Eingriffe in die Natur Schuld haben könnten.

Im Falle der derzeitigen Überschwemmungen in den Emiraten ist allerdings unklar, ob im Vorfeld überhaupt Cloud Seeding stattgefunden hat. Am Dienstag erklärte der Meteorologe vom Institut für Meteorologie in Dubai, Ahmed Habib, dem Medium Bloomberg noch, dass seit Montag insgesamt 7 solche Missionen geflogen worden seien. 

Später folgte dazu aber ein Dementi vom Vizedirektor einer Regierungsorganisation für Meteorologie, Omar AlYazeedi. Dieser sagte zum Nachrichtensender CNBC, dass entgegen früherer Behauptungen keine solchen Wolkenimpfungen stattgefunden hätten. Auch Habib wurde von CNBC erneut befragt. Dieses Mal meinte er, dass zwar Piloten geflogen seien, diese jedoch keine Wolken „geimpft“ hätten. Was dort wirklich passiert ist, lässt sich derzeit nicht rekonstruieren. 

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Umstrittener Nutzen 

Grundsätzlich dürfe man die Effekte von Cloud Seeding aber jedenfalls nicht überschätzen, betont Pistotnik. Die Wirkung der Methode sei in der Wissenschaft sehr umstritten. Die Mehrzahl der Studien zeige, dass der Effekt über ein Jahr gerechnet maximal ein paar Prozent Niederschlag zusätzlich bringt. 

"Die Schwierigkeit ist, dass man nicht nachweisen kann, was ohne Cloud Seeding passiert wäre“, sagt er. Es sei extrem unwahrscheinlich, dass solche Operationen die Starkregenfälle beeinflusst haben könnten: "Die Effekte von menschlichen Manipulationen wie Cloud Seeding sind minimal, auch bei den jetzigen Überschwemmungen im arabischen Raum“, erklärt er. Der Geoengineering-Experte Blaž Gasparini von der Universität Wien sieht das ähnlich: „Ich bleibe sehr skeptisch gegenüber der Behauptung, dass es die Niederschlagsmenge erhöhen kann“, sagt er.

"In den Vereinigten Arabischen Emiraten wird, wie in vielen subtropischen Ländern, versucht, das dort typische Wasserproblem abzuschwächen. Dortige Studien sprechen von einer Zunahme des Regens von 10 bis 30 Prozent der Niederschlagsmenge, allerdings ist fraglich, wie zuverlässig diese Studien sind oder ob eigentlich Propaganda dahintersteckt", meint Pistotnik.

Auch der Nutzen der heimischen Hagelabwehr sei fraglich. "Bei uns wird das vor allem in Weinbaugebieten in der Wachau und Südsteiermark betrieben. Hier machen das Vereine, die dafür bezahlt werden. Die sagen natürlich, dass das Impfen der Wolke funktioniert. In Wahrheit ist der Effekt aber umstritten und kaum nachweisbar“, sagt Pistotnik. 

Auch Gasparini teilt diese Ansicht: „Unter kontrollierten Laborbedingungen funktioniert das. Aber heute, nach fast hundert Jahren des Experimentierens und Forschens, haben wir immer noch keinen Beweis dafür, dass es auch in der Natur funktioniert. Es gibt Studien, die einen gewissen positiven Effekt zeigen, und andere, die darauf hinweisen, dass man den Hagel damit sogar verstärkt", erklärt der Forscher. Es gebe in puncto Hagelabwehr keinen breiten Konsens - die meisten Expert*innen würden der Praxis allerdings skeptisch gegenüberstehen. 

Theoretisch kann es eine Überschwemmung auslösen

Allerdings könnte ein Eingriff – zumindest theoretisch – sehr wohl eine Überschwemmung auslösen, wenn man gewisse Trigger-Punkte in der Atmosphäre finden würde. „Mit unserem derzeitigen Wissen ist es wahnsinnig schwierig, solche Situationen zu erkennen. Ob Dubai so ein zufälliger Einzelfall war, kann man nicht sagen“, sagt Pistotnik. 

Unsere derzeit beschränkten Fähigkeiten zur Wetterbeeinflussung sieht er allerdings positiv: „Ich halte das für ein sehr dystopisches Szenario, dass die Menschheit tatsächlich in der Lage ist, das Wetter zu manipulieren." Für ihn ist schwer vorstellbar, dass man solche Möglichkeiten konstruktiv nutzen würde. „Die Möglichkeiten dazu werden in den nächsten Jahren zwar wachsen, aber das Schadenspotential ist riesig. Die Wetter-Manipulation stellt eine Bedrohung für die Menschheit dar, weil die Nebenwirkungen unkontrollierbar sind“, meint Pistotnik.

Hinter dem Wetterereignis in Dubai dürften hingegen höchstwahrscheinlich natürliche Effekte stecken: „Das war ein außergewöhnliches Wetterereignis, das durch ein ganz besonderes Wettersystem über der Arabischen Halbinsel verursacht wurde. Extreme Gewitter traten auch weit entfernt von den Regionen auf, in denen Cloud Seeding eingesetzt wird, z. B. in den dünn besiedelten Wüsten von Oman und Saudi-Arabien“, erklärt Gasparini. 

Expert*innen hätten das Wetterereignis zudem bereits einige Stunden davor vorhergesagt. Laut Gasparini müssten wir uns aufgrund der globalen Erderwärmung auf insgesamt höhere Niederschlagsmengen einstellen. 

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Jana Unterrainer

Überall werden heute Daten verarbeitet, Sensoren gibt es sogar in Arktis und Tiefsee. Die Welt hat sich durch die Digitalisierung stark verändert. Das interessiert mich besonders, mit KI und Robotik steigt die Bedeutung weiter enorm.

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Jana Unterrainer

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