Kriegsschiff mit Bluetooth-Tracker in Postkarte ausspioniert
Wenn Kriegsschiffe im Einsatz sind, sind die öffentlichen Transponder üblicherweise ausgeschaltet. Schließlich will man nicht dem Feind die Position übermitteln, was Angriffe erleichtern würde.
Der niederländische, öffentlich-rechtliche Sender Omroep Gelderland, hat gezeigt, wie einfach sich Kriegsschiffe trotzdem orten lassen. Alles, was dazu nötig war: ein Bluetooth-Tracker um 5 Euro und 2 Briefmarken.
Bluetooth-Tracker wird zum Spionagetool
Das Ziel der Spionageaktion war die Evertsen, eine niederländische Fregatte. Ihre Mission: Begleitschutz für die Charles de Gaulle. Ein erfolgreiches Tracking würde also nicht nur die Evertsen gefährden, sondern auch Frankreichs einzigen Flugzeugträger – obwohl die Fregatte diesen eigentlich vor Raketen, Marschflugkörpern und Kamikaze-Drohnen beschützen soll.
Statt spezieller Wanzen oder Peilsender, wurde ein handelsüblicher Bluetooth-Tracker genutzt. Das genaue Modell, und ob es ein Tracker für iOS oder Android war, hat Omroep Gelderland nicht verraten. Da aber der Preis mit „5 Euro“ angegeben wurde, wird es wohl zumindest nicht ein Apple AirTag gewesen sein, diese kosten nämlich pro Stück ungefähr 30 Euro.
Wie funktionieren Find-my-Netzwerke?
Die „Find My“-Netzwerke von Google („Find My Device“/„Mein Gerät finden“) und Apple („Wo ist?“/„Find My“) ermöglichen das Auffinden verlorener Geräte und Gegenstände – auch wenn diese offline sind. Möglich machen das Netzwerke aus Millionen Geräten, konkret: Smartphones.
Die kleinen Tags senden permanent Bluetooth-Signale aus. Diese können von jedem kompatiblen Handy in der Nähe (Android-Handy bei Google, iPhones von Apple) empfangen werden. Aufgrund von Ortungsdiensten wie GPS und WLAN weiß das Handy wo es ist, zudem ist es in der Regel mit dem Internet verbunden. Die Standortdaten des Tags werden über diesen Weg an das Netzwerk gesendet.
Der Besitzer des Tags sieht dann in der zugehörigen App, dass der kleine Anhänger geortet wurde und dessen Standort auf einer Karte angezeigt wird. Der Besitzer, dessen Handy das Gerät gefunden hat, bleibt dabei völlig anonym.
Post für die Evertsen
Um den Bluetooth-Tracker an Bord zu bringen, wurde der Postweg gewählt. Wie viele andere Länder auch, bietet das niederländische Verteidigungsministerium die Möglichkeit, Soldaten im Auslandseinsatz Briefe und Pakete zukommen zu lassen. Die Anleitung dazu findet man auf der Website des Verteidigungsministeriums.
Dieser Service ist eigentlich gedacht, damit Angehörige den Soldaten schreiben oder ihnen Sachen schicken können. Ob Omroep Gelderland den Tracker an eine bestimmte Person an Bord geschickt hat, oder die korrekte NAPO-Nummer (311) als Adresse für die Evertsen gereicht hat, damit die Sendung aufs Schiff gelangt ist, ist nicht bekannt.
Omroep Gelderland hat den Tracker jedenfalls in ein Kuvert mit einer Postkarte gegeben. Denn anhand von Videos, die das Verteidigungsministerium veröffentlicht hat, war zu sehen, dass Pakete der Militärpost durch ein Röntgengerät laufen, nicht aber Briefe.
Kurs live verfolgbar
Online konnte die Position des Bluetooth-Trackers verfolgt werden. Vom Postverteilzentrum ging es in die Marinebasis Den Helder und von dort zum Flughafen Eindhoven. Die Reise ging weiter in den Hafen von Heraklion, wo die Evertsen gedockt war. Über eine öffentliche Webcam war sichtbar, dass die Evertsen am 27. März ausgelaufen ist. Dank der Daten des Bluetooth-Trackers konnte live verfolgt werden, wie der Kurs erst nach Westen ging, entlang der Küste von Kreta, und später Richtung Osten.
24 Stunden später, als die Evertsen in der Nähe von Zypern war, ging der Tracker offline. Es ist nicht bekannt, warum. Eine Möglichkeit ist, dass die Fregatte ihr Einsatzgebiet und die Charles de Gaulle erreicht hat und deshalb für die Matrosen das Bord-WLAN bzw. Mobilfunk-Relay abgedreht wurde, um elektronische Emissionen zu reduzieren oder genau solche Positionsleaks zu unterbinden.
Fregatte Evertsen
© Ein Dahmer / Wikimedia Commons
Tracker wurde entdeckt
Eine andere Option ist, dass der Tracker an Bord der Evertsen gefunden und unbrauchbar gemacht wurde. Zumindest hat ein Sprecher des Verteidigungsministeriums gegenüber Omroep Gelderland gesagt, dass der Tracker beim Sortieren der Post auf der Evertsen gefunden wurde, nachdem die Fregatte aus dem Hafen ausgelaufen war. Trotz des Trackings sei die Mission der Evertsen nicht gefährdet gewesen, so der Sprecher.
Die Anleitung, wie Post auf Kriegsschiffe kommt, werde weiterhin online bleiben. Neue Regeln sollen aber ähnliche Vorfälle verhindern. So dürfen jetzt Briefsendungen keine Batterien enthalten, also etwa auch keine Postkarten, die Musik abspielen, wenn man sie öffnet. Ob Briefsendungen jetzt auch geröntgt werden, um diese Regel durchzusetzen, ist nicht bekannt.
Position von Charles de Gaulle mit Strava geleakt
Vor diesem Experiment gab es einen ähnlichen Vorfall. Ein Matrose an Bord der Charles de Gaulle übertrug Mitte März seine Laufdaten mit der App Strava in Echtzeit. Er hatte seine Daten auf öffentlich gestellt, wodurch alle die Fahrt der Charles de Gaulle verfolgen konnten, während er seine Runden an Bord drehte.
Dank eines laufenden Matrosen an Bord der Charles de Gaulle, konnte die Position des französischen Flugzeugträgers live getrackt werden.
© Strava / Screenshot
Eigentlich sollten es Soldaten mittlerweile besser wissen. Denn schon Jahre davor hat sich Strava als Petze erwiesen. So wurden etwa Militärbasen der USA und ihrer Verbündeten, deren Standorte teilweise geheim waren, in Afghanistan, Irak und Syrien aufgedeckt.
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De-Zeven-Provinciën-Klasse
Die Evertsen wurde im Juni 2005 in Dienst gestellt. Sie ist 144 Meter lang und hat eine Verdrängung von 6.050 Tonnen. Sie ist das neueste und letzte Schiff der De-Zeven-Provinciën-Klasse, von der 4 Stück gebaut wurden.
Die Schiffe dieser Klasse sind Luftverteidigungs- und Führungsfregatten. Sie wurden zusammen mit Deutschland und Spanien entwickelt. Dort heißen sie Sachsen- und Álvaro-de-Bazán-Klasse.
Die Tromp und De Zeven Provinciën, das erste Schiff der gleichnamigen Klasse, haben die zusätzliche Ausrüstung, um als „Command & Control“-Schiffe zu dienen. Die Evertsen und De Ruyter sind auf die Luftverteidigung spezialisiert.
Die Primärbewaffnung dazu sind 40 Zellen des Vertikalstarters Mk 41. Üblicherweise sind 32 Stück davon mit je einer SM-2 IIIA Luftabwehrrakete bestückt. Diese hat eine Reichweite von etwa 170 km.
8 Zellen sind mit einem 4-fach-Behälter für Evolved SeaSparrow bestückt, wodurch insgesamt 32 Stück dieser Luftabwehrraketen an Bord sind. Sie haben eine Reichweite von etwa 50 km.
Ebenfalls zur Luftabwehr und auch gegen Boote dient die Otobreda 127/64. Die Kanone im Kaliber 127 mm hat eine Feuerrate von bis zu 32 Schuss pro Minute. Je nach Munition liegt die Reichweite bei etwa 30 km. Mit den gelenkten Vulcano-Geschossen sind sogar 100 km möglich.
Gegen Schiffe gibt es 8 Harpoon-Raketen. Zur Abwehr von U-Booten sind noch 2 Doppelstarter für Torpedos an Bord der Evertsen.