Symbolbild
Acti im Test: Wenn der KI-Agent in der Tastatur schlummert
Während die großen KI-Firmen allesamt ihre eigenen Anwendungen anbieten, um mit diesen zu chatten, kämpfen sie alle noch immer um eine Vollintegration in den Alltag ihrer Nutzerinnen und Nutzer. Wer etwas von ChatGPT, Claude und Co. braucht, wechselt dafür in die hauseigene App, um dort Fragen zu stellen.
Mit Acti versucht es jetzt ein Unternehmen aus Singapur mit einem neuen Ansatz. Die App bringt eine eigene Tastatur mit, bei der die KI nur einen Tastenanschlag entfernt ist.
Local First
Nach einem stillen Launch im vergangenen Monat hat Acti nun offiziell seinen Start eingeläutet. Die Tastatur-App, die bisher unter dem Namen TypeX lief, wurde auf komplett neue Beine gestellt. Kernelement von Acti ist die Integration von KI-Skills, die uns direkt aus der Tastatur heraus Aufgaben erledigen lassen.
Um mit Acti durchstarten zu können, brauchen wir die App und ein Konto. Die Registrierung findet per E-Mail oder Single-Sign-On über Apple oder Google statt. Viel mehr als unsere Mail-Adresse will Acti aber gar nicht wissen.
Nach einem Tutorial gilt es dann noch, der Tastatur vollen Zugriff auf unser Getipptes zu geben. Zwar bieten die Datenschutzangaben von Acti keinen Grund zur Sorge, wie bei jeder anderen Drittanbieter-Tastatur kann aber auch hier theoretisch jeder einzelne Buchstabe abgefangen werden. Acti verspricht zumindest einen „Local First“-Ansatz, bei dem Informationen unser Smartphone erst verlassen, wenn wir explizit zustimmen.
13 Bilder
Skills für jeden Geschmack
Haben wir uns durch das für eine Tastatur verhältnismäßig lange Onboarding getippt, landen wir im Dashboard von Acti. Hier lässt sich unsere Tastatur mit Skills belegen. Von Haus aus liefert Acti einige Skills mit, darunter etwa eine Option zum Übersetzen von Inhalten oder zum Umformulieren von Texten.
Im Reiter „Skills“ finden wir darüber hinaus einen Community-Hub, der von anderen Nutzerinnen und Nutzern geteilte Skills zeigt. Mit dem Google-Meet-Skill können wir beispielsweise direkt über die Tastatur einen Meet-Link generieren. Der Wiki-Skill holt uns zu gewünschten Inhalten eine Zusammenfassung aus Wikipedia.
Obwohl oder eben weil so viele Skills schon im Community-Hub sind, ist dieser derzeit aber nur eingeschränkt nützlich. Zwar gibt es eine Featured-Sektion mit einem Dutzend Empfehlungen, ansonsten wird aber alles in „Latest“ gesammelt, wo hunderte, sich auch oft wiederholende, Skills einfach in einer Liste durcheinander sind.
Zusammenfassung von Acti nach dem Auslösen der Acti-Bar
© futurezone/Screenshot
Große API-Auswahl
Möchten wir eine konkrete Aufgabe umsetzen, können wir uns in der Acti-App unsere eigenen Skills schaffen. Hier müssen wir zuerst wählen, ob der Skill öffentlich oder privat sein soll. Danach können wir auf alle derzeit verfügbaren Komponenten von Acti zugreifen.
Unter Apps sind beispielsweise Google Calendar und Meet, Notion und Slack vertreten. Bei den APIs finden sich von YouTube über Wikipedia bis zu Sport-APIs einige interessante Angebote. Zudem können Agents aus OpenClaw, Manus und Claude integriert werden.
Wollen wir einen Skill erstellen, können wir über das Textfenster am oberen Bildschirmrand einfach beschreiben, was wir haben möchten. Über eine Art Skill-Chatbot wird dann unser Skill gebaut. Viel Einfluss haben wir auf die technische Umsetzung aber nicht.
Der Skill-Builder brauchte im Test mehrere Anläufe, um das gewünschte Ergebnis zu liefern.
© futurezone/Screenshot
Im Test führt das auch gleich zu Problemen, da mein gewünschter Skill für die deutsche Wikipedia partout nicht laufen wollte. In solchen Fällen müssen wir mit dem Chatbot interagieren, bis er irgendwann den Skill richtig erstellt hat.
Haben wir alle für uns wichtigen Skills gefunden, können wir diese Tasten zuweisen. Jeder Buchstabe auf der Tastatur kann einen Skill tragen. Die Leertaste ist als „Acti Bar“ reserviert, mit der aus dem Kontext heraus Maps-Einträge oder andere Inhalte abgerufen werden.
Gemini im Hintergrund
Sind wir jetzt am Tippen, etwa in einer Chat-App oder in den Notizen, kann Acti mit unserem Text interagieren. Nutzen wir die Acti Bar, wird unser letzter Satz als Input verwendet. Bei anderen Skills müssen wir beispielsweise zuerst den gewünschten Text kopieren, um dann den Skill über einen Buchstaben auszulösen.
In Sachen Speed gibt sich Acti keine Blöße. Das Generieren geht unheimlich schnell vonstatten. Im Hintergrund arbeiten dafür die Modelle von Google Gemini. Das hat seinen Preis. Derzeit stehen uns 10 Tokens pro Tag zur Verfügung. Jeder Skill-Einsatz kostet einen Token. Momentan sind noch keine Preise oder Abo-Modelle verfügbar, billig wird der Einsatz der KI aber definitiv nicht.
Fazit
Mit Acti rückt die KI noch näher an uns heran. Die Integration von Skills direkt auf den Tasten macht Sinn und funktioniert überraschend gut. Einen Chatbot ersetzt man damit aber nicht.
Für kurze Abfragen, um etwa einen Google-Maps-Link oder eine Zusammenfassung aus Wikipedia zu holen, ist Acti aber bestens geeignet. Ein großes Fragezeichen steht noch hinter dem Preis, zu dem es momentan keinerlei Informationen gibt.
Kommentare