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Star Fox für Switch 2 im Test: Späte Rache am „Star Wars von Nintendo“

Ein paar Monate, nachdem 1997 das Nintendo 64 in Österreich erschienen war, kam Lylat Wars. Hinter dem etwas unglücklichen Namen, steckte Star Fox 64, das wegen Markenrechtsproblemen in Europa umbenannt werden musste.

Weil Lylat Wars nicht gerade von der Zunge rollte und fragende Blicke der Mitschüler erntete, wenn man auf Österreichs Pausenhöfen davon berichten wollte, erklärte man es oft so: „Na das Star Wars von Nintendo halt.“ Mit Star Fox (Switch 2, ab 7 Jahren, ab 50 Euro) gibt es jetzt ein Remake des N64-Klassikers und für mich die Chance, nach Jahrzehnten endlich mal das Game ordentlich durchzuspielen.

Unterwegs im Arwing

Der Vergleich passte nicht nur wegen der Namensähnlichkeit: Man kann nicht abstreiten, dass sich Nintendo für Star Fox/Lylat Wars von Star Wars inspirieren hat lassen. Allerdings geht es hier nicht um die Lichtschwertkämpfe, sondern um die Weltraumschlachten. Das ganze Gameplay, das Spiel ist ein Rail-Shooter, ist eigentlich eine Hommage an den berüchtigten „Death Star Trench Run“ aus „Star Wars: Episode IV“. Und dass das eigene Raumschiff Arwing heißt und ausfahrbare Flügel hat, erinnert verdächtig an den X-Wing.

Ist das schlecht? Keineswegs. Auch die Zwischensequenzen, die die fliegende Söldnertruppe Star Fox (ja, die heißt genauso wie das Spiel) zeigen, sind voll mit Star-Wars-Anspielungen. Nur, dass es hier keine Menschen gibt: Die Piloten sind allesamt Tiere.

3 der 4 Mitglieder von Star Fox.

Und im Remake erstrahlen sie im neuen Glanz. Die eigene Spielfigur, Fox McCloud, ist nicht nur der typische Piloten-Bad-Ass, der an Tom Cruises Charakter Maverick aus „Top Gun“ erinnert, sondern ist auch so flauschig, dass man ihn am liebsten hinter seinem Fuchsohr graulen möchte.

Auch die Spielgrafik wurde ordentlich aufpoliert im Vergleich zum N64-Original. Fotorealismus oder bombastische Effekte gibt es nicht. Dafür aber einen Look, der einen wohligen Retrocharme ausstrahlt und trotzdem gefällt.

Wer will, kann den Arwing auch aus der Cockpit-Perspektive steuern.

Ausweichen, schießen, wiederholen

Das Gameplay des Originals wurde übernommen. Die meisten Levels sind wie ein Korridor aufgebaut, der durchflogen wird. Daher auch der Genre-Name Rail Shooter, weil das Level wie auf Schienen von A nach B führt. Weil ein Arwing aber keine Lokomotive ist, muss man natürlich navigieren, Hindernissen ausweichen und gleichzeitig die Feinde mit dem Laser zerstören.

Wer will, kann das übrigens auch kooperativ machen: Ein Spieler übernimmt dann das Steuer, der Zweite das Zielen. In einigen Levels kann man sich auch freier bewegen. Diese sind wie eine Kuppel angelegt, in der man sich Dogfights mit feindlichen Raumschiffen liefert.

Nintendo war gnädig

Das klingt eigentlich alles simpel, aber wer das N64-Original kennt, weiß, dass es das in sich hat. Damals war Nintendo beim Schwierigkeitsgrad weit fordernder, als heute. Und auch beim neuen Star Fox merkt man das: Die schwierigen Levels und einige Bosse sind immer noch zäh und lassen frustrierende Kindheitserinnerungen aufkommen.

Ein bisschen gnädig ist Nintendo beim Remake aber trotzdem. Hat man sich mal eingespielt (war das Game damals auch schon so schnell?) und den Arwing unter Kontrolle, ist es gefühlt eine Spur einfacher als damals – oder es ist der Ehrgeiz, der mich antreibt, um nach gut 29 Jahren endlich Rache an der Armee des bösen Wissenschafters Andross zu nehmen.

Hat jemand "Independence Day" gesagt?

Nach 2 Stunden (war das Game damals auch schon so kurz?) ist man durch – vermeintlich. Um nämlich alle Levels gesehen zu haben, muss man die Kampagne mehrfach durchspielen. Nur, wenn man bestimmte Ziele während einer Mission erfüllt, kann man einen anderen Planeten in der Galaxie ansteuern und sieht so ein neues Level.

Und wenn das auch erledigt ist, kann man noch versuchen den höheren Schwierigkeitsgrad freizuschalten: Dazu muss man in jedem Level eine bestimmte Punkteanzahl erzielen. Außerdem gibt es einen Herausforderungsmodus, bei dem man kleine Sonderaufgaben während der Missionen erledigen muss. Auch ein Mehrspieler-Modus ist vorhanden, bei dem man sich Luftkämpfe in einer Arena liefert. 

Und wenn man dann noch immer einen Grund sucht, um nochmal Star Fox zu spielen, kann man probieren, die Levels aus der Cockpit-Ansicht zu meistern, statt dass man wie üblich den Arwing von hinten sieht: Hier zeigt sich dann wirklich, wer ein Ass oder doch nur ein Kuschelfuchs ist.

Einer der angenehmeren Bosse: Spyborg.

Fazit

Nach dem ersten Durchspielen der Kampagne hat mich Star Fox noch nicht so richtig gepackt. Aber beim zweiten Mal und beim Freischalten der ersten „Abzweigung“, um nach der Mission einen neuen Planeten anzufliegen, war ich wieder voll dabei. Weil die Levels sehr kurz sind, ist es deshalb auch nicht tragisch, dass man die Kampagne öfters starten muss, um neue Orte zu erreichen: Selbst in den bereits bekannten Levels findet man immer wieder Möglichkeiten, um die Flugroute zu optimieren und mehr Punkte zu erzielen.

Durch die Kürze eignet sich Star Fox zudem sehr gut, um das Spiel häppchenweise zu genießen, auch unterwegs: Hier in der U-Bahn den gepanzerten Zug von Andross Schergen aufhalten, da am Pool im Sommerurlaub den Unterwasserplaneten befreien. Und obwohl die Kampagne sehr kurz ist, kann man so doch relativ viel Spielzeit aus dem Game herausholen – und endlich Rache für die Schmach in der Kindheit nehmen, weil man da immer an dem einen, fiesen Boss gescheitert ist.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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