Antigravity A1 im Test: Kuriose 360-Grad-Drohne mit Insekten-Brille
Insta360 kennt man in erster Linie als Marke für Actioncams, die die gesamte Umgebung in 360 Grad einfangen können. Genau das gibt es jetzt mit Propellern: Mit der Antigravity A1 bringt der Hersteller eine 360-Grad-Drohne auf den Markt, die genau diese Rundum-Videos und Fotos auch aus der Luft ermöglichen soll. Ich habe sie getestet.
Wozu eigentlich eine 360-Grad-Drohne?
Um die Sinnhaftigkeit des Konzepts zu verstehen, muss man zuallererst begreifen, was die Aufnahmen so besonders macht. Das Gerät erfasst dank zweier gegenüberliegender Fisheye-Objektive oben und unten am Gehäuse die gesamte Umgebung. Das bedeutet, dass man sich auf den entstehenden Videos virtuell umschauen kann – vergleichbar mit Google Street View.
Zwar kann man diese 360-Grad-Videos auch so veröffentlichen, dass sich die Betrachter interaktiv darin umsehen können, das ist aber nicht der gängige Anwendungsfall. Stattdessen macht man aus dem Material im Nachhinein normale Videos, die man auf Fernsehern oder Handys anschaut.
Der große Vorteil dabei: Man muss im Moment des Filmens nicht entscheiden, welchen Blickwinkel man einfangen möchte. Ein Beispiel: Man will eine Burgruine auf einem Berg sowie die Umgebung filmen. Bei einer normalen Drohne müsste man flugtechnisch anspruchsvolle Schwenks exakt timen, um beide Motive sauber zu verbinden. Bei der Antigravity A1 fliegt man einfach entspannt um die Burg herum und gestaltet die Kameraschwenks danach gemütlich in der dazugehörigen Bearbeitungssoftware.
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Drohne auf optional erhältlichem Lande-Pad.
© Thomas Prenner
Brille und Steuerung im Praxistest
Damit dieses Konzept funktioniert, benötigt es spezielle Gerätschaften. Die Drohne kommt mit einer Virtual-Reality-Brille. Setzt man diese auf, katapultiert sie einen direkt in den Flug, als würde man selbst auf dem Gerät sitzen. Dreht man den Kopf, blickt man sich in der Umgebung um.
Die VR-Brille, mit der man aufgrund der 2 Antennen ein bisschen wie ein Insekt aussieht, bietet eine Besonderheit: Vor dem linken Auge befindet sich ein rundes Display an der Außenseite. Außenstehende können so direkt mitschauen, was der Pilot sieht.
© Moritz Prenner
Gesteuert wird die Drohne über eine einhändige Fernbedienung (Motion Controller), die primär auf Handbewegungen reagiert. Für feine Korrekturen verfügt sie über Tasten und einen kleinen Mini-Joystick.
© Thomas Prenner
Intuitives Handling
Vor dem Start sollte man sich mit der Steuerung auseinandersetzen, sie ist aber weitgehend selbsterklärend. Man kann das Ganze auch ausprobieren, ohne dass die Drohne überhaupt abhebt: Dafür startet man eine integrierte Flugsimulation in der Brille und übt gefahrlos in einer computergenerierten Umgebung - wie in einem Videospiel. Auch wenn Störfaktoren wie Wind dort keine Rolle spielen, erlernt man das Prinzip so extrem schnell.
Die Steuerung im Flug ist maximal intuitiv. Vereinfacht ausgedrückt „zielt“ man mit dem Controller in die Richtung, in die man fliegen möchte. Mit dem Pistolengriffabzug kontrolliert man die Beschleunigung. Das ist extrem leicht gelernt und macht großen Spaß. Für Einsteiger gibt es eine Hinderniserkennung, die im Test zuverlässig funktioniert hat.
Einmal in der Luft startet und stoppt man Aufnahmen oder schießt Fotos per Knopfdruck. In Sachen Motion Sickness bei VR-Brillen würde ich mich als weder besonders empfindlich noch als vollkommen resistent beschreiben. Mit der Antigravity-Brille hatte ich diesbezüglich jedenfalls keine Probleme. Sie trägt sich einigermaßen angenehm, viel länger als 90 Minuten am Stück würde ich sie aber nicht aufbehalten wollen.
Die Brille hängt an einem externen Akku, den man sich um den Hals hängen oder in die Tasche stecken muss. Eine Ladung reicht für gut 2 Stunden Betrieb.
© Moritz Prenner
Für Fortgeschrittene gibt es weitere Flugmodi. So kann man mit dem Feature Sky Genie vollständig automatische Flugmanöver durchführen wie etwa kreisrunde Arc Shots. Per Sky Path lässt sich zudem eine Flugroute speichern, die die Drohne dann autonom abfliegt. Vorsicht: Als Pilot muss man dennoch jederzeit manuell eingreifen können.
Die Reichweite wird vom Hersteller zwar mit optimistischen 10 Kilometern angegeben, in der Praxis kam beim Testen im offenen Gelände aber sehr viel früher die Warnung über ein „schwaches Signal“. Für den Einsatz in Österreich wäre eine Ausreizung dieser Distanz sowieso nicht legal, da man (oder ein zweiter Beobachter) die Drohne immer mit freiem Auge sehen können muss.
Akkulaufzeit und die Gewichtsfalle
Die Akkulaufzeit der Antigravity A1 liegt je nach Konfiguration bei rund 24 Minuten mit dem Standardakku und bis zu 39 Minuten mit dem Hochkapazitätsakku. Für den Test wurden letztere zur Verfügung gestellt, mit denen es mehr als gemütlich möglich war, eine gute halbe Stunde in der Luft zu bleiben.
Aber Vorsicht: Der Hochkapazitätsakku ist aufgrund der größeren Kapazität deutlich schwerer. Das hat direkte Auswirkungen auf die rechtlichen Voraussetzungen, um überhaupt abheben zu dürfen. Damit wiegt die Drohne 291 Gramm, was die Klassifizierung verändert. Während sie mit dem kleinen Akku unter der 250-Gramm-Grenze bleibt, fällt sie mit dem großen Akku in die Kategorie C1. Damit ist in Österreich ein Drohnenführerschein verpflichtend.
Was muss ich beachten, um mit der Antigravity A1 zu fliegen?
Rechtliches:
- Flug mit Standard-Akku (Kategorie C0/A1): Mit einem Gewicht von 249 Gramm liegt die A1 haarscharf unter der 250-Gramm-Grenze. Man braucht in Österreich keinen Drohnenführerschein. Aufgrund der Kamera ist jedoch eine Drohnen-Registrierung bei der Austro Control (39,60 Euro für 3 Jahre) sowie eine gerätebezogene Drohnen-Haftpflichtversicherung (ca. 40 Euro pro Jahr) gesetzliche Pflicht. Die EU-Betreiber-ID muss per Plakette sichtbar an der Drohne angebracht werden.
- Flug mit Hochkapazitätsakku (Kategorie C1): Hier überschreitet die Drohne das Limit. Um legal abzuheben, muss zusätzlich der kleine Drohnenführerschein (Online-Prüfung mit 40 Fragen) absolviert werden, was allerdings kostenlos ist.
- Generelle Flugregeln (unabhängig vom Akku):
- Maximal erlaubte Flughöhe: 120 Meter.
- Ausreichender Sicherheitsabstand zu unbeteiligten Menschen.
- Spotter-Pflicht: Es muss permanent ein ununterbrochener Sichtkontakt (VLOS) zum Fluggerät bestehen. Da der Pilot durch die VR-Brille abgeschottet ist, muss zwingend eine zweite Person anwesend sein, die den Luftraum visuell überwacht und im Notfall eingreifen kann.
Kompromisse bei der Bildqualität
Die verbauten Bildsensoren der Weitwinkelkameras gleichen denen der Insta360-Actioncams und haben eine Größe von 1/1.28 Zoll. Sieht man sich die Aufnahmen direkt im Nachhinein in der VR-Brille an, ist das Ergebnis beeindruckend. Macht man in der Software normale Videos daraus, leidet die Bildqualität allerdings merkbar.
Vor allem dann, wenn man digital einen kleineren Bildausschnitt als das volle Sichtfeld der Linse wählt. Das stark Weitwinkelige sieht zwar oft gut aus, aber eben nicht immer. Wenn man den Fokus gezielt auf eine Person oder ein Gebäude legen will, muss man zwangsweise mit dem Digitalzoom arbeiten.
So knackscharfe Luftaufnahmen wie mit gewöhnlichen Fotodrohnen bekommt man mit der Antigravity nicht hin. Das gilt ebenso für Fotos, bei denen die 360-Grad-Technologie ebenfalls für sichtbare Einbußen sorgt.
Fazit
Die Antigravity A1 überzeugt weniger durch die am Ende ausgespuckten Bilder, sondern mehr dadurch, wie sie entstehen. Das Drohnen-Fliegen ist so intuitiv wie bei kaum einer anderen Drohne und macht so viel Spaß, dass man das Filmen oder Fotografieren manchmal fast vergisst. Jeder, der etwas für verrückte Gadgets übrig hat, wird zudem die kuriose Brille lieben.
Die Qualität der Fotos und Videos geht zwar in Ordnung, kann aber mit klassischen Drohnen nicht mithalten. Dazu kommt, dass die Videodateien enorme Speicherfresser sind und man alle Aufnahmen vor der Verwendung zuerst in der App langwierig vom 360-Grad-Format in normale Videos umwandeln muss. Das verlangt Einarbeitung und Zeit.
Ein weiterer Aspekt, den man vor dem Kauf bedenken sollte, ist der Formfaktor für unterwegs. Die Drohne selbst ist zwar kompakt, aber man muss eben auch die Brille inklusive des externen Akkus mitschleppen. Fliegt man in den Urlaub, sollte das gesamte System aus Sicherheitsgründen im Handgepäck transportiert werden. Bei dem Platz, den das einnimmt, überlegt man sich den Drohnen-Flug beim Ausflug 2-mal.
Wer sich den Spaß gönnen will, muss zudem relativ tief in die Tasche greifen. Das Einsteiger-Bundle aus Drohne, Controller, Brille und einem Akku kostet 1.119 Euro. Es ist ratsam, zumindest in ein paar Zusatzakkus zu investieren. Bei Amazon gibt es derzeit das Explorer-Bundle mit 3 Akkus, Ladegerät und Tasche um 1.290 Euro.