Tu-142 wirft eine Sonarboje ab
Russische Tu-142 wirft „falsche Torpedos“ neben britischem Flugzeugträger ab
Wie das britische Verteidigungsministerium berichtet, wurde am 2. Juli eine Tu-142 Bear-F abgefangen. Sie habe sich mit unsicheren und unprofessionellen Manövern dem britischen Flugzeugträger HMS Prince of Wales genähert.
Ein Foto vom Flugdeck der HMS Prince of Wales. Am Himmel ist die Tu-142 sichtbar
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Dabei sei sie unnötig tief und nahe geflogen. Das allein reichte aber nicht als Provokation. Die Tu-142 hat 10 Sonarbojen in der Nähe des Flugzeugträgers abgeworfen. Dabei wurde sie in flagranti erwischt: Auf einem Foto ist zu sehen, wie die Tu-142 gerade eine Sonarboje abwirft, obwohl sie bereits von einer britischen F-35B begleitet wird.
Tu-142 wirft eine Sonarboje ab
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Provokation statt strategischer Nutzen
Die Botschaft dieser Drohgebärde ist eindeutig: Jetzt sind es noch Sonarbojen, das nächste Mal Torpedos oder Bomben, die ebenfalls zum Arsenal der Tu-142 gehören. Denn Sonarbojen rund um den Flugzeugträger abzuwerfen, hat keinen strategischen Sinn. Sie dienen nämlich dazu, um U-Boote aufzuspüren.
Zwar ist nicht auszuschließen, dass ein britisches U-Boot den Flugzeugträger begleitet, doch dieser wäre hier das lukrativere Ziel. Die Begleit-U-Boote halten sich zudem nicht in unmittelbarer Nähe zum Flugzeugträger auf, sondern eher im äußeren Bereich des Verteidigungsradius. Dort sollen sie mögliche angreifende Schiffe bekämpfen, bevor diese den Flugzeugträger attackieren können.
Tu-142 im Anflug auf die HMS Duncan. Der Zerstörer gehört zum Geleitschutz der HMS Prince of Wales.
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Die maritime Version der Luftbelästigung
Diese neue Stufe der Eskalation kann man als maritime Variante der Luftmanöver sehen, die Russland und China immer wieder durchführen. Diese werden als „Harassment Tactic“ bezeichnet, als Belästigungstaktik.
So hat schon mal ein russischer Jet Treibstoff vor einer US-Drohne abgelassen. Auch werden Täuschkörper von den Jets unmittelbar vor den Maschinen gezündet. Bei anderen Fällen fliegen die Kampfflugzeuge extrem nahe an NATO-Maschinen vorbei, damit diese durch die Turbulenzen durchgeschüttelt werden.
Manchmal gehen diese Provokationen schief. Eine Su-27 hat sich bei einem Harassment-Manöver verschätzt und eine MQ-9 Reaper gerammt. Die US-Aufklärungsdrohne ist daraufhin abgestürzt.
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Tupolev Tu-142: Der Seebär
Die Tupolev Tu-142 hat den NATO-Namen Bear F/J. Sie ist ein Seeaufklärer und U-Boot-Jäger und damit das Gegenstück zur Boeing P-8 Poseidon der NATO. Während die P-8 auf der zivilen Maschine Boeing 737 basiert, ist die Tu-142 eine modifizierte Variante des russischen, atomwaffentauglichen Langstreckenbombers Tu-95.
Tu-95
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Die Tu-142 hat einen verlängerten Rumpf und ist dadurch 53 Meter lang, während die Tu-95 etwa 46 Meter lang ist. Dadurch wurde Platz für Instrumente und Ausrüstung geschaffen, die für die Seeaufklärung und Bekämpfung von U-Booten benötigt werden.
Über 100 Sonarbojen an Bord
Die Nutzlast der Tu-142 beträgt in etwa 9.000 kg. Bewaffnet ist sie, je nach Mission, mit Torpedos und Wasserbomben. Sie kann auch Antischiffsraketen unter den Flügeln tragen und mit Freifallbomben bestückt werden. Zudem hat sie Sonarbojen an Bord. Eine übliche Konfiguration für die Tu-142 sieht 135 Sonarbojen verschiedener Typen vor und zumindest 3 Torpedos zur U-Boot-Bekämpfung.
Sonarbojen werden ähnlich wie Torpedos abgeworfen. Nach dem Abwurf öffnet sich ein kleiner Fallschirm am Heck. Dieser kontrolliert den Fall, damit die Boje mit der Spitze voran ins Wasser eintaucht.
Bei Torpedos ist das genauso. Würde der Torpedo ohne Fallschirm abgeworfen, könnte er ins Taumeln geraten oder mit der Breitseite auf der Wasseroberfläche aufschlagen. Dadurch besteht eine erhöhte Gefahr, dass er schon beim Abwurf beschädigt wird.
Eine Verwechslungsgefahr zwischen einer Sonarboje und einem Torpedo sollte es, zumindest für geschulte Beobachter, nicht geben. Die russischen Sonarbojen sind zwischen einem und 1,25 Meter lang. Die Torpedos, die eine Tu-142 üblicherweise nutzt, sind zwischen 3,5 und 5 Meter lang.
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Mögliche Racheaktion für Schattenflotte
Dennoch ist der Abwurf der Bojen und die damit verbundene Drohung das nächste Level der Belästigung von Schiffen. Seit einigen Jahren überfliegen russische Aufklärungsflugzeuge NATO-Schiffe in niedriger Höhe, ein Umkreisen und Abwerfen von Bojen wurde bisher aber nicht gemeldet.
Der Standort des britischen Flugzeugträgers dürfte nicht der Auslöser der Aktion gewesen sein: Der Vorfall ereignete sich nordwestlich der Küste von Norwegen. Vermutlich war es eine Trotzaktion, weil die britischen Streitkräfte kürzlich gegen Russlands Schattenflotte vorgegangen sind. Am 14. Juni wurde im Ärmelkanal ein Öltanker geentert und beschlagnahmt. Wenige Tage später hat ein russisches Kriegsschiff, die Admiral Grigorovich, Warnschüsse auf ein Segelboot im Ärmelkanal abgegeben.
Fregatte Admiral Grigorovich
© Russisches Verteidigungsministerium
HMS Prince of Wales
Für die Prince of Wales war der Vorfall das erste Mal, dass sie in einen Einsatz zum Schutz des NATO-Luftraums verwickelt wurde. Die 2 F-35Bs, die die Tu-142 abgefangen haben, sind vom Flugzeugträger aus gestartet. Die britische Marine habe zuvor mehrfach versucht, die Tu-142 auf international genutzten Frequenzen zu kontaktieren, aber keine Antwort erhalten.
Die Prince of Wales ist der neueste Flugzeugträger der britischen Marine. Er wurde 2019 in Dienst gestellt. Zusammen mit dem Schwesterschiff Queen Elizabeth sind es die einzigen 2 Flugzeugträger, die Großbritannien derzeit im Einsatz hat.
Die Verdrängung beträgt bis zu 70.000 Tonnen. Auf einen Nuklearantrieb wird genauso verzichtet, wie auf ein Katapult. Beide Flugzeugträger dieser Queen-Elizabeth-Klasse nutzen deshalb einen Ski Jump. Das genügt der F-35B zum Abheben, weil sie ihre Senkrechtstartfähigkeiten auch nutzen kann, um von kurzen Pisten und mit Rampen abzuheben. Und weil sie als Senkrechtstarter wie ein Hubschrauber an Deck landet, verzichten die Flugzeugträger auf die übliche Fangseilanlage.
Aktuell hat die Prince of Wales bis zu 24 F-35Bs an Bord. Je nach Mission werden sie von verschiedenen Hubschrauber-Typen ergänzt. Dazu gehören der Merlin HM2 und HC4 und der Wildcat HMA2 und AH1. Auch der US-Kampfhubschrauber AH-64 Apache kann von den Flugzeugträgern der Queen-Elizabeth-Klasse aus Einsätze fliegen.
AH-64 Apaches landen auf der Prince of Wales
© Britische Marine
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