Forscher entdecken riesige Struktur unter der Antarktis
Ein italienisch-britisches Forscherteam hat die Gesteinsformationen unter dem ostantarktischen Eisschild genauer untersucht und dabei eine riesige geologische Beckenstruktur entdeckt. Die zusammenhängende Formation macht etwa die Hälfte des Gesteins unter dem ostantarktischen Eisschild aus.
Es sind zusammenhängende, flache, V-förmige Becken, die mehrere Kilometer unter den dicken Eisschichten verborgen liegen. In ihrer kürzlich in Nature veröffentlichten Studie gaben die Forscher der Formation den Namen „Ostantarktische fächerförmige Beckenprovinz“. Das fächerförmige Beckensystem ist eine der größten geologischen Strukturen dieser Art, die bislang auf der Erde entdeckt wurden. Es verjüngt sich in der Nähe des Südpols.
➤ Mehr lesen: Eisschmelze könnte Hunderte versteckte Vulkane freilegen
Die Landschaft wurde von Gletschern geprägt und soll dem Aurora-Subglazialbecken im Osten der Antarktis sowie dem Wostoksee, dem größten der bislang bekannten 370 subglazialen Seen, ähneln. Beide Formationen befinden sich ebenfalls unter antarktischen Gletschern.
Einzelteile wurden zu großem Ganzen
Die Forscher vermuten, dass die Struktur durch einen Prozess entstanden ist, der als verteilte Rotationsdehnung bekannt ist. Dabei wird die Erdkruste in einem Gebiet auseinandergezogen und gedehnt.
Die fächerförmigen Gesteinsformationen werden von Forschern bereits seit Jahren als einzelne Strukturen untersucht. Nun stellte sich jedoch heraus, dass sie tatsächlich eine zusammenhängende geologische Formation bilden. Die Entdeckung gleicht einem Puzzle, dessen Einzelteile die Forscher nun zu einem großen Ganzen zusammensetzen konnten.
„Da diese Becken etwa die Hälfte des ostantarktischen Eisschildes unterlagern, beeinflussen sie wahrscheinlich sowohl den Eisfluss als auch die Landschaftsentwicklung maßgeblich und sind daher für die glazialen und hydrologischen Prozesse der Antarktis von entscheidender Bedeutung“, heißt es in der Studie.
➤ Mehr lesen: Plan für Bau eines gigantischen "Antarktis-Vorhangs" erstellt
Besseres Verständnis der Antarktis
Die Forscher vermuten zudem, dass die Form der Struktur mit der Trennung Australiens von der Antarktis zusammenhängen könnte. Wann genau die Beckenstruktur entstanden ist, ist jedoch noch unklar. Die Entdeckung könnte laut den Forschern zu einem besseren Verständnis der geologischen Entwicklung des Kontinents beitragen. Außerdem hofft man, dadurch besser zu verstehen, wie sich die Erderwärmung auf die Stabilität des Eises auswirkt.
Um dieses „Puzzle“ zusammenzusetzen, nutzten die Forscher eine Vielzahl unterschiedlicher Datenquellen. Dazu gehörten Schwerkraft- und Magnetfeldmessungen, geologische Beobachtungen sowie verschiedene geophysikalische und geologische Modelle des Untergrunds.