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Discord will jetzt deinen Ausweis sehen

Immer mehr Online-Services setzen auf Alterskontrollen, um gesellschaftlichen oder gesetzlichen Forderungen nach Jugendschutz gerecht zu werden. Auch die Chat-Plattform Discord, die vor allem im Gaming-Bereich beliebt ist, führt künftig auf der ganzen Welt sogenannte „Teen-by-default“-Einstellungen ein.

Das heißt, dass der Funktionsumfang aller Accounts grundsätzlich jugendkonform beschränkt wird. Erst wer sich offiziell ausweist, bekommt vollen Zugriff. In Großbritannien und Australien sind diese Jugendschutzeinstellungen bereits implementiert.

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Für bestehende und neue Nutzer

Die Änderung wird ab März sowohl für neue als auch für bestehende Nutzer weltweit ausgerollt, wie Discord bekanntgegeben hat. Wer nicht beweist, volljährig zu sein, verliert dann den Zugriff auf altersbeschränkte Kanäle, Server und Befehle (Commands)

Direktnachrichten von fremden Accounts werden in einen separaten Posteingang umgeleitet, Freundschaftsanfragen von Fremden gehen mit Warnhinweisen einher. Auch „sensible Inhalte“ werden automatisch verpixelt.

Safer Internet Day

Hintergrund der Ankündigung von Discord ist der Safer Internet Day am 10. Februar, wie Managerin Savannah Badalich in einer Aussendung erklärt: „Die weltweite Einführung von Teen-by-default-Einstellungen baut auf der bestehenden Sicherheitsarchitektur von Discord auf und bietet Jugendlichen starken Schutz, während verifizierte Erwachsene Flexibilität genießen.“

Zusätzlich will Discord 10 bis 12 Teenager zu einem „Jugendlichen-Rat“ einladen. Damit sollen weitere Entscheidungen zum Jugendschutz gemeinsam mit den Betroffenen besprochen werden. In Österreich nutzt knapp ein Fünftel der Jugendlichen regelmäßig Discord, wie der Jugend-Internet-Monitor zeigt. Vor allem bei Burschen ist der Dienst beliebt.

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Altersverifikation via Gesichtsscan oder Ausweis

Discord will die Altersverifikation über verschiedene Wege anbieten. Einerseits kann man sein Gesicht scannen lassen und die Plattform darauf basierend das eigene Alter schätzen lassen. Andererseits kann man einem Discord-Partner eine Kopie des eigenen Lichtbildausweises schicken. Der einzige Anbieter, der dafür derzeit verfügbar ist, ist k-ID mit Sitz in Singapur.

Nach eigenen Angaben arbeitet die Plattform zudem an einem Altersschätzungsmodell, das aus dem Verhalten von Nutzerinnen und Nutzern ableitet, ob sie volljährig sind.

Sicherheitsbedenken

Zwar betont Discord, mit den heiklen persönlichen Daten vorsichtig umzugehen. So sollen beim Gesichtsscan alle Daten lokal verarbeitet werden und das Gerät nie verlassen. Eingereichte Ausweisdokumente sollen umgehend nach der Überprüfung gelöscht werden. 

„Wir machen keine biometrischen Scans oder Gesichtserkennung. Wir nutzen Gesichts-Schätzung. Der Ausweis wird sofort gelöscht. Wir behalten keinerlei Information wie deinen Namen, die Stadt, in der du lebst, ob du eine Geburtsurkunde oder etwas anderes benutzt hast, keine dieser Informationen“, wie Badalich gegenüber The Verge betont. Dennoch gibt es viel Kritik am Vorgehen der Plattform.

Denn erst vergangenen Oktober waren persönliche Daten – inklusive Ausweis-Kopien – von 70.000 Discord-Nutzerinnen und Nutzern gestohlen worden. Hacker hatten dafür 5CA angegriffen, einen Drittanbieter, an den Discord seinen Kundenservice ausgelagert hatte. Die Tatsache, dass Discord nun von allen Nutzerinnen und Nutzern Ausweisdokumente fordert, macht die Plattform nur zu einem noch attraktiveren Ziel für Kriminelle.

Überwachung

Abgesehen von konkreten Bedenken bezüglich Datenlecks befürchten Nutzerinnen und Nutzer Repressionen unter dem Deckmantel des Jugendschutzes. Bestimmte Themen, die pauschal als jugendgefährdend eingestuft werden, könnten dadurch mitsamt den Communities rundherum zurückgedrängt werden. Insbesondere marginalisierte Gruppen, etwa queere oder trans Menschen, sehen sich diesbezüglich in Gefahr.

Kritikerinnen und Kritiker merken außerdem an, dass derartige Maßnahmen das Ende der Anonymität im Netz einläuten könnten. Im Kontext von Social-Media-Alterskontrollen warnte etwa die Grundrechtsorganisation epicenter.works kürzlich: „Eine generelle Ausweispflicht im Internet ist eine drakonische Überwachungsmaßnahme, die mit einer liberalen Demokratie unvereinbar ist und mit Jugendschutz nichts zu tun hat.“

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