Futuristisches Falt-Rotor-Flugzeug SPRINT ist jetzt offiziell ein X-Plane
Das futuristische Falt-Rotor-Flugzeug des Projekts SPRINT soll wie ein Helikopter senkrecht starten und landen können. Gleichzeitig soll es durch neuartige Triebwerke besonders hohe Geschwindigkeiten im Flug erreichen.
Was bislang ein Konzept auf dem Papier war, soll nun umgesetzt werden. Dafür wurde SPRINT offiziell eine X-Plane-Nummer zugewiesen. X-Flugzeuge sind eine Reihe von Experimentalflugzeugen und -Raketen der US-Armee und der NASA. SPRINT heißt jetzt X-76.
X-76
© DARPA / Colie Wertz
SPRINT steht übrigens für "Speed and Runway Independent Technologies", also Technologien, die von Geschwindigkeit und Landebahn unabhängig sind. In diesem Sinne wird Bell im Auftrag der DARPA, der Forschungsabteilung der US-Streitkräfte, ein entsprechendes Flugzeug bauen. In einer nächsten Phase könnten bereits ab 2027 erste Flugtests durchgeführt werden.
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Konzeptgrafik der DARPA für die bemannte Version der X-76
© DARPA
Neuartiges Triebwerk notwendig
Das Ziel mit X-76 ist, einen Senkrechtstarter zu entwickeln, der eine Reisegeschwindigkeit zwischen 740 und 833 km/h erreicht und bei Bedarf über unpräparierten Oberflächen schweben kann, um Fracht oder Soldaten ohne zu landen abzusetzen. Das deutlich schneller als bisherige Kipprotor-Wandelflugzeuge, die für solche Zwecke eingesetzt werden. Bei der US Army ist das etwa die ebenfalls von Bell gebaute V-22 Osprey.
Die schafft maximal 509 km/h, was aber immer noch schneller als übliche Transporthubschrauber ist. Der UH-60M Black Hawk kommt maximal auf 294 km/h.
Kipprotor-Wandelflugzeuge erreichen die höhere Geschwindigkeit, weil sie die Position der Rotoren verändern. Sie können wie bei einem Hubschrauber horizontal ausgerichtet sein oder wie bei einem Propeller-Flugzeug vertikal.
Dadurch können diese Maschinen bei Bedarf wie Hubschrauber landen und starten. Im Flug kippen sie dann die nach oben gerichteten Rotoren nach vorne und fliegen wie ein Propellerflugzeug. Dadurch lassen sich höhere Geschwindigkeiten und größere Reichweiten als bei Hubschraubern erreichen.
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Düsentriebwerk
Um so ein Kipprotor-Wandelflugzeug schneller zu machen, kann nicht einfach ein stärkerer Motor eingebaut werden. Das würde nämlich Einbußen bei der Effizienz und Reichweite bringen. Zudem muss die Aerodynamik bedacht werden: Ein Propeller sorgt etwa bei höheren Geschwindigkeiten für mehr Luftwiderstand, weshalb es als wirtschaftlich sinnvoll gilt, bei Propellermaschinen unter 700 km/h zu bleiben.
Um diese Marke zu knacken, wird bei X-76 das Kipprotor-Wandelflugzeug-Konzept um die Komponente Düsentriebwerk erweitert. Bei Bedarf kann die Maschine im Flug die Rotorflügel einklappen und die Jet-Triebwerke aktivieren.
Dass das funktionieren kann, hat Bell am Boden auf einem Schlitten erprobt. In dem Video ist zu sehen, wie der Wechsel vom Propeller- zum Düsentriebwerk-Modus erfolgt.
Ganze Familie möglich
Wie Bells finales Design der X-76 aussehen wird, ist noch unbekannt. Bisher gibt es nur Konzeptgrafiken. Besonders auffällig ist das V-förmige Heck, das an die V-280 Valor erinnert. Dieses Kipprotor-Flugzeug stammt ebenfalls von Bell. Mit der militärischen Bezeichnung MV-75 soll sie ab 2031 den Black Hawk schrittweise ablösen.
Geht es nach Bell, könnte aus der X-76 eine ganze Familie an Fluggeräten entstehen. Neben der mittelgroßen bemannten Variante, ist eine größere und eine kleinere unbemannte Version angedacht. Die kleine X-76 soll für Aufklärung und elektronische Kriegsführung genutzt werden. Eine Bewaffnung ist laut Bells Konzept für X-76 ebenfalls möglich.
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Konzeptgrafik für Bell SPRINT
© Bell