KI-Verdacht stürzt renommierten Literaturpreis ins Chaos
Die britische NGO Commonwealth Foundation verleiht seit den 1980er Jahren Preise an Schriftstellerinnen und Schriftsteller aus 51 Nationen, die dem Commonwealth angehören. Dazu zählen Länder in Afrika, in der Karibik, in Asien, im Pazifik und auch in Europa.
Der Short Story Price bringt einerseits Prestige, andererseits auch gutes Preisgeld. Die 5 regionalen Gewinner bekommen jeweils 2.500 Pfund (knapp 2.900 Euro). Aus dieser Gruppe wird anschließend eine Kurzgeschichte für den Hauptgewinn gewählt, die mit weiteren 5.000 Pfund (knapp 5.800 Euro) dotiert ist.
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Vergangene Woche wurden die Gewinnerinnen und Gewinner des diesjährigen Wettbewerbs bekanntgegeben, und ihre Geschichten beim Literaturmagazin Granta erstveröffentlicht. Doch schon bald darauf kam der Verdacht auf, „The Serpent in the Grove“ von Jamir Nazir aus Trinidad und Tobago sei teilweise KI-generiert, wie Wired berichtet.
KI-Detektoren liefern kein eindeutiges Ergebnis
Die Vorwürfe stützen sich einerseits auf die Ergebnisse von KI-Detektoren, wie Pangram, das diesbezüglich als besonders genau gilt. Andererseits geben viele Kritikerinnen und Kritiker auf Social Media an, KI „einfach zu erkennen“.
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Das Problem: KI-gestützte KI-Detektoren sind keine zuverlässige Methode, festzustellen, ob ein Text wirklich von einem Menschen stammt oder nicht – denn auch sie basieren rein auf Wahrscheinlichkeiten. Die Häme im Netz war daher groß, als dann schließlich auch das Literaturmagazin Granta erklärte, mit Claude die „Menschlichkeit“ der dort veröffentlichten Gewinnertexte überprüft zu haben.
Verlegerin in der Kritik
Verlegerin Sigrid Rausing schreibt in ihrem Statement zur Angelegenheit: „Wir haben Claude.ai die Geschichte gezeigt und gefragt, ob sie KI-generiert war. Die Antwort war lang und kam zu dem Schluss, dass sie ,mit ziemlicher Sicherheit nicht ohne menschliche Hilfe entstanden sei‘.“ Rausing zitierte anschließend wörtlich aus der von Claude generierten Antwort. Demnach gebe es Passagen, die KI-Modelle ohne spezielle menschliche Aufforderung nicht hervorbringen könnten.
Über den Gewinnertexten ergänzte das Literaturmagazin den Hinweis, dass Granta-Redakteure nichts mit deren Auswahl zu tun gehabt hätten. Außerdem heißt es dort: „Der Vorwurf, dass Autoren Beiträge eingereicht haben, die nicht wirklich von ihnen selbst stammen, nehmen wir ernst; solange jedoch keine eindeutigen Beweise vorliegen, werden wir diese Beiträge auf unserer Website belassen.“
Commonwealth Foundation setzt auf Vertrauen
Razmi Farook, Generaldirektor der Commonwealth Foundation, veröffentlichte ebenfalls ein Statement, in dem er betonte, dass der Bewertungsprozess des Kurzgeschichtenpreises solide sei. Von KI-Detektoren sehe seine Organisation ab: „Die Übermittlung unveröffentlichter Originalwerke an einen KI-Detektor würde erhebliche Bedenken hinsichtlich der Einwilligung und des künstlerischen Eigentums aufwerfen.“
Ohnehin seien solche Werkzeuge zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht verlässlich genug. Außerdem verpflichten sich Einreicherinnen und Einreicher dazu, sich an die Regeln des Preises zu halten, die eigenständiges Verfassen vorschreiben, so der Generaldirektor.
Ist der Autor überhaupt echt?
Weitere User stellten im Anschluss allerdings sogar in Frage, ob der Jamir Nazir überhaupt existiere, oder lediglich eine KI-Persona sei. Einen Anhaltspunkt dafür sahen sie im Profilbild des Autors:
Dagegen spricht allerdings ein Artikel über den Autor und seine Arbeit in einer lokalen Zeitung, den jemand anderes auf X gepostet hat:
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Jamir Nazir selbst war laut Wired und anderen Medienhäusern bisher für kein Statement zu erreichen. Am 30. Mai soll der Gesamtgewinner des Literaturwettbewerbs verkündet werden – es bleibt abzuwarten, ob Nazirs Text dort nach so vielen Diskussionen noch eine Chance hat.