Netzpolitik

38 Tage offline: Rekord-Internetsperre im Iran

Heute ist der 38. Tag in Folge, an dem für die Bevölkerung im Iran der Internetzugang gesperrt ist. Diese Sperre ist damit der weltweit längste Internet-Shutdown einer ganzen Nation bisher, wie die Monitoring-Organisation Netblocks bekannt gab.

Seit 28. Februar liegt die Web-Konnektivität in der Islamischen Republik verglichen mit vorherigen Werten unter einem Prozent. Schon im Jänner hatte das Regime im Kontext von Massenprotesten den Internetzugang und das Telefonnetz gravierend eingeschränkt. Damals war die Bevölkerung 20 Tage lang vom Internet abgeschnitten, Berichten zufolge wurden bis zu 30.000 Menschen getötet.

Informations-Blackout

Für die iranische Bevölkerung, die derzeit intensiven Luftangriffen durch die USA und Israel ausgesetzt ist, ist die Internetsperre eine enorme zusätzliche Belastung. Denn sie erschwert es ungemein, sich aus unabhängigen Quellen über die Lage zu informieren.

Außerdem ist es ohne Internet weit schwieriger, Kontakt zu halten, insbesondere mit Menschen außerhalb des Iran. Ob es Angehörigen, Freunden und Bekannten im Land gut geht, ist aus der Diaspora nur sehr schwer herauszufinden. Denn Telefonpakete, mit denen Iranerinnen und Iraner trotz Netzsperren ins Ausland telefonieren können, sind enorm teuer und Festnetztelefone würden häufig abgehört, wie Tech Policy Press berichtet.

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Zugangsbarrieren

Wie andere autoritäre Regime auch versucht der Iran seit Jahren, den Zugang zum Internet für seine Bevölkerung zu erschweren. Wie die NGO Freedom House feststellt, wies die Regierung 2023 nationale Provider an, Preise um 30 bis 40 Prozent zu erhöhen. 2024 wurde der Gebrauch von unlizenzierten VPNs verboten. Provider sind gezwungen, Inhaltsfilter und Zensursoftware zu implementieren.

Außerdem treibt die Regierung laut Freedom House das Nationale Informationsnetzwerk, also ein heimisches, beschränktes Web, voran. Downloads und Uploads ins globale Internet sind teurer als bei im Inland gehosteten Seiten und anderen Inhalten, die von der Regierung genehmigt sind. Dieses System ermöglicht es, einen gestaffelten Zugang zum Internet zu gewähren, d. h. bestimmte Gruppen könnten auf Geheiß der Regierung vom globalen Internet abgeschnitten werden. 

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Umgehung von Netzsperren

3 italienische Forscher untersuchten den Internet-Shutdown im Iran vom Jänner systematisch in einer Studie. Sie beobachteten, dass Werkzeuge zur Umgehung der Netzsperren im Iran eine zentrale Rolle spielen, aber zunehmend an ihre Grenzen kommen.

Bitchat, eine dezentrale Messaging-App, die per Bluetooth-Mesh-Netzwerk funktioniert, sowie Noghteha, eine iranische Variante davon, wurden während der Netzsperren tausendfach heruntergeladen. Allerdings bestehen laut der Forscher gravierende Sicherheitsbedenken

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Satelliten-Internet, z.B. via Starlink, böte theoretisch die Möglichkeit, direkt auf das Web zuzugreifen. Allerdings ist dessen Nutzung im Iran nicht nur illegal, sondern wird auch durch Jamming seitens der Regierung verhindert, wie die Forscher schreiben.

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