Podcast: Wie sich Unternehmen gegen Desinformations-Kampagnen wappnen
Im Podcast „Zorn & Zuversicht“ vom steirischen Innovations-Hub next incubator sind regelmäßig spannende Persönlichkeiten zu Gast, die mit Host Christa Kloibhofer-Krampl über Themen wie Macht und Ideologie, Zugehörigkeit, Mut und Transformation sprechen. Persönlichkeiten, wie der ehemalige Gesundheitsminister Rudi Anschober oder die Journalistin Barbara Haas, erzählen im Podcast von prägenden Entwicklungen der Gegenwart.
In der Folge „Fakt oder Fake? Über Kommunikationsmanipulation“ spricht Kloibhofer-Krampl mit Markus Schwinghammer, Lead Analyst bei Disinfo Consulting über Desinformation. Bereits 1275 v. Chr. startete Ramses II. eine Propagandakampagne, die darauf abzielte, Menschen mithilfe gezielter Falschinformationen zu manipulieren. Mittlerweile habe sich in der digitalen Informationslandschaft viel getan.
Unternehmen können zum Ziel werden
„Wir sind nicht mehr in der Zeit von Fake News, sondern in einer Zeit, in der wir Information als Waffe nutzen können, um ganze Unternehmen zu vernichten“, mahnt der Desinformationsexperte. Im Podcast geht es um die unterschiedlichen Dimensionen von Desinformation und darum, wie man angemessen darauf reagieren kann. Ein zentrales Thema ist etwa, wie Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger mit Desinformationskampagnen umgehen sollten. Opfer solcher Kampagnen seien unter anderem Unternehmen wie Lord Energy oder Eli Lilly gewesen. Die Folge: Konkurs bei Lord Energy und Auswirkungen auf den Aktienkurs von Eli Lilly.
„Diese One-Size-fits-all-Lösung, wie wir mit Desinformation, Misinformation oder Informationsmanipulation insgesamt umgehen, gibt es einfach nicht“, erklärt Schwinghammer. „Aber es sei möglich, Prozesse zu definieren, Szenarien abzuschätzen und Personen festzulegen, die im Ernstfall handeln – vorausgesetzt, Desinformationskampagnen werden bereits von Beginn an in Entscheidungs- und Krisenprozesse eingebettet. Aktuell gebräuchliche Maßnahmen, wie das Löschen von Postings oder nachträgliche Faktenchecks, gehen nicht weit genug.“
Mobilisierung auf Facebook
Neben der Frage, was Desinformation für Einzelpersonen oder Unternehmen bedeutet, gebe es laut Schwinghammer auch eine soziale, politische und geopolitische Dimension. Denn Informationsmanipulation könne sogar Gewalt auslösen. So wurden 2017 im Zuge der Verfolgung der Rohingya in Myanmar über Facebook gezielt Gerüchte über angebliche Vergewaltigungen verbreitet. „Das ist tatsächlich eskaliert. Die Menschen sind in die Dörfer gegangen und haben diese Menschen – man muss es so sagen – abgeschlachtet“, sagt Schwinghammer. Auch bei politischen Desinformationskampagnen in Moldawien und Rumänien versuchten staatliche und private Akteure und Akteurinnen, durch gezielte Manipulation Wahlergebnisse und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu beeinflussen.
Im Gespräch wird deutlich, dass fehlendes Vertrauen in politische Institutionen in vielen Gesellschaften eine zentrale Herausforderung darstellt – insbesondere bei sozial und wirtschaftlich benachteiligten Gruppen. „Menschen, die Verschwörungserzählungen glauben, sind nicht blöd. Sie haben oft andere Lebensrealitäten“, betont der Desinformationsexperte. Nicht Abwertung, sondern Verständnis sowie eine nicht konfrontative Gesprächsführung seien entscheidend, um Menschen wieder in den Dialog zu holen. Neben politischen Initiativen, neuen Förderprogrammen und Bildungsangeboten, seien Vertrauen, Empathie und Wissen die wirksamsten Schutzmechanismen gegen Desinformation.
Der Artikel entstand in einer Kooperation zwischen futurezone und dem next-incubator der Energie Steiermark.
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