Ein Mann im Anzug bei einer Präsentation in einem Geschäfts-Meeting steht neben einem Flipchart

Symbolbild: Ein Mann bei einer Präsentation in einem Geschäfts-Meeting.

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Meinung

Wie künstliche Intelligenz unsere Wirtschaft kaputt macht

Beim großen Meeting mit der Chefetage verpacken manche ihre kleinen Ideen in große Worte und werden dafür befördert. Auch KI ist extrem gut darin, eine beeindruckende Glitzerfassade aufzubauen.

Wir alle kennen das: Manche Leute liefern nur recht mittelmäßige Arbeit ab, sind aber glänzend talentiert darin, sich zu verkaufen. Beim großen Meeting mit der Chefetage verpacken sie ihre kleinen Ideen in große Worte, ihre rasch hingeklatschten Pläne wirken auf den ersten Blick inspirierend und ambitioniert, dafür gibt es dann Lob und Beförderungen.

Es ist Teil unserer modernen Arbeitskultur geworden, oberflächliche Selbstvermarktung eher zu belohnen als hart erarbeitete Qualität, die oft viel schwieriger zu erkennen ist. Das ist ein Problem. Und genau diese problematische Arbeitskultur wird nun von der schlimmsten Selbstvermarktungs-Technologie erfasst, die es jemals gegeben hat: der Künstlichen Intelligenz.

KI bringt weniger als viele glauben

KI ist extrem gut darin, eine beeindruckende Glitzerfassade aufzubauen. Was von der KI erzeugt wird, sieht bemerkenswert professionell aus, man sieht auf den ersten Blick kaum offensichtliche Fehler, das Resultat ist spürbar besser als die Arbeit eines Menschen mit wenig Erfahrung. Ob die KI aber auch die Qualität abliefern kann, die hochspezialisierte, gut trainierte Menschen zustande bringen, ist eine ganz andere Frage – und leider eine, für die im großen Meeting mit der Chefetage möglicherweise keine Zeit mehr bleibt.

Es gibt inzwischen zahlreiche wissenschaftliche Studien darüber, wie sich der Einsatz von KI auf die Effizienz im Berufsalltag auswirkt. Und dabei zeigen sich interessante Muster: Bei speziellen Labortests erscheint die KI oft beeindruckend gut. Aufgaben können plötzlich in einem Bruchteil der Zeit erledigt werden.

Wenn man aber analysiert, wie groß der tatsächliche Vorteil ist, der durch KI entsteht – nicht im Labortest, sondern in einer echten Arbeitsumgebung – sieht es deutlich anders aus: Dann sinkt die ersparte Zeit oft auf wenige Prozent, viel weniger als die Menschen, die KI einsetzen, oft glauben. Viele unterschätzen die Zeit, die man zum Bearbeiten und Verfeinern der KI-Ergebnisse aufwenden muss.

Besonders interessant ist, wie der Produktivitätszuwachs vom Ausbildungsgrad der Menschen abhängt: Junior-Arbeitskräfte werden durch KI-Assistenz tatsächlich oft deutlich effizienter. Erfahrene Fachkräfte profitieren von KI viel weniger, oder überhaupt nicht.

Wir verlernen das Lernen

Na gut, könnte man nun sagen – das ist doch trotzdem fein. KI hilft Leuten, die gerade erst ihre Karriere starten! Wie schön für sie! Aber das ist ein Irrtum. Es gibt nämlich auch Studien, die zeigen, dass gerade diese Junior-Arbeitskräfte ihre Fähigkeiten dadurch viel weniger effizient entwickeln. Wer sich Probleme von der KI lösen lässt, lernt nicht dazu – und wird somit später auch nicht zu den gefragten, erfahrenen Fachkräften gehören.

Und dadurch wird KI zu einer echten Bedrohung für die Wirtschaft: Es besteht die Gefahr, dass wir unsere beruflichen Lernmechanismen zerstören. Dass wir verlernen, wie man dazulernt.

Schon jetzt ist Selbstdarstellung ein ganz reales Problem: Wenn das Wort des dynamischen, gut gekleideten Consulters, der im Flugzeug kurz eine sehr schön bunte Powerpoint-Präsentation zusammengestoppelt hat, mehr zählt als das Wort der erfahrenen Sachbearbeiterin, die sich seit 15 Jahren mit den tieferliegenden Firmenproblemen herumschlägt, dann werden leicht wirtschaftlich falsche Entscheidungen getroffen. Wenn unterhaltsamer Glitzer mehr zählt als qualitätsvolle Substanz, dann wird der Erfolg nicht von großer Dauer sein.

Wenn wir KI immer stärker in unsere Arbeitswelt einbauen, müssen wir darauf achten, dass wir dieses Problem nicht verschlimmern. KI ist darauf optimiert, einen positiven Eindruck zu erwecken, nicht unbedingt darauf, das beste Ergebnis zu erzielen. Wenn wir aus KI ein tatsächlich nützliches Werkzeug machen wollen, müssen wir nicht nur die KI verbessern – wir müssen auch selbst umdenken und unsere Arbeitskultur verändern.

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Florian Aigner

Florian Aigner ist Physiker und Wissenschaftserklärer. Er beschäftigt sich nicht nur mit spannenden Themen der Naturwissenschaft, sondern oft auch mit Esoterik und Aberglauben, die sich so gerne als Wissenschaft tarnen. Über Wissenschaft, Blödsinn und den Unterschied zwischen diesen beiden Bereichen, schreibt er regelmäßig auf futurezone.at und in der Tageszeitung KURIER.

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