Verändert KI unseren Wortschatz und unser Denken?
Droht durch den Einsatz von KI-Werkzeugen wie ChatGPT ein Verfall unserer Sprache? Ist dadurch die Sprachenvielfalt bedroht? Verkümmert unser Wortschatz, wenn wir uns Texte zunehmend von einer Künstlichen Intelligenz generieren lassen? Über all diese Fragen wird in der KURIER-TV-Sendung "Spontan gefragt" diskutiert.
"Irgendwie reden alle gleich", meint etwa die Journalistin Angelika Hager. Man müsse nur den jungen Menschen beim Reden zuhören. "Die werfen mit englischen Worthülsen wie literally, random oder obsessed nur so um sich", sagt die Autorin.
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KI erzeugt massive Diskrepanz
Sie ist der Meinung, dass der Wortschatz zunehmend verkümmert. "Durch die KI wird die Sprache auf ein Level gebürstet", sagt Hager. Darunter würde die Vielfalt der Sprache leiden. Genau das untersucht Julia Neidhardt. Sie ist Professorin und Informatikerin an der Technischen Universität Wien und forscht dort darüber, wie die Digitalisierung die Sprachenvielfalt beeinflusst.
5 Prozent der Menschen weltweit haben Englisch als erste Sprache, erklärt Neidhardt: "Bei GPT3 sind aber 93 Prozent der Trainingsdaten auf Englisch." Allein daraus ergebe sich eine massive Diskrepanz. Sprache sei jedoch immer im Wandel, so die Forscherin: "Aber weil jetzt weltweit Leute diese KI-Technologien wie ChatGPT verwenden, zeigen Studien, dass sich die Wortschatzvielfalt abflacht."
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Julia Neidhardt
Die Assistenzprofessorin an der Research Unit Data Science der TU Wien hat den UNESCO Co-Chair on Digital Humanism inne und leitet das Christian Doppler Labor für Recommender Systems. Sie forscht an der Frage, wie algorithmische Empfehlungssysteme Meinungsbildung, Online-Verhalten und letztlich die sprachliche und kulturelle Vielfalt im digitalen Raum beeinflussen.
Statistisches Mittelmaß
Dabei werde deutlich, dass es in Texten, die von Menschen verfasst werden, deutlich mehr Variationen gibt. Die KI-Werkzeuge würden hingegen wesentlich einfachere Satzstrukturen verwenden. "KI-Modelle geben statistische Muster wieder - also welches Wort laut Wahrscheinlichkeit als nächstes folgt", weiß Neidhardt. "Das ist der Grund, weshalb wir im Mittelmaß landen, was man an den Texten merkt."
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Angelika Hager, Markus Hengstschläger und Julia Neidhardt
© Kurier / Juerg Christandl
Angelika Hager
Die Journalistin leitet das Gesellschaftsressort bei profil und verfasst unter dem Pseudonym Polly Adler seit 1996 die populäre KURIER freizeit-Kolumne "Chaos de Luxe". Sie veröffentlichte viel diskutierte Sachbücher und jüngst ihren ersten Krimi. Mit Programmen wie "Amourhatscher" steht sie regelmäßig mit prominenten Kolleginnen auf der Bühne.
Sprache wieder sexy machen
Was könne man dem entgegensetzen, fragt Moderator und Genetiker Markus Hengstschläger in die Runde. "Man muss Literatur und Sprache wieder sexy machen", antwortet Journalistin Angelika Hager.
Man müsse die Lebenswelten der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Literatur widerspiegeln, sagt Hager. Gleichzeitig erkenne sie auch eine gewisse Sehnsucht nach dem Analogen. Wünschenswert für sie wäre eine "progressive Nostalgie", die das Beste aus beiden Welten vereint.