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Chinas bizarres, fahrendes Magnetkatapult erstmals in Aktion zu sehen

Es sieht mehr wie die Live-Action-Version eines Mecha-Animes aus den 1990er-Jahren aus, als eine militärische Technologiedemonstration. Seltsam geformte Trucks mit 4 Achsen, die oben komplett flach sind, fahren in Formation. Am Ziel angekommen, koppeln sie sich zusammen.

Dieses Konstrukt aus 3 Lkw stellt dann alle Räder um 90 Grad, um am Stand um 360 Grad zu rotieren. In Wunschrichtung positioniert, wird ein Flugzeug von der Oberfläche dieser fahrbaren Startbahn in den Himmel katapultiert.

Modulares, fahrbares EMALS

Dieser Ausschnitt eines Videos, das gerade in den sozialen Netzwerken die Runde macht, stammt vom Beijing Institute of Technology’s School of Mechanical Engineering. Dieses elektromagnetische Katapult (EMALS), das nicht nur modular und portabel, sondern dank der Lkw auch fahrbar ist, gehört demnach zu einem größeren Projekt.

Das Ziel sind verschiedene Waffen und militärisch relevante Geräte in Containern unterzubringen – aber nicht zum Transport, sondern zum Einsatz direkt aus den Containern heraus. Das Projekt war sogar schon mal in der Öffentlichkeit zu sehen, noch bevor es vorgestellt wurde. Ende 2025 wurde ein Frachtschiff gesichtet, das voll mit Raketenstartern war, die aus Containern ausgeklappt waren.

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Chinesisches Frachtschiff mit zahlreichen Containern und modularen Raketenwerfern an Deck.

Sichtbarer Fortschritt

Bei dem Schiff handelte es sich um die ZhongDa 79. Dasselbe Schiff wurde ein paar Tage später wieder fotografiert. Die Perspektive der Fotos zeigte das fahrbare EMALS an Deck. Ebenfalls waren 2 verhüllte Stealth-Drohnen zu sehen.

Containerschiff mit Drohnen.

Das EMALS an Deck sieht bei diesen Aufnahmen unfertig aus. Die Lkw haben keine Seitenverkleidung und sind scheinbar nur mit der Grundierung lackiert. Später war das EMALS am Dock zu sehen, diesmal mit Lkw in sandfarbener Lackierung.

EMALS am Dock

Im aktuellen Video haben die Lkw nun eine seitliche Verkleidung, weshalb sie deutlich fortgeschrittener aussehen als in den ersten Fotos. Während der Fahrt haben sie am Dach noch eine Art Abdeckung oder Aufbau.

Beim Zusammendocken ist der noch da, beim Rangieren scheinen die seitlichen Elemente davon geöffnet zu sein. Beim Start des Flugzeugs sieht man das bereits bekannte, flache Dach der Lkw. Wie genau dieser Mechanismus funktioniert bzw. was wohin geklappt wird, geht aus den Aufnahmen nicht eindeutig hervor. Es könnte sich dabei lediglich um eine Schutzvorrichtung handeln oder womöglich ein funktionaler Mechanismus sein. Wenn er in die richtige Position geklappt wurde, könnte er etwa den Schienenkanal für den Schlitten bilden, der später magnetisch beschleunigt wird und so die eingehakte Drohne wegkatapultiert.

EMALS

Katapulte von Flugzeugträgern sind üblicherweise dampfbetrieben. Elektromagnetische Katapulte (EMALS) sind eine moderne Alternative dazu.

Der Jet wird an einem Katapultschlitten befestigt, der sich in der Startbahn befindet. Elektromagnete entlang der Bahn erzeugen ein enorm starkes magnetisches Feld. Dadurch wird der Schlitten - und gleichzeitig auch das an ihm befestigte Flugzeug - entlang der Bahn beschleunigt. Nachdem das Flugzeug die erforderliche Geschwindigkeit für das Abheben erreicht hat, löst es sich vom Schlitten und hebt ab. Der Schlitten wird am Ende der Katapultbahn abgebremst und für den nächsten Start zurückgeführt.

Aufgrund der Funktionsweise mit den Magneten kann die Beschleunigung bei der elektromagnetischen Variante exakt angepasst werden. Die notwendige Kraft kann sich je nach Flugzeugtyp stark unterscheiden. So sind vollbeladene Jagdbomber etwa deutlich schwerer als unbemannte Aufklärungsdrohnen. Durch die Anpassung kann Energie gespart und der Verschleiß bei leichteren Maschinen und Drohnen reduziert werden.

EMALS sollen zudem weniger wartungsintensiv sein als Dampfkatapulte. Allerdings gibt es Berichte über Kinderkrankheiten der noch jungen Technologie. EMALS bei der USS Gerald R. Ford soll derzeit deutlich häufiger ausfallen, als ursprünglich von der Navy berechnet wurde.

Wozu braucht man ein modulares, fahrbares Katapult?

Der Hersteller des EMALS ist bisher nicht bekannt. Tiantao Technology hat früher ein Konzept für so ein System gezeigt. Es ist durchaus möglich, dass das Unternehmen jetzt mit dem Beijing Institute of Technology’s School of Mechanical Engineering zusammenarbeitet. Es könnte auch sein, dass die Pläne an das Institute abgegeben wurden, damit das EMALS Teil des großen Container-Projekts werden kann.

Das mobile EMALS von Tiantao Technology.

Das Konzeptbild von Tiantao zeigt jedenfalls, welchen strategischen Wert das mobile EMALS haben kann. Es kann nicht nur Frachtschiffe zu Drohnenträgern machen, sondern nahezu jede Fläche zur Startbahn. Das kann der Parkplatz vom Supermarkt sein oder eine einspurige Straße, die eigentlich viel zu kurz wäre, um eine große Drohne dort regulär starten zu lassen.

Die Fläche muss nicht mal asphaltiert sein. Die EMALS-Lkw können mit ihrer Hydraulik Unebenheiten bis zu einem gewissen Grad ausgleichen. Die Startbahn könnte also auch in der Wiese, Wüste oder am Feld genutzt werden.

Weil sich die Lkw unabhängig voneinander bewegen können, bevor sie sich zusammenschließen, erleichtert das zudem die Logistik. Sie können etwa mit Transportflugzeugen verlegt oder mit Landungsschiffen und Hovercrafts an Land gebracht werden.

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Chinesisches Hovercraft Typ 728 am Strand

Letzteres ist für China besonders relevant. Die chinesischen Streitkräfte rüsten für einen Konflikt im Pazifik auf. Denn China hat mehrfach gedroht, Taiwan zu erobern, woraufhin die USA gedroht haben, Taiwan gegen die Invasoren beizustehen. Sowohl China als auch die USA bereiten sich deshalb auf „Insel-Hopping“ vor, bzw. darauf, die vielen kleinen Inseln im Pazifik als improvisierte Stützpunkte zu nutzen.

Offene Fragen zum System

Mit dem EMALS könnte China diese teils unbewohnten Inseln ohne Infrastruktur zu temporären Drohnen-Startplätzen machen. Dass sich die zusammengekoppelten Lkw um 360 Grad drehen, sorgt für zusätzliche Flexibilität. Die Startbahn kann dadurch nämlich immer in den Wind gedreht werden. Wie bei Flugzeugen, die mit dieser Technik von Flugzeugträgern aus starten, sorgt das für mehr Auftrieb. Gerade schwere Jets können so einfacher von Flugzeugträgern abheben.

Wie schwer die Drohnen bzw. unbemannten Flugzeuge sein können, die mit dem EMALS abheben, ist nicht bekannt. Tiantao sprach bei seinem Konzept damals von 2 Tonnen. Es ist durchaus möglich, dass das noch gesteigert werden kann. Und falls nicht, könnten 2 Tonnen vielleicht ausreichen, um Chinas bewaffnete Wingman-Drohne GJ-11 starten zu lassen. Denn Berichten zufolge soll die in ihrer Katapultversion etwa 2 Tonnen wiegen.

Eine weitere offene Frage ist, wie viele der Lkw zusammengestoppelt werden können. In dem Video sind es 3, am Deck der ZhongDa 79 waren es 4. Womöglich könnte eine Erweiterung auf 5 oder 6 Trucks das maximal mögliche Startgewicht der Drohnen erhöhen.

ZhongDa 79 mit EMALS.

Nicht in dem Video zu sehen ist, wie die Drohne auf das EMALS kommt. Vermutlich wurde sie mit einem Kran raufgehoben. Im Gefechtseinsatz wäre das nicht praktisch. Nicht nur, weil es ein zusätzliches Kranfahrzeug und Personal benötigt, sondern auch, weil es die Startfrequenz verlangsamt. Das kann zum Problem werden, wenn etwa möglichst viele unbemannte Flugzeuge in kurzer Zeit gestartet werden sollen, um im Schwarm anzugreifen oder eine anrückende, feindliche Flotte abzuwehren.

Denkbar wäre, dass als Alternative ein weiterer Lkw gebaut wird, der eine schräge Rampe und Winde hat. Über die könnte er die Drohnen nach oben ziehen, wo sie dann in den Schlitten eingehängt werden.

Auch USA denken über ein portables EMALS nach

Die US-Streitkräfte hatten in der Vergangenheit ebenfalls Interesse an einem portablen EMALS bekundet. Mitte 2024 äußerte sich General Atomics dazu, das das EMALS für die Flugzeugträger der Gerald-R.-Ford-Klasse baut: „Wir haben über die Möglichkeit einer Expeditions-Variante des elektromagnetischen Katapults und Fangsystems nachgedacht und ausführliche Forschungsarbeit in dieses Konzept gesteckt.“

Mit Expeditions-Variante ist gemeint, dass das EMALS bei vorgeschobenen Basen oder improvisierten Stützpunkten errichtet werden könnte. Die grundsätzliche Idee dafür gab es schon in den 1960er-Jahren. Das System hieß Short Airfield for Tactical Support (SATS). Die Entwicklung wurde in den USA getestet und danach von den US Marines im Vietnam-Krieg genutzt.

Dabei handelte es sich um ein Trackless-System. Bei dampfbetriebenen Katapulten auf Flugzeugträgern ist der Schlitten, in den das Flugzeug eingespannt wird, im Deck eingelassen. Bei SATS wurde ein Schlitten mit Rädern auf der Startbahn per Seilzug gezogen. Zum Landen gab es einen Auffang-Mechanismus, wie bei einem Flugzeugträger. Dadurch konnten Flugzeuge eine Piste für Start und Landung nutzen, die viel kürzer als ein normales Flugfeld ist.

Der Gedanke hinter SATS war, dass man kein Flugfeld mit langer Start- und Landebahn bauen müsse und deshalb flexibler bei der Standortwahl ist. Außerdem ist der Bau solcher Flugfelder zeitaufwändig, man benötige aber eine schnelle Lösung. Denn es gab nicht genügend Flugzeugträger und von den USA nutzbare Flughäfen für die Menge an Lufteinsätzen, die im Vietnam-Krieg geflogen wurden.

Eine A-4 Skyhawk landet auf SATS

Dampfdruck durch Flugzeugtriebwerk

Um den nötigen Dampfdruck aufzubauen, nutzte SATS J79-Turbojets. Diese Triebwerke kamen etwa auch bei der F-4 Phantom II zum Einsatz. Dadurch hatte SATS fast 35.000 PS. Alle 90 Sekunden konnte so eine vollbewaffnete A-4 Skyhawk gestartet werden.

Auch F-4s starteten mit SATS. In einem Fall kam es beinahe zur Katastrophe. Der Schlitten wurde nicht korrekt am Seil angebracht und traf eines der Triebwerke beim Start. Die Piloten konnten sich per Schleudersitz retten, die Maschine stürzte ab.

Später wurde der Runway verlängert und gepflastert. Vorher bestand das Bett dafür aus Aluminiumplatten, weshalb das Flugfeld den Spitznamen „Alufolien-Landebahn“ hatte. Es blieb das einzige SATS im Einsatz.

Aluminium wird für das Bett von SATS abgeladen

Bis heute haben die USA keine Katapulte mehr bei Expeditions-Stützpunkten eingesetzt. Katapulte und Fangvorrichtungen gibt es aber bei einigen Flugfeldern in den USA, um Flugzeuge und Drohnen zu testen und Piloten zu trainieren, die später auf Flugzeugträgern starten und landen werden.

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