Ein Luftkissenboot fährt über das Meer

Typ 728 der chinesischen Marine

© Chinesische Marine
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Militärtechnik

Zubr-Klasse mit 30.000 PS: China baut riesige Invasions-Hovercrafts

Die Zubr-Klasse ist einzigartig unter den Kriegsschiffen. Mit einer Spitzengeschwindigkeit von 117 km/h gibt es kein anderes Transport- und Landungsschiff, das gleich mehrere Kampfpanzer so schnell an Land bringen kann.

Das macht die Hovercrafts für China sehr interessant. Die gut 170 Kilometer zwischen dem Festland und Taiwan könnte die Zubr in eineinhalb Stunden schaffen. Für eine groß angelegte Invasion, die China immer wieder androht, braucht es aber mehr als die derzeit 6 Stück in der Flotte.

Wie Naval News berichtet, hat China deshalb jetzt die Serienproduktion der Zubr-Klasse aufgenommen. Wie viele Stück gebaut werden sollen, ist nicht bekannt, da die chinesische Regierung üblicherweise ihre Rüstungspläne nicht offenlegt. Analysten rechnen damit, dass eine Verdoppelung der Flottengröße geplant sein könnte, also von 6 auf 12 Stück.

Erste Hovercrafts kamen aus der Ukraine

Es ist das zweite Mal, dass China die Zubr-Klasse neu auflegt. Ursprünglich gab es nur 4 Stück in der chinesischen Flotte. 2023 wurden 2 weitere der gewaltigen Luftkissenboote gesichtet, wie Naval News berichtet.

Die sollte es aber eigentlich gar nicht geben. Die Werft, die die Zubr-Klasse gebaut hat, ist nämlich in der Ukraine. Genauer gesagt auf der Krim, die 2014 von Russland besetzt wurde. Das legt nahe, dass China Nummer 5 und 6 der Angriffs-Luftkissenboote selbst gebaut hat.

Luftkissenboot steht am Strand mit geöffneter Ladeklappe

Zubr der russischen Marine

China bestellte 2009 4 Hovercrafts der Zubr-Klasse in der Ukraine. Diese werden vom Hersteller PM More gebaut, dessen Werft in Feodossija ist. Die Stadt lieg im Süden der von Russland annektierten Halbinsel Krim. China hat 2014 trotzdem 2 Stück der Hovercrafts bekommen.

Die übrigen 2 Stück wurden in China zusammengebaut, mit Hilfe von Mitarbeitern von PM More. Angeblich wurden die dafür benötigten Teile, oder zumindest die Kernkomponenten, in Feodossija hergestellt und nach China geliefert. 2017/2018 wurden die 2 fertigen Hovercrafts schließlich der chinesischen Marine übergeben.

4 Stück sind gemessen an der Größe von Chinas Marine, die über 384.000 Mann und 700 Schiffe stark ist, relativ wenig. Man muss nämlich davon ausgehen, dass bei regelmäßiger Nutzung immer 2 der Luftkissenboote in Wartung sind, während die 2 anderen einsatzbereit sind. Daher ist es verständlich, dass China weitere Zubrs benötigt.

2023 wurden schließlich 2 neue Hovercrafts gesichtet. Es ist nichts darüber bekannt, dass China diese bei PM More bestellt hat. Aufgrund des Angriffskrieg von Russland gegen die Ukraine dürfte die Liefersituation auch noch mal schwieriger sein als zwischen 2014 und 2018.

Rüstungsexperten gehen deshalb davon aus, dass China mit den Plänen von PM More die Zubr-Hovercrafts komplett selbst gebaut hat. Nicht bekannt ist, ob China dafür die Pläne offiziell gekauft bzw. lizenziert hat. Es könnte sein, dass die Pläne nach 2014 übergeben wurden, für die 2 Stück, die in China zusammengesetzt wurden und China die Schiffe jetzt einfach selbst baut, ohne offizielle Erlaubnis von PM More.

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Kleine technische Änderungen erkennbar

Die 2 neuen Hovercrafts haben die Schiffsnummern 3260 und 3261. Auch das deutet darauf hin, dass sie komplett selbst von China gebaut wurden. Die 2 Stück aus der Ukraine haben nämlich die Nummern 3325 und 3326. Die 2 Stück, die mithilfe von PM More in China zusammengesetzt wurden, 3327 und 3328. Die Nummern der ersten 4 sind also fortlaufend, weil es sich technisch um dasselbe Schiff handelt. Die 2 neueren Modelle haben aber andere Nummern, weil sie von den ersten 4 leicht abweichen.

Soweit es auf den aufgetauchten Fotos erkennbar ist, gibt es Änderungen bei der Ausstattung zwischen den 2 neueren und 4 älteren Hovercrafts. Die neueren haben statt des elektro-optischen Zielsystem zur Luftabwehr ein moderneres Feuerleitradar.

Ein chinesisches Luftkissenboot vom Typ 726 auf dem Wasser.

Der Mast für das Navigations-Radar und die Funkantennen hat eine neue Stützstruktur, um robuster zu sein. An der Außenseite sind mehr Rettungsringe angebracht. Die grundlegende Form ist aber die gleiche geblieben, weshalb auch die 2 neueren Hovercrafts in China die Bezeichnung Typ 728 tragen.

Ob die Zubrs, die jetzt in Serienproduktion gehen, der 2023er-Version entsprechen werden, ist noch nicht bekannt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass China noch weitere Anpassungen vornimmt oder einzelne Systeme der Typ 728 aktualisiert.

Größtes Hovercraft der Welt

Genaue technische Daten zur Typ 728 sind nicht bekannt. Es ist davon auszugehen, dass sie weitestgehend mit der originalen Zubr-Klasse ident ist. Mit einer Verdrängung bis zu 555 Tonnen ist die Zubr das größte Luftkissenboot der Welt. Es ist ein Landungsschiff und dient dazu, um Panzer und Truppen direkt zur Küste zu bringen und am Strand an Land gehen zu lassen.

Das Hovercraft ist 57 Meter lang und 25,6 Meter breit. Da es ein Luftkissenboot ist, beträgt der maximale Tiefgang lediglich 1,2 Meter. Das verringert die Anfälligkeit für einige Seeminen.

3 Gasturbinen mit je 10.000 PS betreiben die 3 großen Propeller am Heck. Das ermöglicht eine Spitzengeschwindigkeit von bis zu 117 km/h, was für ein Schiff dieser Größe extrem schnell ist. Die Reichweite beträgt 560 Kilometer.

Hovercraft der russischen Marine steht am Strand

Zubr-Klasse der russischen Marine

Die Besatzung besteht aus 31 Mann. Der Frachtraum ist 400 Quadratmeter groß. Die maximale Zuladung wird mit etwa 150 Tonnen angegeben. Ein Zubr kann so 3 Kampfpanzer oder 10 gepanzerte Fahrzeuge mit 230 Soldaten oder 8 Truppentransporter oder bis zu 500 Soldaten transportieren.

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Bewaffnung für Angriffe auf Küstenstellungen

Die Zubr hat 2 AK-630. Diese 6-läufigen Kanonen im Kaliber 30 mm dienen zur Flugabwehr und der Abwehr von Antischiffsraketen. Sie sind das russische Gegenstück zum amerikanischen Phalanx-System. Weiters an Bord sind 4 Starter für Flugabwehrraketen und ein System zum Abfeuern von Täuschkörpern, um anfliegende Raketen abzulenken.

Ebenfalls an Bord sind 2 Ogon-Raketenwerfer. Sie befinden sich am Bug des Luftkissenboots und werden nur bei Bedarf hochgeklappt. Sie verschießen jeweils Salven von 22 140mm-Raketen. Damit sollen befestigte Küstenstellungen sturmreif geschossen werden. Die Zubr kann bei Bedarf bis zu 78 Seeminen transportieren und so als Minenleger-Boot eingesetzt werden.

China wird vermutlich in der Serienproduktion der Zubr einige der sowjetischen Waffensysteme austauschen, falls das nicht ohnehin schon bei den 2 Stück aus dem Jahr 2023 passiert ist. China hat etwa mit dem Type 730 und 1130 eigene CIWS gebaut, die auf der AK-630 basieren. Beide Gatling-Kanonen nutzen das Kaliber 30 mm, die 730 hat aber 7 Läufe und die 1130 11 Läufe. Die Feuerraten betragen bis zu 5.800 und 10.000 Schuss pro Minute.

Mögliche Invasion von Taiwan

Es ist relativ klar, warum China diese riesigen Hovercrafts gekauft hat und jetzt in Serienproduktion bauen will: eine mögliche Invasion von Taiwan. Aufgrund der hohen Geschwindigkeit könnte das Luftkissenboot in weniger als 2 Stunden vom chinesischen Festland die Küste von Taiwan erreichen. Schneller können nur Luftlandetruppen dort sein. Die sind aber ausrüstungstechnisch eingeschränkt, da üblicherweise nur leicht gepanzerte Fahrzeuge per Fallschirm abgeworfen werden können.

Militärexperten vermuten, dass nicht die taiwanische Hauptinsel direkt mit den Hovercrafts angegriffen wird, sondern zuerst die kleineren taiwanischen Inseln. Kinmen liegt nur knapp vor der chinesischen Küste und könnte eine Art Generalprobe für den Einsatz der Typ 728 werden. Das Hovercraft könnte die Inselgruppe mit 140.000 Einwohnern in wenigen Minuten erreichen.

Chinesisches Zubr-Hovercraft mit der Nummer 3325 fährt am Strand auf Land.

Typ 728 am Strand

China könnte planen, die Inselgruppe Kinmen rasch zu erobern. Das soll die militärische Stärke zeigen und den Rest von Taiwan dazu bringen, aufzugeben, bevor eine vollständige Invasion mit hohen Verlusten folgt.

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Allerdings hatte Russland 2014 mit der Eroberung der Krim und dem Angriffskrieg 2022 ebenfalls auf diese Strategie gesetzt, die nicht zum Erfolg geführt hat. China muss zudem damit rechnen, dass die USA Taiwan bei der Abwehr einer Invasion aktiv unterstützen und das nicht nur passiv durch Waffenlieferungen, wie es in der Ukraine der Fall ist. 

Die Beziehungen zwischen China und den USA sind seit Jahren angespannt. Die USA könnten nur auf eine Gelegenheit warten, um ihre Dominanz im Pazifik unter Beweis zu stellen.

Hovercraft von China fährt schnell über das Meer

Typ 728

Nur 11 Zubr weltweit aktiv

Mit 6 der Hovercrafts hat China die derzeit größte aktive Zubr-Flotte. Russland hat noch 2 Stück in Betrieb.

Griechenland hat 3 Stück, nachdem März 2025 die HS Kefallinia außer Dienst gestellt wurde. Beim Kauf im Jahr 2000 war es das erste NATO-Land, dass ein Schiff bauen ließ, das noch in der Sowjet-Ära entwickelt wurde.

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