Ein Kampfjet des Typs F-22 Raptor fliegt vor grauem Himmel

F-22 Raptor (Symbolbild)

© US Air Force
Wählen Sie FUTUREZONE als bevorzugte Google-Quelle

Militärtechnik

Stealth-Fighter mit Stealth-Tanks: F-22 Raptor 2.0 bei Testflug erwischt

Der US-Stealth-Fighter F-22 soll zur „Raptor 2.0“ werden. So hat zumindest der Hersteller Lockheed Martin ein Upgrade getauft, das wichtige und längst überfällige Komponenten enthält.

Vor wenigen Tagen wurde die F-22 in der 2.0-Konfiguration bei einem Testflug gesichtet. Die Fotos geben den bislang besten Blick auf den Stealth-Fighter und seine neuen Stealth-Tanks und IRST-Pods.

Auf den Fotos der Raptor 2.0 sind deutlich die Fiducial Markers zu sehen. Diese Passermarken werden als Referenzpunkte genutzt, etwa um Verformungen von Komponenten bei Flugmanövern zu erfassen oder wenn Waffen getestet werden.

Filmt man die F-22 beim Test, geben die Marker Aufschluss darüber, wie schnell und in welchem Winkel sich die abgefeuerte oder abgeworfene Waffe vom Flugzeug entfernt. Ob bei diesem Testflug schon das Abwerfen der Stealth-Treibstofftanks ausprobiert wurde, ist nicht bekannt.

Kampfjet F-22 Raptor 2.0 mit sichtbaren Fiducial Markers im Flug vor blauem Himmel.

Fiducial Markers auf einer F-22

Hotspot für Planespotters

Die Fotos sind in Kalifornien entstanden, in der Nähe der Edwards Air Force Base. Sie gilt als Hotspot für Planespotter. Denn dort befindet sich das Test Center der US Air Force. Deshalb finden von Edwards aus zahlreiche Testflüge statt.

Kürzlich wurde in der Gegend etwa erstmals eine Luftbetankung mit dem Stealth-Bomber B-21 erprobt. Auch das wurde von mehreren Planespottern fotografiert und gefilmt.

Mehr lesen: Stealth-Bomber B-21 Raider erstmals bei Luftbetankung gesichtet

Das kann die Raptor 2.0

Die Raptor 2.0 tauchte Ende Februar beim Warfare Symposium der Air & Space Forces Association auf. Dort wurde sie von Lockheed Martin als Modell gezeigt und eben als Raptor 2.0 bezeichnet.

Unter den Tragflächen des Modells sind 2 Zusatztanks mit Tarnkappeneigenschaften zu sehen. Das ist ein lange gefordertes Upgrade für die F-22.

Denn die F-22 hat lediglich einen Kampfradius von 850 km. Das schränkt ihre Einsatzmöglichkeiten ein. Die F-22s, die in Alaska stationiert sind, um den Luftraum zu patrouillieren und russische Flugzeuge abzufangen, sind deshalb mit Zusatztanks ausgestattet.

Diese haben aber keine Stealth-Eigenschaften. Dadurch erhöht sich der Radarquerschnitt der F-22 – sie kann also leichter vom feindlichen Radar und Raketen mit Radarsuchkopf erfasst werden.

Und das nimmt der F-22 ihre größte Stärke. Denn sie gilt aktuell als der Kampfjet mit den besten Stealth-Eigenschaften weltweit. Unter Idealbedingungen soll sie am Radar so klein erscheinen wie ein Käfer oder ein Golfball.

Daher hat die Air Force schon seit einer Weile nach Zusatztanks verlangt, die die Stealth-Eigenschaften der Raptor nicht völlig zunichtemachen. 2022 waren sie etwa in einer Rendergrafik der F-22 zu sehen.

Zeichnung einer F-22 die über den Wolken fliegt

Konzeptbild aus dem Jahr 2022 zeigt F-22 mit Stealth-Tanks

Im März 2024 wurde eine F-22 mit Stealth-Zusatztanks gesichtet. Es wird vermutet, dass es sich dabei noch um Dummys gehandelt hat, um zu überprüfen, wie sich die Tanks auf die Flugeigenschaften auswirken.

Eine offizielle Ankündigung oder Präsentation der Stealth-Tanks gab es bisher aber noch nicht. Das Modell beim Symposium ist bisher die öffentlichste Anerkennung von Lockheed, das an diesen Tanks gearbeitet wird. Lockheed sagte bei der Veranstaltung, dass die Tanks abgeworfen werden können, damit die F-22 ihre vollen Tarnkappeneigenschaften zurückerhält, wenn nötig. Man rechne aber damit, dass zumindest ein paar der Stealth-Fighter mit den angebrachten Tanks direkte Kampfhandlungen vornehmen werden.

IRST-Pods

Auf der Raptor 2.0 sind 2 weitere, kleinere Objekte unter den Tragflächen zu sehen, sowohl beim Modell als auch bei den Fotos vom Testflug. Dabei handelt es sich um IRST-Pods. IRST steht für Infrared Search and Track und ist ein Infrarotzielsystem. Dies erkennt Objekte anhand ihrer Wärmesignatur.

Eigentlich war geplant, dass die F-22 von Haus aus IRST haben soll. Das wurde dann aber weggelassen, um Geld zu sparen, da der Stealth-Fighter schon in der Projektphase das Budget massiv überschritten hatte. Über das ganze F-22-Programm hinweg gerechnet kostet eine F-22 369,5 Millionen US-Dollar, also mehr als das 3-fache einer F-35A. Weil der Betrag 2011 errechnet wurde, wären das unter Bezugnahme der Inflation sogar über 500 Millionen US-Dollar für eine Raptor.

Dass die F-22 jetzt mit IRST nachgerüstet wird, fordern Experten schon seit Jahren. Bei der russischen Su-30 und der Su-35 ist es standardmäßig an Bord, genauso wie bei Chinas J-20, J-35 und J-10C. Auch beim Eurofighter ist IRST an Bord, unter dem Namen PIRATE (Passive Infra-Red Airborne Track Equipment). Bei gemeinsamen Übungen mit den USA im Jahr 2010 konnte mit PIRATE die F-22 auf „signifikante Entfernung” erfasst und verfolgt werden.

Denn Tarnkappenfähigkeiten, die primär auf einen geringen Radarquerschnitt ausgelegt sind, machen das Flugzeug nicht für die Infrarotsensoren unsichtbar. Die erfassen nämlich den Wärmeunterschied zwischen dem Kampfjet und der Umgebungstemperatur, so wie ein Wärmebildgerät oder der Infrarotsuchkopf einer Luft-Luft-Rakete.

Wichtig gegen China

Und genau das macht IRST für die F-22 so wichtig. Wenn sich die USA an ihr Versprechen halten, gibt es eine bewaffnete Auseinandersetzung mit China, falls das wiederum seine Drohung wahr macht und Taiwan angreift. China hat mit der J-20 und J-35 bereits 2 aktive Stealth-Fighter. Mit der J-36 und J-50 befinden sich 2 weitere in Entwicklung.

➤ Mehr lesen: Dritter Prototyp von geheimen Stealth-Fighter J-36 in China gesichtet

Dazu kommen noch unbemannte Kampfflugzeuge und Drohnen mit Stealth-Eigenschaften, die für den Luftkampf geeignet sind. Die Raptor 2.0 ist also nötig, damit die F-22 die Reichweite bekommt, um von japanischen Flughäfen aus Taiwan zu erreichen, ohne dabei gesehen zu werden (Stealth-Tanks) und um im Einsatz die Stealth-Fighter Chinas zu sehen (IRST).

Die Pods könnten noch andere Sensoren enthalten, statt nur IRST, oder womöglich erweiterte Maßnahmen zur elektronischen Kriegsführung. Lockheed lässt dies noch offen und bezeichnet die Pods derzeit lediglich als „Advanced Sensor Pods“.

Weitere Upgrades

Ebenfalls angedacht für die Raptor 2.0 sind interne Upgrades. Dazu gehören ein stärkerer Prozessor und Verbesserungen für Radar, Kommunikation und IRDS. Letzteres ersetzt die bisherigen Infrarot-Warnsensoren, die anfliegende Raketen erkennen, durch leistungsfähigere Modelle.

Unklar ist, ob die Raptor 2.0 eine verbesserte Beschichtung bekommen wird, die die Radar- und/oder Infrarotsignatur reduziert. In den vergangenen Jahren wurden ein paar F-22s mit einer spiegelnden Beschichtung gesichtet, die womöglich Infrarotsensoren verwirren soll – weil der Stealth-Jet damit die kühle Umgebungstemperatur widerspiegelt und so die eigene, höhere Temperatur verschleiert wird.

➤ Mehr lesen: Iran trifft F-35 Stealth-Fighter mit Rakete: Ist das Video echt?

Nachfolger in den Startlöchern

Allerdings wird gemunkelt, dass diese Beschichtung gar nicht für die F-22 gedacht ist. Die Raptor sei in diesem Fall nur das Testbett für Technologie, die für ihre Nachfolgerin bestimmt ist: die F-47.

Ein Tarnkappenflugzeug steht in einer Halle vor einer großen US-Flagge, umgeben von Nebel und Licht.

Offizielles F-47-Bild der US Air Force

Der Erstflug der F-47 soll spätestens im Jahr 2028 stattfinden. Bis sie die ersten F-22s ablösen kann, die 2005 offiziell in Dienst gestellt wurden, wird es aber vermutlich noch 5 bis 10 Jahre dauern. Bei der F-22 sind 8 Jahre zwischen Erstflug und Indienststellung vergangen, bei der F-35 waren es fast 9 Jahre.

➤ Mehr lesen: Trump will seinen Superflieger F-47 umbenennen, falls er ihm "nicht gefällt"

Mit Raptor 2.0 will Lockheed sicherstellen, dass die derzeit 187 aktiven F-22s der Air Force noch möglichst lange fit bleiben – das bringt Geld. Nicht nur, weil der Air Force das 2.0-Upgrade verkauft wird, sondern auch, weil dann weiterhin Ersatzteile, Wartungsarbeiten und Updates von Lockheed bezogen werden müssen.

Wird die F-22 in Pension geschickt, versiegt diese Geldquelle, denn die F-47 wird vom Konkurrenten Boeing gebaut. Auch die von Lockheed gebaute F-35A der Air Force könnte später durch F-47s ersetzt werden.

Lockheed versucht sich bereits dafür zu rüsten und bewirbt die Möglichkeit einer „Ferrari-F-35“. Dieser Stealth-Jet soll eine modifizierte Version der F-35 sein, die laut Lockheed 80 Prozent der Fähigkeiten der F-47 beherrscht, aber nur die Hälfte kosten würde.

➤ Mehr lesen: Billiger als Superflieger F-47: Erste Details zur „Ferrari“ F-35

Hat dir der Artikel gefallen? Jetzt teilen!

Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

mehr lesen
Gregor Gruber

Kommentare