Ein B-21 Stealth-Bomber fliegt vor Bergen, darüber steht in Rot „TOP SECRET“.

Die RQ-180 ähnelt der B-21, die zur symbolischen Darstellung hier verpixelt wurde.

© US Air Force / Bildedit futurezone
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Militärtechnik

Streng geheime Stealth-Drohne RQ-180 über Griechenland gesichtet

Die RQ-180 gehört zu den streng gehüteten Geheimnissen der US Air Force. Obwohl das unbemannte Aufklärungsflugzeug nie offiziell vorgestellt oder gezeigt wurde, soll es schon etliche Jahre im Einsatz sein.

Selbst zufällige Sichtungen sind rar und lassen oft nur erahnen, dass es sich um eine RQ-180 handeln könnte. Jetzt gibt es aber eine neue Sichtung, die den bislang besten Blick auf die Drohne gewährt – falls es sich dabei wirklich um die RQ-180 handelt.

Laut einem Bericht von onlarissa.gr sind die Fotos entstanden, als das Flugzeug am Larissa National Airport gelandet ist. Der befindet sich etwa 100 km nördlich von Athen. Der Flughafen ist ein Stützpunkt der griechischen Luftwaffe, wird aber seit Mai 2018 offiziell auch von der US Air Force genutzt. Diese hat dort Drohnen des Typs MQ-9 Reaper stationiert.

Laut onlarissa.gr, das sich auf Quellen beim Militär beruft, hat das Flugzeug eine Notlandung auf Larissa gemacht und wird dort bleiben, bis es repariert ist. Bisher gibt es keine offizielle Bestätigung der US Air Force oder der griechischen Luftstreitkräfte dazu.

Update: Mittlerweile wurde auch ein Video der Sichtung veröffentlicht.

Keine B-2, keine B-21

Offensichtlich ist zumindest, dass das Flugzeug kein B-2 Stealth-Bomber ist, so wie von onlarissa.gr behauptet. Die B-2 hat insgesamt 3 Zacken mittig am Heck, die RQ-180, soweit von bisherigen Sichtungen und Informationen bekannt, nur einen.

Tarnkappenflugzeug B-2 mit ausgefahrenem Fahrwerk fliegt am Himmel

B-2

Die RQ-180 sieht damit mehr wie eine B-21 aus, die Nachfolgerin der B-2. Die B-21 wird von Northrop Grumman gebaut, genauso wie die RQ-180.

Die ähnliche Form ist kein Zufall. Northrop soll die Entwicklung und die Flüge der RQ-180 genutzt haben, um Daten und Erfahrungen für die B-21 zu sammeln. Im direkten Vergleich sieht es so aus, als hätte die RQ-180 dünnere Flügel, was sich mit früheren Sichtungen und Vermutungen deckt.

Dass in Griechenland eine B-21 statt eine RQ-180 zu sehen war, ist sehr unwahrscheinlich. Von der B-21 gibt es offiziell erst 2 fliegende Prototypen. Bisher fanden die Testflüge der B-21 nur über den USA statt, erst kürzlich wurde dort das erste Mal eine Luftbetankung erprobt. Dass ein Testflug jetzt nach Griechenland stattgefunden hat und ein Flughafen angesteuert wurde, der nicht die Infrastruktur zur Wartung der B-21 hat, ist nahezu auszuschließen.

➤ Mehr lesen: Stealth-Bomber B-21 Raider erstmals bei Luftbetankung gesichtet

Israelische RA-01?

Möglicherweise könnte sich eine israelische RA-01 nach Griechenland verirrt haben. Auch das ist eine geheime Stealth-Drohne. Israel hat sie bisher nicht offiziell vorgestellt, sie dürfte aber bereits im Einsatz sein.

Auf den ersten Blick sehen sich das Flugzeug von Larissa und die RA-01 ähnlich. Schaut man genauer hin, erkennt man aber die andere Form der Flügelenden und einen generell schlankeren Rumpf.

Das passt zu bisherigen Informationen, dass die RA-01 merkbar kleiner als die RQ-180 sein soll. Schließlich braucht Israel keine Drohne mit globaler Reichweite, da die als Bedrohung eingestuften Mächte in einem Radius von etwa 2.000 km liegen.

Geschätzte Größe der RQ-180

Die RQ-180 soll hingegen relativ groß sein. Anhand von Satellitenbildern eines möglichen Hangars dafür in der Area 51 wird die Flügelspannweite auf etwa 35 bis 40 Meter geschätzt. Damit wäre sie etwas kleiner als die B-21, die aktuell auf 44 bis 47 Meter geschätzt wird.

Die vermutete Spannweite passt zum Anwendungsprofil. Die RQ-180 soll nämlich die Northrop Grumman RQ-4 Global Hawk (39,9 Meter) ergänzen. Dabei handelt es sich um eine Aufklärungsdrohne mit hoher Reichweite (22.800 km), aber ohne Stealth-Eigenschaften.

Ein weiterer Hinweis auf die Größe der RQ-180 ist das Fahrwerk, das auf einem der Fotos ausgefahren zu sehen ist. Die 2 hinteren Fahrwerke sind weit außen, was bei großen Nurflüglern nötig ist, um die Maschine bei Start und Landung stabil zu halten. Zudem erhöht sich dadurch der Raum für die Nutzlast an Bord.

Mögliche Einsatzzwecke

Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass diese Nutzlast für Waffen verwendet wird. Soweit bekannt, ist die Aufgabe der RQ-180 die Aufklärung und Überwachung per Radar, Sensoren und anderen elektronischen Maßnahmen, in Einsatzgebieten, die als umkämpft gelten. Durch die Stealth-Eigenschaften und eine Ausdauer, die bis zu 24 Stunden betragen soll, soll die RQ-180 längere Zeit unbemerkt über dem Gebiet kreisen und Daten sammeln können.

Vermutet wird, dass die RQ-180 Maßnahmen zur elektronischen Kriegsführung an Bord hat oder damit ausgerüstet werden kann, etwa um Kommunikationssignale zu jammen. Außerdem soll angedacht sein, dass die RQ-180 konfiguriert werden kann, um als Knotenpunkt und Relay für die Kommunikation im Einsatzgebiet für andere Drohnen und Flugzeuge zu dienen.

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Die aktuellen Angriffe der USA auf den Iran lassen es jedenfalls plausibel erscheinen, dass in diesem Gebiet eine oder mehrere RQ-180 eingesetzt werden. Der Luftraum gilt nämlich noch nicht als vollständig gesichert, Stealth-Eigenschaften erhöhen also die Chancen, nicht abgeschossen zu werden.

Temporäre Stationierung in Griechenland?

Offen ist zudem die Frage, ob die RQ-180 wirklich ungeplant in Larissa gelandet ist oder ob sie dort temporär stationiert wurde. Ein möglicher Hinweis auf Zweiteres könnte sein, dass Ende Februar und Anfang März 2 Boeing C-17 Globemaster von der Edwards Air Base nach Larissa geflogen sind.

Edwards ist u.a. der Standort des Air Force Test Centers und das ist wiederum zuständig für Testflüge. Die RQ-180 soll derzeit dort stationiert sein. Die C-17s hätten also möglicherweise Equipment zur Wartung der RQ-180 nach Larissa bringen können, bevor diese dort eintrifft. Allerdings werden in Edwards auch regelmäßig neue Konfigurationen für die MQ-9 getestet. Es ist also genauso möglich, dass die C-17s nach Griechenland geflogen sind, weil sich MQ-9s in Larissa befinden.

Von Larissa aus fliegen aber keine MQ-9s in den Iran. Mit einer Reichweite von 1.850 km würde man gerade mal einen nordwestlichen Zipfel des Landes erreichen und dann nicht mehr zurückkommen. Die gut 2.570 km von Larissa bis nach Teheran wären aber für die RQ-180 kein Problem. 

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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