Ein Panzer mit digitaler Tarnung fährt an Soldaten und einer Menschenmenge mit roten Fahnen vorbei.

Type 99B

© EPA / WU HAO
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Militärtechnik

China modernisiert Kampfpanzer Type 99 für Gefechte im Hochgebirge

China hat eine neue Variante seines Kampfpanzers Type 99: den Type 99B. Enthüllt wurde er bei Chinas großer Militärparade im September 2025.

Mehrere Panzer mit digitaler Tarnung und Soldaten darauf stehen auf einem großen Platz, ein Wachposten steht davor.

Type 99B bei der Parade in Peking am 3. September 2025

Jetzt gibt es mehr Informationen und Videomaterial zum Type 99B. Im chinesischen Staatsfernsehen CCTV wurde ein Beitrag gezeigt, der den Kampfpanzer bei Schießübungen zeigt.

Für Himalaya aufgerüstet

CCTV zufolge wurde der Type 99B in mehreren Punkten gegenüber dem Type 99A verbessert. Einer davon ist, dass er „in der Lage ist, schnelle und ausdauernde Kampfhandlungen in speziellen Umgebungen, wie auf Hochebenen und bei extremer Kälte, durchzuführen.“ Mit diesem nicht sonderlich dezentem Hinweis ist die Himalaya-Grenzregion zwischen Indien und China gemeint.

Seit einem Grenzkrieg im Jahr 1962 kommt es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen indischen und chinesischen Truppen im Himalaya-Gebirge. Beim Konflikt 1962 fanden fast alle Kampfhandlungen in Seehöhen über 4.000 Meter statt, teilweise sogar über 7.000 Meter. Die Höhe und anhaltenden Minustemperaturen, die -20 Grad Celsius unterschreiten können, waren für beide Seiten herausfordernd.

Um den Type 99B für diese Konditionen zu rüsten, wurde vermutlich der 1.500-PS-starke Dieselmotor angepasst, damit er in den dünneren Luftschichten genügend Sauerstoff bekommt. Konkret wird in dem CCTV-Beitrag erwähnt, dass die elektronischen Systeme geprüft wurden, ob sie hohe und niedrige Temperaturen, Luftfeuchtigkeit, elektromagnetische Störungen und mechanische Belastungen im schwierigen Gelände aushalten.

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360-Grad-Kamerasystem

Das ist wichtig, weil der Type 99B gegenüber dem 99A neue Elektronik erhalten hat. Dazu gehört ein 360-Grad-Kamerasystem. Das soll der Crew ermöglichen, die Umgebung im Auge zu behalten, ohne aus der Turmluke schauen zu müssen. Die Antennen wurden ebenso verbessert, wodurch ein höherer Datenfluss möglich ist.

Dadurch soll der 99B als „Knotenpunkt“ am Schlachtfeld dienen können. Details dazu wurden nicht genannt. Denkbar ist, dass er ein Relay bildet, um etwa die Signale von Drohnen und Robotern zu verarbeiten und weiterzuleiten. China hat heuer bereits mehrfach Videos von Übungen veröffentlicht, bei denen Roboter zusammen mit Soldaten agiert haben.

Bewaffnung

Ein weiteres Upgrade für den 99B: Das Maschinengewehr am Dach des Turms ist jetzt in einer ferngesteuerten Station untergebracht. Das heißt, die Crew kann es vollständig aus dem Inneren des Panzers bedienen.

Dabei handelt es sich um das QJC-88 im Kaliber 12,7 x 108 mm. Das schwere Maschinengewehr hat eine Feuerrate von bis zu 600 Schuss pro Minute. Zur effektiven Reichweite gibt es keine offizielle Angabe, sie liegt vermutlich bei etwa 1,5 km.

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An der Hauptbewaffnung dürfte sich nichts geändert haben. Der Type 99B nutzt weiterhin die 125-mm-Kanone mit einem Autolader. Die Feuerrate damit beträgt bis zu 10 Schuss pro Minute. Die Reichweite liegt bei bis zu 4 km mit normalen Ladungen und 5 km mit der GP125. Dabei handelt es sich um eine Rohr-gestartete Rakete zur Bekämpfung von Panzern.

Leichter Kampfpanzer Type 15

China hat schon 2018 einen Panzer in Dienst gestellt, der speziell für Hochebenen ausgelegt ist: den Type 15. Während der Type 99 gut 55 Tonnen wiegt, sind es beim Type 15 33 bis 36 Tonnen. Dadurch fällt er in die Kategorie leichter Kampfpanzer.

Das geringere Gewicht erleichtert den Transport des Panzers per Flugzeug und die Fahrten im schwierigen Terrain. Außerdem kann er zB. Brücken nutzen, für die der Type 99 zu schwer wäre. Der 1.000-PS-Motor des Type 15s hat einen eigenen Sauerstoff-Generator, damit er in hohen Höhen seine Leistung behält.

Kleineres Kaliber

Die Gewichtsersparnis beim Type 15 wird ua. durch die Hauptbewaffnung erreicht. Statt einer 125-mm-Kanone, nutzt er eine 105-mm-Kanone. Auch die hat einen Autolader, wodurch, wie beim Type 99, nur eine Crew von 3 Mann nötig ist, statt wie etwa beim Abrams und Leopard 4 Mann – der Ladeschütze entfällt.

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Die Reichweite mit normalen Geschoßen liegt bei etwa 3 km. Mit Rohr-gestarteten Raketen wird sie auf 5 km erhöht. Angeblich können diese Raketen die Frontpanzerung eines russischen T-90-Panzers durchschlagen, selbst wenn Reaktivpanzerung (ERA) genutzt wird, die vor panzerbrechender Munition schützen soll. Indien besitzt derzeit um die 1.300 Stück der Exportvariante T-90S.

Genauso, wie sich die Waffentechnologie weiterentwickelt, entwickelt sich auch ERA weiter. Indien könnte also seine T-90S nachrüsten und besser gegen die 105-mm-Projektile des Type 15 schützen. China hat für diesen Fall dann den Type 99B parat. Mit seiner 125-mm-Kanone hat er ausreichend Feuerkraft und ist besser für die Hochebene angepasst als der indische T-90S.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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