Dark Eagle wird von einem Lkw-Anhänger gestartet
US-Hyperschallrakete Dark Eagle hat überraschend kleinen Sprengkopf
Die Long Range Hypersonic Weapon (LRHW) ist besser bekannt unter dem Namen Dark Eagle. Dahinter steckt eine vom Boden gestartete Rakete mit hoher Reichweite, an der die US Army gerade arbeitet.
Auch aus Gründen der Geheimhaltung sind die Informationen dazu noch spärlich gestreut. Jetzt wurden aber neue Details genannt, als der US-Kriegsminister Pete Hegseth das Redstone Arsenal in Alabama besucht hat. Dort sind, neben den Streitkräften, mehrere Behörden und Agenturen vertreten, u. a. die NASA und das FBI. Das US Army Missile Command testet und entwickelt dort Raketen für die US-Armee.
Dark Eagle bei einer Übung.
© Us Army
3.500 km Reichweite
Generalleutnant Francisco Lozano, zuständig für die Beschaffung von Hyperschallwaffen, sprach bei der Gelegenheit über die Reichweite von Dark Eagle. Diese würde 3.500 km betragen. Lozano sagte, dass sie vom US-Militärstützpunkt in Guam das Festland von China treffen könnte, von London aus Moskau und von Qatar aus Teheran.
Bisher war für Dark Eagle eine Reichweite von 2.775 km bekannt. Warum es jetzt mindestens 3.500 km sind, wurde nicht geklärt. Üblicherweise werden in der Entwicklungs- und Testphase von neuen Waffensystemen Leistungsmerkmale absichtlich konservativ angegeben: Es sieht besser aus, wenn diese Werte beim finalen Produkt übertroffen statt unterschritten werden.
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Außerdem wollen die meisten Armeen nicht, dass genaue Daten von Waffensystemen öffentlich bekannt sind, weil dann die potenziellen Feinde ihre Abwehr- und Abfangmaßnahmen dahingehend optimieren können. Möglich ist auch, dass während der Testphase von Dark Eagle noch Optimierungen vorgenommen wurden, die jetzt eine höhere Reichweite ermöglichen. Jedenfalls kann man davon ausgehen, dass die Hyperschallwaffe in ihrer finalen Form die 3.500 km Reichweite wohl um Hunderte Kilometer überschreiten wird.
Teststart einer Dark Eagle
© US Verteidigungsministerium
Hyperschallgleiter
Gestartet wird Dark Eagle von einem Lkw-Anhänger mit 2 Behältern, wie er schon bei früheren Tests zu sehen war. Das deutet auf vergleichsweise kompakte Maße hin, dafür, dass die Reichweite über 3.500 km beträgt.
Möglich wird das, weil Dark Eagle einen Hyperschallgleiter nutzt. In der Boost-Phase steigt Dark Eagle wie eine ballistische Rakete auf. Für die mittlere Flugphase wird der Hyperschallgleiter mit dem Gefechtskopf abgekoppelt. Hier erreicht der Gleiter, ohne eigenen Antrieb, Hyperschallgeschwindigkeit (ab Mach 5, 6.174 km/h). Wie schnell genau er ist, ist noch nicht bekannt. Laut früheren Angaben wurde mindestens Mach 17 (21.000 km/h) angepeilt.
Eine schematische Darstellung zeigt die Flugbahn von ballistischen Raketen, Hyperschallgleitern und Marschflugkörpern
© US Government Accountability Office (GAO)
In dieser Phase werden zufällige Ausweichmanöver geflogen. Dies erschwert, zusätzlich zu der hohen Geschwindigkeit, das Erfassen und Abfangen von Dark Eagle, sowie das Berechnen des Zielorts.
In der finalen Phase stürzt sich der Gleiter in einem steilen Winkel auf das Ziel. Laut einem US-Army-Offizier, der bei dem Besuch mit Hegseths sprach, soll Dark Eagle, vom Abschuss bis zum Einschlag, weniger als 20 Minuten für die 3.500 km benötigen.
Dark Eagle bei einer Übung.
© US Army
Kleiner Gefechtskopf
Derselbe Offizier hat ein spannendes Detail verraten. Der Gefechtskopf von Dark Eagle soll „weniger als 30 Pfund“ wiegen, also unter 13,6 kg. Das scheint für eine Waffe dieser Reichweite, die pro Stück über 40 Millionen US-Dollar kosten wird, eine sehr geringe Zerstörungskraft zu sein.
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Zum Vergleich: Der Unterschallmarschflugkörper Tomahawk kostet ca. 2,5 Millionen US-Dollar. Er kann einen Gefechtskopf mit 310 kg tragen und 2.500 km weit fliegen – aber nur mit etwa 920 km/h.
Mit 13,6 kg liegt der Gefechtskopf von Dark Eagle eher in der Größenordnung von Panzerabwehrwaffen, wie dem Raketenwerfer FGM-148 Javelin (8,4 kg, 4,75 km Reichweite) oder Luft-Luft-Raketen, wie der AIM-120 AMRAAM (20 kg, 160 km).
Splittergefechtskopf
Der Army-Offizier hat seine Aussage noch um die Erklärung ergänzt, dass der Gefechtskopf nur nötig ist, „um die Projektile rauszubekommen“. Dark Eagle würde so eine Fläche, die so groß ist wie der Parkplatz, auf dem man gerade stehe, bekämpfen. Welcher Parkplatz gemeint ist, könnt ihr in diesem Video sehen:
Das heißt, Dark Eagle wird standardmäßig einen Gefechtskopf mit Splitterwirkung haben. Der Gleiter ist im Endanflug üblicherweise etwas langsamer als in der mittleren Phase, aber: „Kraft = Masse x Beschleunigung“ gilt trotzdem. Wenn bei mehr als Mach 5 der Gefechtskopf explodiert und die Splitter so mit zusätzlicher Geschwindigkeit hinausgeschleudert werden, könnte trotz der geringen Masse eine nennenswerte Durchschlagskraft erzielt werden.
Ob dieses „könnte“ ein „kann“ ist, wollte das Pentagon schon im Februar 2025 von der US Army wissen. In einem Jahresbericht zur Entwicklung von Waffensystemen hat das Pentagon geschrieben, dass bei den Tests, die im Jahr 2024 stattgefunden haben, nicht die tödlichen Effekte des Gefechtskopfs validiert werden konnten.
Dark Eagle
© US Army
Dark Eagle als Breschenschlager
Diese Lethal Effects beziehen sich dabei nicht (nur) auf Soldaten, sondern die Zerstörungskraft gegenüber den angedachten, militärischen Zielen. Anhand der Wahl des Gefechtskopfs wären das z. B. Luftabwehr- und Radaranlagen. Dark Eagle würde etwa zum Einsatz kommen, um das Feuerleitradar der Luftverteidigung zu zerstören, damit die folgenden Bomber, Marschflugkörper oder Langstrecken-Drohnen ihre Ziele erreichen, ohne abgeschossen zu werden.
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Größere und befestigte Ziele kann Dark Eagle mit dem Gefechtskopf aber vermutlich nicht vollständig ausschalten. Ein chinesischer Flugzeugträger könnte zumindest für eine Weile außer Gefecht gesetzt werden, falls präzise die Brücke getroffen wird. Für ein Versenken wird es aber vermutlich nicht reichen.
Ob Dark Eagle als Bunker Buster eingesetzt werden kann oder soll, bei dem der Gefechtskopf erst eindringt und danach explodiert, ist nicht bekannt. Hier könnte trotz der hohen Geschwindigkeit die Masse nicht ausreichen, um meterdicken Stahlbeton zu durchschlagen. Die Gleitbombe GBU-39/B kann mit einem 93 kg schweren Gefechtskopf etwa einen Meter Stahlbeton durchdringen.
Doch nur eine „silberne Kugel“?
Dark Eagle wurde bereits mehrfach verschoben. Zuletzt hieß es, dass die US Army anstrebt, die Hyperschallwaffe im Fiskaljahr 2025 einsatzbereit zu haben – das im September 2025 geendet hat. Dark-Eagle-Starter befinden sich zwar bereits in Fort Lewis, aber ob mittlerweile die passenden Raketen geliefert wurden, ist nicht bekannt.
Hegseth fragte bei seinem Besuch noch, wie schnell Dark Eagle produziert werden könne. Eine pro Monat, kam als Antwort. Man strebe aber an, auf 2 pro Monat zu beschleunigen, was 24 Stück pro Jahr wäre.
Ein Dark-Eagle-Startbehälter wird verladen
© US Army
Kritiker des Dark-Eagle-Programms sehen darin eine weitere Bestätigung, dass die Hyperschallwaffe eine „silberne Kugel“ sei. Sie sei zu teuer, zu unflexibel und würde in zu geringen Stückzahlen zur Verfügung stehen, um in einem Krieg einen maßgeblichen Einfluss auf das Schlachtfeld zu haben.
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