KF-21 Kampfjet fliegt über bewölktem Himmel

KF-21 Prototyp

© Verteidigungsministerium Südkorea
Wählen Sie FUTUREZONE als bevorzugte Google-Quelle

Militärtechnik

Erste KF-21 rollt vom Band: Warum Südkoreas Stealth-Fighter eigentlich keiner ist

„Südkorea hat jetzt einen eigenen Stealth-Jet“ und „Mit diesem Stealth-Fighter fordert Korea die F-35 heraus!“: Mit solchen Überschriften wird in sozialen Netzwerken und von einigen Medien ein Meilenstein für Südkoreas Rüstungsindustrie kommentiert. Diese Woche ist nämlich die erste KF-21 Boramae aus der Serienproduktion vom Band gerollt.

Tatsächlich sieht die Boramae, was übersetzt in etwa kämpfender Habicht bedeutet, auf den ersten Blick wie ein Stealth-Fighter aus. Besonders zur amerikanischen F-22 Raptor scheint eine gewisse Ähnlichkeit zu bestehen.

Kampfjet fliegt über Äcker
Ein Tarnkappen-Kampfjet fliegt mit hoher Geschwindigkeit durch den Himmel.

links: © KAI

rechts: © US Air Force

KF-21 links und F-22 rechts

Allerdings ist die KF-21 kein echter Stealth-Fighter. Sie ist aber darauf vorbereitet, irgendwann mal einer zu werden.

Kein Jet der 5. Generation

„Echte“ Stealth-Fighter sind die Kampfjets der 5. Generation. Die 5. Generation ist derzeit die neueste, die im Einsatz ist. Sie wird gebildet von den amerikanischen Flugzeugen F-22 und F-35, den chinesischen Maschinen J-20 und J-35 und Russlands Su-57.

Als Grundvoraussetzung, dass ein Jet zur 5. Generation gehört, sind Tarnkappeneigenschaften mit einem internen Waffenschacht. Und dieser fehlt bei der KF-21. Sie transportiert ihre Waffen unter den Flügeln und, was ungewöhnlich für einen modernen Kampfjet ist, halb versenkt im Rumpf.

Ein KF-21 Kampfjet setzt vor bewöktem Himmel zur Landung an

Die Meteor Luft-Luft-Raketen sind halb im Rumpf versenkt

Interne Waffenschächte dienen nicht bloß der Aerodynamik, sondern sind essenziell für die Tarnkappeneigenschaften. Stealth-Flugzeuge sind nämlich so geformt, dass sie möglichst wenig Radarstrahlen zurückwerfen. Dadurch erscheinen sie am Radar des Feindes so klein wie ein Käfer oder Vogel. Sie sind damit quasi „unsichtbar“ für das Radar.

Waffen, die unter den Flügeln oder dem Rumpf hängen, stören diese Stealth-Optimierung. Sie werfen mehr Radarstrahlen zurück und erhöhen dadurch den Radarquerschnitt. Ein Teil der Tarnkappeneigenschaften wird also ausgehebelt. Zudem haben Stealth-Jets für gewöhnlich eine spezielle Beschichtung, um Radarstrahlen zu absorbieren und die Infrarotsignatur zu reduzieren. Diese haben die meisten Raketen und Bomben nicht.

➤ Mehr lesen: Neue F-35 soll zum halben Preis dasselbe können wie der Superflieger F-47

Generation 4.5

Die KF-21 wird deshalb vom Hersteller KAI nicht als Kampfjet der 5. Generation beworben, sondern als 4.5. Das bedeutet, sie hat zwar nicht die Stealth-Fähigkeiten eines 5er-Jets, aber modernere Flugsysteme als ein Generation-4-Flieger. Zur Generation 4 gehören u.a. die amerikanische F-15 und F-16, die chinesische J-10C und die russische Su-34.

Zu den 4.5-Upgrades zählen etwa ein AESA-Radar, die Infrarot-basierten IRST-Zielsysteme und Maßnahmen, um den Radarquerschnitt zumindest etwas zu reduzieren. Je nachdem, wie streng man die etwas lose definierten Kampfjet-Generationen auslegt, gehört auch der Eurofighter zur Generation 4.5 bzw. Generation 4+.

Ein deutscher Eurofighter.

Ein deutscher Eurofighter

In nur 5 Jahren zur Serienproduktion

Dass Südkorea bewusst auf volle Stealth-Eigenschaften verzichtet hat, ist ein Grund, warum die KF-21 überraschend schnell in Serienproduktion gehen konnte. 2021 war der erste Prototyp fertig, 2022 fand der Erstflug statt. 2023 wurde sie für kampfbereit erklärt.

Zum Vergleich: Zwischen dem Erstflug des Prototyps der F-35 und der Fertigstellung des ersten Kampfjets aus Serienproduktion, vergingen fast 11 Jahre. Russland brauchte mit der Su-57 10 Jahre. Chinas J-35 hatte den Erstflug 2012 (damals als FC-31), die Produktion startete 2025.

Dass Südkorea so schnell bei der Produktion ist, liegt nicht nur an der bewussten Entscheidung, heutzutage einen Generation 4.5 statt 5 Kampfjet zu bauen. Dazu gehört auch, dass die KF-21 eine entscheidende Fähigkeit erst später bekommen wird: Angriff auf Bodenziele.

➤ Mehr lesen: Die verrückte Idee der fliegenden Flugzeugträger

3 Blocks

Für die KF-21 sind Baustufen vorgesehen: Block 1, 2 und 3. Jetzt wird Block 1 gebaut. Die KF-21 ist in diesem Fall ein Jagdflugzeug für den Luftkampf. Mit Block 2 soll die Unterstützung für Waffen zum Angriff auf Bodenziele und Schiffe dazukommen. Damit wird sie zum Mehrzweckkampfflugzeug. Block 3 soll einen internen Waffenschacht bringen und andere Systeme, die die KF-21 zu einem Stealth-Fighter machen.

Wenn es nach den südkoreanischen Streitkräften geht, soll Block 2 schon Anfang 2027 zur Verfügung stehen. Da es sich hauptsächlich um ein Software-Update handelt, sollten bereits produzierte KF-21 relativ unproblematisch zu Block II aufgerüstet werden können. Bis Ende 2028 sollen 10 verschiedene Luft-Boden-Waffen, von Raketen über Bomben bis zu Marschflugkörpern, getestet, verifiziert und in die Systeme der KF-21 integriert sein.

Mit Stealth: KF-21EX

Block 3 wird auf der KF-21 basieren, aber noch ist nicht bekannt, ob bestehende Maschinen nachgerüstet werden können. Da weitere Umbauten im Rahmen von Block 3 geplant sind und die Maschine laut KAI dann KF-21EX heißen wird, ist es wahrscheinlich, dass nur neu produzierte Maschinen echte Stealth-Fighter werden.

KAI geht sogar einen Schritt weiter, und will aus dem 4.5 Jet einen 5.5 Jet machen – also ein Kampfflugzeug, mit mehr Fähigkeiten als ein Generation-5-Flieger. Die Basis bildet der Ausbau der Stealth-Eigenschaften. Die KF-21EX soll dazu eine Radar-absorbierende Beschichtung erhalten, ein neu designtes Cockpit-Glas und eine Nase mit besseren Stealth-Eigenschaften.

Grafik eines Stealth-Kampfjets mit geöffneten Waffenschächten

Konzeptgrafik der KF-21EX

Auf einer Konzeptgrafik von KAI ist der interne Waffenschacht der KF-21EX zweiteilig. In jedem ist eine Lenkbombe der 2.000-Pfund-Klasse (907 kg) zu sehen. Ebenso zeigt die Grafik, dass die Lufteinlässe für die Triebwerke nahtlos am Rumpf anliegen und nicht mehr ein Spalt dazwischen ist, wie bei der KF-21 Block 1. Auch zu erkennen ist ein EOTS-Modul (kamerabasiertes Zielerfassungssystem) unter der Nase.

Kampfjet KF-21 bei der Landung auf einer Startbahn vor bewaldeter Bergkulisse.

Prototyp der KF-21 Block 1: Zwischen Lufteinlass für das Triebwerk und Rumpf ist ein Spalt zu sehen

Geplant ist zudem, dass ein in Südkorea gebautes Triebwerk das amerikanische F414-GE-400 ersetzen soll, das bei der KF-21 Block 1 und 2 genutzt wird. Das neue, heimische Triebwerk soll dann gleich als Basis für den Antrieb eines kommenden Kampfjets der 6. Generation dienen.

Die KF-21EX soll ein Infrarot-basiertes Raketenwarnsystem bekommen, ähnlich dem amerikanischen DAS in der F-35. Das .5 im Generation-5.5-Jet sollen neue Mittel zur elektronischen Kriegsführung sein, potenziell die Integration von KI um den Piloten bei der Missionsplanung zu unterstützen, eine umfangreiche Vernetzung mit Verbündeten auf dem Schlachtfeld und MUM-T-Fähigkeiten (Manned-Unmanned Teaming).

Die KF-21EX wird dabei von unbemannten Kampfflugzeugen bzw. Drohnen begleitet. Diese fliegen autonom und erhalten von der KF-21EX ihre Einsatzbefehle. Dabei hilft, dass die KF-21 von Anfang an als Ein- und Zweisitzer entwickelt wurde. Bei der Zweisitzer-Variante kann sich der Pilot auf das Fliegen konzentrieren, während der Waffenoffizier vom Rücksitz aus die Drohnen befehligt und von ihnen gesammelte Daten auswertet.

Der südkoreanische Kampfjet KF-21 fliegt mit ausgefahrenem Fahrwerk durch die Wolken.

KF-21 Prototyp der Zweisitzer-Variante

Bunker Buster gegen Nordkorea

Angedacht sind verschiedene Arten von unbemannten Kampfflugzeugen. Einige Stealth-Drohnen sollen selbst bewaffnet sein, andere sollen als fliegende Jammer dienen, um die Luftverteidigung zu unterdrücken. Letztere sollen etwa dann zum Einsatz kommen, wenn die KF-21EX als Bomber genutzt wird.

KF-21-Kampfjet fliegt zusammen mit drei Tarnkappen-Drohnen über dem Meer.

Ein Konzeptbild zeigt die KF-21 in Begleitung von Drohnen

Dass die KF-21EX auf der Konzeptgrafik mit schweren Bomben gezeigt wurde, ist nämlich kein Zufall. Mit diesen sollen in einer Penetrator-Version die unterirdischen Atomanlagen, Raketensilos und Bunker von Nordkorea geknackt werden. Weil Nordkorea seine Luftabwehr ständig aufrüstet, ist die Erfolgschance einer solchen Mission mit einem Stealth-Fighter deutlich höher als mit einem normalen Kampfflugzeug.

➤ Mehr lesen: Hyunmoo-5: Südkorea enthüllt "ultrastarke" ballistische Rakete

Gleich Stealth-Drohnen statt die KF-21EX zu nutzen, ist laut KAI derzeit nicht vorgesehen. Die Drohnen, die nämlich bereits entwickelt werden, haben nicht genügend Traglast für die 907-kg-Bomben.

Die Kombination aus Bunker-Buster-Freifallbomben dieser Klasse und Stealth gilt jedenfalls als einsatzerprobt. Die USA setzen sie etwa gegen den Iran an. Mit B-2 Stealth-Bombern wurden 907-kg-Bomben auf unterirdische Raketenlager abgeworfen.

Elektronische Kriegsführung

Neben der KF-21EX ist eine weitere Variante von Block 3 geplant. Diese läuft derzeit unter den Namen KF-21EA bzw. KF-21EJ. EA würde für Electronic Attack stehen (wie bei der amerikanischen EA-18G Growler), EJ für Escort Jammer. Dabei sind die Rollen umgekehrt: Die KF-21EJ hat zusätzliche Mittel zur elektronischen Kriegsführung an Bord, um das Radar der Luftabwehr zu jammen, damit Begleitdrohnen oder andere Flugzeuge höhere Erfolgschancen beim Angriff auf das Ziel haben.

Einen konkreten Zeitpunkt dafür, wann die KF-21EX und die EA/EJ-Variante einsatzbereit sein werden, gibt es noch nicht. KAI spricht bisher nur von „in den 2030er-Jahren“.

Ersatz für alte US-Flieger

Vorerst haben die südkoreanischen Streitkräfte 40 Stück der KF-21 Block 1 bestellt, die dann per Software-Update zur Block 2 werden. Die Lieferung aller Flugzeuge soll im Jahr 2028 abgeschlossen werden. Ein Folgeplan sieht vor, dass bis 2032 eine Flotte von 120 KF-21 einsatzbereit ist.

Eine konkrete Bestellmenge für die KF-21EX gibt es noch nicht. Es könnte sein, dass aus dieser Variante gar nichts wird und der Fokus stattdessen gleich auf einen Kampfjet der 6. Generation gelegt wird oder verbesserte, unbemannte Kampfflugzeuge und Stealth-Drohnen mit mehr Nutzlast. Allzu dringend braucht Südkorea jedenfalls nicht einen eigenen Stealth-Fighter, da man ohnehin 40 F-35A in der Flotte hat. 20 weitere wurden bestellt, die ab 2027 geliefert werden sollen.

Die Block 1 und 2 KF-21 sollen jetzt die alternden US-Kampfflugzeuge ersetzen. 2024 hat Südkorea die F-4E Phantom II nach 55 Jahren in Pension geschickt. Die F-5E Tiger II, die Südkorea Mitte der 1970er-Jahre gekauft hat, ist als Nächstes dran.

F-5 Kampfjet fliegt vor blauem Himmel

F-5E Tiger II der koreanischen Luftstreitkräfte

Technische Daten

Bisher hat KAI nur die Daten der einsitzigen KF-21 veröffentlicht. Das Flugzeug ist 16,9 Meter lang und hat eine Flügelspannweite von 11,2 Meter. Mit den 2 Triebwerken des Typs F414-GE-400, die auch von der amerikanischen F/A-18E/F genutzt werden, kommt die KF-21 auf eine Höchstgeschwindigkeit von Mach 1,81. Die Kampfreichweite wird mit 1.000 km angegeben.

Kampfflugzeug KF-21 Boramae im Flug über Küstenlandschaft mit ausgefahrenem Fahrwerk.

KF-21 Einsitzer-Prototyp

Als Bordkanone kommt eine M61A2 Vulcan im Kaliber 20 mm zum Einsatz, mit 480 Schuss im Magazin. Die Kanone ist bewährt und ist in US-Flugzeugen zu finden, inklusive der F-15, F-16 und F-22.

Die maximale Waffentraglast der KF-21 beträgt 7.700 kg. Es gibt 10 Hardpoints für Waffen: 3 unter jedem Flügel und 4 unter dem Rumpf, die für die halbversenkten Meteor-Luft-Luft-Raketen reserviert sind. Deren Reichweite beträgt über 200 km.

Ein grauer Kampfjet mit voller Bewaffnung

Die Grafik zeigt die 10 Hardpoints für die Waffen: 3 links, 4 in der Mitte, 3 rechts

Für den Luftkampf auf kurze Distanzen kann die KF-21 Block 1 die IRIS-T und AIM-9X Sidewinder nutzen. Südkorea arbeitet zudem an einer eigenen Kurzstrecken- und Langstrecken-Luft-Luft-Rakete, um weniger von Rüstungslieferungen aus Europa und den USA abhängig zu sein.

Für Block 2 sind ebenfalls eigene Waffen in Arbeit, darunter eine Hyperschall-Antischiffsrakete und der Marschflugkörper KALCM Cheonryong. Der soll eine Reichweite von über 600 km haben. Durch einen zweistufigen Gefechtskopf sollen bis zu 8 Meter Stahlbeton durchschlagen werden. 

Hat dir der Artikel gefallen? Jetzt teilen!

Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

mehr lesen
Gregor Gruber

Kommentare