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F/A-XX: Video zeigt spannende Details zum neuen Stealth-Fighter der US Navy

Um die US-Kampfjets der 6. Generation herrscht große Geheimniskrämerei. Statt konkreter Daten gibt es nur Informationsfetzen, statt Fotos Renderbilder, bei denen ein Großteil der Flugzeuge verdeckt ist.

Das offizielle Enthüllungsbild der F-47

Der neue Stealth-Fighter der US Air Force wird von Boeing gebaut und heißt F-47. Die Entscheidung für das Projekt F/A-XX, aus dem das Navy-Gegenstück zur F-47 hervorgehen soll, ist aber noch nicht gefallen.

Hier sind, soweit bekannt, noch 2 Unternehmen im Rennen: Boeing und Northrop Grumman. Letzteres hat jetzt ein Video veröffentlicht, das ein gerendertes Modell der F/A-XX zeigt, mit überraschend vielen Details.

Triebwerkseinlässe an der Oberseite

Wie detailgetreu dieses Modell der echten F/A-XX nachempfunden wurde, ist nicht bekannt. Aus Gründen der Geheimhaltung werden solche Modelle oft verzerrt und wichtige Details optisch verändert – speziell, wenn es um Flugzeuge mit Tarnkappeneigenschaften geht. Denn hier ist die Bauform entscheidend dafür, wie gut Radarstrahlen zerstreut statt zurückgeworfen werden. Dennoch sind in dem Video ein paar spannende Details zu sehen.

Wie erwartet hat der Kampfjet ein Tailless-Design, kommt also ohne Leitwerk aus Das ist auch bei den Stealth-Bombern B-2 und B-21 der Fall. Beide werden von Northrop gebaut.

➤ Mehr lesen: Neue Details: So hat man den Stealth-Bomber B-21 Raider noch nie gesehen

B-21 Raider bei der Luftbetankung

Auffällig ist, wie weit hinten an der Oberseite des Flugzeugs die Lufteinlässe für die Triebwerke sind. Generell sind Lufteinlässe an der Oberseite selten bei modernen Jagdflugzeugen zu finden, aber bei der B-2 und B-21. Auf einem älteren Konzeptbild von Boeing zur F/A-XX befinden sich die Triebwerkseinlässe auf der traditionelleren Position, unten und weniger weit nach hinten versetzt als bei Northrop.

Boeing-Konzept der F/A-XX mit Wingman-Drohne

Große Cockpit-Kuppel

Die Northrop F/A-XX hat eine auffällig breite und flache Nase. Auch die Glaskuppel des Cockpits sieht breit und beinahe überdimensioniert aus. Dies könnte der absichtlichen Ungenauigkeit des Render-Modells geschuldet sein.

F/A-XX

Nicht sichtbar ist, ob diese F/A-XX ein Ein- oder Zweisitzer ist. Es ist denkbar, dass Northrop beide Varianten anbieten will. Denn die F/A-18, die durch die F/A-XX ersetzt werden soll, ist in einer Variante als Ein- und Zweisitzer im Einsatz.

Die F/A-18F ist ein Zweisitzer

F/A-XX womöglich kleiner als gedacht

Das Fahrwerk wirkt sehr bullig. Das muss es auch sein, denn Flugzeuge, die auf Flugzeugträgern starten und landen, brauchen stabilere Fahrwerke, wegen den höheren Belastungen durch Katapulte beim Beschleunigen und Fangseilanlagen beim Bremsen.

Bei der F/A-XX wirkt das Fahrwerk aber überdimensioniert – oder der Kampfjet ist kleiner als angenommen. Zumindest könnte man diesen Eindruck bekommen, wenn man das große Fahrwerk und die große Cockpit-Kuppel in Relation zum Rumpf des Flugzeugs setzt.

F/A-XX mit nach oben geklappten Flügeln.

Gegen diese Theorie spricht, dass ein „kleiner“ Kampfjet der 6. Generation zu wenig Platz haben könnte, um den Anforderungen an Reichweite und Nutzlast gerecht zu werden. Dafür spricht, dass die Navy gesagt hat, sie erwartet eine Reichweitensteigerung von rund 25 Prozent gegenüber der F-35C. Das wären in etwa 1.500 km Einsatzradius. Wenn die Erwartung „nur“ eine 25-prozentige Steigerung ist, ist die F/A-XX womöglich ähnlich groß wie die F-35C (15,67 m Länge, 13,11 m Spannweite) und damit kleiner als die F/A-18 (18,32 m, 13,63 m).

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Eine F-35C (oben) und F/A-18F (unten)

Klappbare Flügel

Die F/A-XX in Northrops Video hat klappbare Flügelenden. Damit soll sie in der Parkposition weniger Platz einnehmen, denn auf Flugzeugträgern ist Platz immer knapp. Auch die F/A-18 und F-35C können Teile der Flügel deshalb nach oben klappen.

Sieht man genau hin, erkennt man noch eine offene Klappe an der Unterseite. Da diese nach innen gewölbt ist, dürfte sie für den internen Waffenschacht sein und nicht für das Fahrwerk. Größe und Position suggerieren, dass die Waffenschächte der F/A-XX ähnlich wie bei der F-35 angelegt sind. Diese nutzt insgesamt 4 Klappen, 2 links und 2 rechts. Bei der F-22 kommt eine Art Faltmechanismus zum Einsatz, weshalb der 2-geteilte Hauptwaffenschacht nur insgesamt 2 Klappen nutzt.

Gutes oder schlechtes Zeichen für die F/A-XX

Dass Northrop dieses Video veröffentlicht hat, kann man als gutes oder schlechtes Zeichen werten. Denkt man positiv, könnte es sein, dass jetzt die Verkündung des Siegers der F/A-XX-Ausschreibung unmittelbar bevorsteht. Sieht man es negativ, könnte es bedeuten, dass Boeing gewinnt und Northrop deshalb keinen Grund mehr hat, diese Art von Video, die womöglich zu viel Hinweise auf das Design des Stealth-Fighters verrät, zurückzuhalten.

Schließlich besteht auch noch die Gefahr, dass die F/A-XX abgeblasen wird. Die US-Regierung hat zumindest genau das versucht. Das liegt am knappen Budget und der Eitelkeit des US-Präsidenten. Denn Trump will sich mit der F-47 (er ist der 47. Präsident) ein fliegendes Denkmal setzen. Und damit das klappt, soll sie noch in seiner aktuellen Amtszeit, die im Jänner 2029 endet, zum Jungfernflug abheben. Deshalb wird bei den Rüstungsausgaben anderer Branchen, wie bei der US Army und der US Navy, gespart, damit mit dem freigespielten Budget die Entwicklung der F-47 beschleunigt werden kann.

Offizielles Bild der F-47 der US Air Force

Die offizielle Begründung der US-Regierung lautete freilich anders. Man befürchte, dass weder Northrop noch Boeing die Kapazitäten für die F/A-XX haben. Northrop baut gerade die B-21, die aus taktischen und strategischen Gründen zu wichtig sei. Würde Northrop die F/A-XX-Ausschreibung gewinnen, könnte das die Fertigung des Stealth-Bombers und die Indienststellung bei der Air Force verzögern, weil das Rüstungsunternehmen nebenbei noch einen Flieger für die Navy bauen muss.

Bei Boeing bestehe ein ähnliches Problem, weil das Unternehmen dringend die F-47 für die Air Force bauen muss. Boeing wies dieses Argument der US-Regierung entschieden zurück: „Unsere Strategie war, dass wir an beiden Kampfjet-Programmen der Air Force und Navy teilnehmen, gewinnen und abliefern werden“, sagte Steve Parker, CEO von Boeing Defense: „Wir haben 5 Milliarden US-Dollar investiert, um beide Projekte voranzutreiben. Also ja, wir können absolut beide Jets bauen.“

Was bedeutet Kampfjet der 6. Generation?

Kampfjets werden in Generationen eingeteilt. Die aktuellste, die im Einsatz ist, ist die 5. Generation, die sich vor allem durch Tarnkappeneigenschaften auszeichnet. Dazu zählen die F-22, F-35, Su-57, J-20 und J-35.

Zu den derzeit noch lose definierten Fähigkeiten eines Kampfjets der 6. Generation gehören:

  • Tarnkappeneigenschaften und interner Waffenschacht
  • Für Luftkämpfe und Bodenangriffe geeignet
  • Geeignet für elektronische Kriegsführung
  • Erweiterte Datenübertragungsfähigkeiten für das vernetzte Schlachtfeld und Datenübertragung direkt zu Satelliten
  • Kann optional ferngesteuert und mindestens teilautonom mittels KI agieren
  • Helm-Display ist mit Außenkameras verbunden, damit der Pilot „durch das Flugzeug“ durchschauen kann und so eine 360-Grad-Rundumsicht hat
  • Adaptives Triebwerk
  • Erweiterte Gegenmaßnahmen, wie Jammer, Infrarot-Blender und optional Energiewaffen – etwa um anfliegende Raketen per Laser zu zerstören

Rüsten für einen Konflikt mit China

Zuletzt hatte sich der US-Senat gegen das Pentagon gestellt, um die finanziellen Mittel für die F/A-XX zu sichern. Angeblich gab es eine Einigung. Allerdings haben Rüstungsexperten auch schon mehrfach angekündigt, dass die F/A-XX „in den nächsten Wochen“ offiziell vorgestellt wird, was bisher nicht passiert ist.

➤ Mehr lesen: So soll der Stealth-Fighter F/A-XX der US Navy gerettet werden

Für die Entwicklung der F/A-XX spricht, zumindest aus der Sicht der US-Streitkräfte, die geopolitische Lage. Denn die Rüstungsstrategie der USA ist stark auf einen Konflikt mit China im Pazifik ausgerichtet. China hat mehrfach angedroht, Taiwan zu erobern und die USA haben mehrfach zurück gedroht, dass man Taiwan zur Hilfe eilen werde. Bei so einem Konflikt würden die Flugzeugträger der US Navy an vorderster Front stehen, während die F-47 eher aus der „zweiten Reihe“, etwa von US-Stützpunkten in Japan aus, eingreifen würde.

China führt derzeit Testflüge mit den Stealth-Fightern J-36 und J-50 durch. Bei diesen dürfte es sich um Kampfjets der 6. Generation handeln.

Auf den Flugzeugträgern der Navy sind aber mehrheitlich Kampfjets der 4. Generation, die keine Stealth-Fähigkeiten haben, stationiert. Sie hätten im Luftkampf also das Nachsehen.

Und wenn die Navy mit den Jets ihrer Flugzeugträger nicht den Luftraum sichern kann, gefährdet das alle Schiffe der USA und derer Verbündeten: Sie wären leichte Ziele für Marschflugkörper und Raketen, die von chinesischen Kampfflugzeugen, Drohnen und Bombern gestartet werden.

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F/A-XX soll F/A-18 ablösen

Die F/A-18E (Einsitzer) und F/A-18F (Zweisitzer) sind das Rückgrat der Navy-Flugzeugträgerflotte. Sie wurden 2001 in Dienst gestellt. Die Navy besitzt über 400 Stück davon, 93 weitere sind bestellt.

Die E/A-18G ist eine Variante der F/A-18F zur elektronischen Kriegsführung. Die zukünftige F/A-XX soll ebenfalls Fähigkeiten zur elektronischen Kriegsführung haben und damit sowohl die F/A-18E/F als auch die E/A-18G ablösen können.

E/A-18G

F-35C: Mit Stealth und Problemen

Mit der F-35C hat die Navy zumindest einen Stealth-Fighter der 5. Generation. Von dem sind derzeit aber nur etwa 110 Stück vorhanden.

Zudem sind nicht alle Flugzeugträger mit dem Stealth-Jet der 5. Generation kompatibel und müssten erst entsprechend umgebaut werden. Sogar die USS Gerald R. Ford, der neueste und größte Flugzeugträger der US Navy, hat noch keine F-35C an Bord. Der Bau des Kriegsschiffs war bereits zu weit vorangeschritten, um die zum Betrieb der F-35C nötige Infrastruktur einzubauen. Die Ford muss erst damit nachgerüstet werden.

F/A-18s am Deck des Flugzeugträgers Gerald R. Ford

Hinzu kommt, dass die F-35 eine niedrige Readiness hat. Die Landversion F-35A, die pflegeleichter als die F-35C ist, hatte 2024 eine Readiness von 51,5 Prozent. Das heißt: Von den etwa 400 aktiven F-35A, die die US Air Force betreibt, war nur rund die Hälfte einsatzbereit.

Für die F-35C gibt es keine offiziellen Zahlen zur Readiness. Da die F-35C bei den Katapultstarts und Landungen mit Fangseil stärker belastet und noch dazu der Meeresluft mit dem höheren Salzgehalt ausgesetzt ist, muss sie vermutlich öfters gewartet und repariert werden, weshalb die Readiness vermutlich noch niedriger ist. Deshalb ist auch eine Anforderung an die F/A-XX, dass sie robuster ist und somit länger im Einsatz bleiben kann, bevor sie gewartet werden muss.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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