Digital Life

Flugzeugträger schießt erstmals mit Laserwaffe

Soweit bekannt ist, wurde das erste Mal eine Laserwaffe auf einem Flugzeugträger abgefeuert. Diese Weltpremiere sichert sich die US Navy. Passiert ist das Anfang Oktober 2025, die Bilder und Informationen wurden aber erst jetzt veröffentlicht.

Die Container-Variante von LOCUST auf Flugdeck der USS George H.W. Bush

Demnach fanden Tests auf der USS George H.W. Bush statt. Dort wurde die Container-Variante von LOCUST auf dem Flugdeck aufgebaut. Während des Tests hat LOCUST laut der Navy „effizient mehrere, unbemannte Luftfahrzeuge erfasst, verfolgt und neutralisiert.“ Welche Art von Drohnen abgeschossen wurden und auf welche Distanz, wurde nicht verraten.

LOCUST

Laserwaffe auch für Geländewagen

LOCUST wird vom US-Unternehmen AeroVironment hergestellt. Die Laserwaffe ist für verschiedene Plattformen verfügbar. Neben der Container-Variante kann sie auch auf Fahrzeugen montiert werden, wie etwa dem JLTV und ISV.

Ein JLTV mit LOCUST

Das zentrale Element ist ein drehbarer Turm. Neben dem Laser enthält dieser Kameras und Infrarot-Kameras zur Zielerfassung und -verfolgung. Auf Fahrzeugen montiert, kommt zusätzlich ein kompaktes Radar zum Einsatz, um Drohnen aufzuspüren. LOCUST kann auch Daten von bestehenden Radaranlagen beziehen, etwa wenn das System künftig auf Kriegsschiffen eingesetzt oder es in eine Luftabwehrbatterie integriert wird, die aus Feuerleitradar und mehreren Startern für Boden-Luft-Raketen besteht.

Stärke und Reichweite

AeroVironment gibt die Stärke von LOCUST mit 20-35+ kW an. Als Ziele werden Drohnen der Gruppen 1 bis 3 genannt. Das US-Verteidigungsministerium hat Drohnen in 5 Gruppen eingeteilt. 1 ist für Drohnen, die bis zu 9 kg wiegen. Darunter fallen die meisten handelsüblichen Quadcopter, wie solche, die zu FPV-Drohnen umgebaut werden.

Gruppe 5 ist für die größten Drohnen. Hier gehört etwa die MQ-9 Reaper dazu.

Startvorbereitungen bei einer MQ-9 Reaper

Die Gruppe 3, die LOCUST noch zerstören kann, wird mit einem Gewicht von weniger als 600 kg, einer Geschwindigkeit von unter 460 km/h und einer Flughöhe von weniger als 5,5 km definiert. In diese Gruppe fallen etwa die iranischen Shahed-136-Drohnen, die Russland als Geran-2 nachbaut.

Eine in Kiew ausgestellte Geran-2

AeroVironment hat sich bisher nicht zur Reichweite von LOCUST geäußert. Anhand der kW-Leistung und der zu bekämpften Drohnen bis zur Gruppe 3, dürfte die Reichweite bei etwa 5 km liegen. Je nach Wetter- und Umwelteinflüssen sinkt die Reichweite, etwa bei starkem Regen oder dichtem Rauch.

Vor- und Nachteile von Laserwaffen

Pro:

  • Ein „Schuss“ kostet nur wenige Cent
  • Kein Nachladen – es wird lediglich Strom benötigt
  • Keine Kollateralschäden, wenn das Ziel verfehlt wird
  • Auch auf sehr kurze Distanzen nutzbar, ohne eigene Truppen zu gefährden

Contra:

  • Technologie unzureichend im echten Einsatz erprobt
  • Weniger Reichweite bei Schlechtwetter (Wolken, starker Regen) oder Rauch
  • Noch keine ausreichenden Daten zur Zuverlässigkeit und Haltbarkeit im Feld

LOCUST bei der Army und den Marines

Die US Army nutzt bereits in geringer Stückzahl die Container-Variante von LOCUST und hat einige JLTVs und ISVs mit dem System gekauft. Die US Marines haben ebenfalls einige JLTVs mit LOCUST beschafft.

ISV mit LOCUST

LOCUST war kürzlich auch in den Medien, wegen eines kuriosen Vorfalls. Weil damit in Texas eine vermeintliche Drohne abgeschossen wurde, gab es eine plötzliche Luftraumsperre.

➤ Mehr lesen: Das war der kuriose Grund für die plötzliche US-Luftraumsperre

Dass LOCUST auf der USS George H.W. Bush getestet wurde, ist der erste öffentlich gemachte Beleg, dass die Navy diese Laserwaffe testet. Zuvor wurde HELIOS von Lockheed Martin getestet, das etwa auf der USS Preble, ein Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse, installiert wurde.

Schnelles Nachrüsten möglich

Der Vorteil von LOCUST gegenüber HELIOS ist, dass es leichter installiert werden kann. Beim aktuellen Test wurde der Container einfach am Rand des Flugdecks des Flugzeugträgers gestellt. Für HELIOS ist eine tiefere Integration und damit aufwändigere Installation nötig.

Für den LOCUST-Container braucht es nur etwas Platz am Deck und eine Stromversorgung. So könnten bei Bedarf relativ schnell Schiffe mit dem Laser vor dem Auslaufen zu einem Einsatz ausgestattet werden, von Minenräumern über Transportschiffe bis eben zu Flugzeugträgern.

LOCUST am Flugdeck der USS George H.W. Bush

LOCUST könnte wie Phalanx genutzt werden

Ein Ersatz für bestehende Waffensysteme zur Luftabwehr sind Laserwaffen derzeit nicht. Dazu sind sie noch nicht erprobt genug. Sie werden deshalb vorerst als Ergänzung gesehen. Am ehesten könnten sie zukünftig das Phalanx CIWS ersetzen, das als letzte Verteidigung für Schiffe gilt.

Phalanx nutzt als Waffe die M61 Vulcan. Die Gatling-Kanone im Kaliber 20 mm hat 6 Läufe und eine Feuerrate von 4.500 Schuss pro Minute. Die effektive Reichweite beträgt etwa 1,8 km. Jedes Phalanx-System hat ein eigenes Radar, das unabhängig vom Schiffsradar funktioniert. So kann es auch Ziele bekämpfen, wenn das Schiffsradar ausgefallen oder beschädigt ist.

Ist Phalanx scharf gestellt, schießt es automatisch auf anfliegende Ziele, wie Drohnen, Raketen und Marschflugkörper. Auch LOCUST könnte bei Bedarf zukünftig in so einem vollautomatischen Modus genutzt werden.

Superflugzeugträger USS George H. W. Bush

Die George H. W. Bush gehört zur Nimitz-Klasse. Sie hat eine Verdrängung von 104.000 Tonnen. Dadurch ist sie als Superflugzeugträger eingestuft. Von dieser Kategorie spricht man, wenn die Verdrängung mindestens 75.000 Tonnen beträgt.

Wie alle Schiffe der Nimitz-Klasse ist die George H. W. Bush nuklearbetrieben. Es ist also reichlich Strom für den Betrieb von Laserwaffen vorhanden. Zur Selbstverteidigung gegen Luftziele hat sie 3 Phalanx und 2 Starter für je 21 Stück RIM-116. Diese Luftabwehrraketen haben eine Reichweite von etwa 9 km.

Weiters gibt es 2 Starter, die je 8 Stück RIM-162 ESSM-Raketen geladen haben. Diese haben eine Reichweite von etwa 50 km.

Idealerweise sollte es gar nicht so weit kommen, dass die George H. W. Bush ihre Waffen nutzen muss. Die US Navy lässt ihre Flugzeugträger nämlich meist von 3 oder 4 Schiffen begleiten, die auf die Luftverteidigung spezialisiert sind, wie etwa Zerstörer der Arleigh-Burke-Klasse.

Eine typische Carrier Strike Group der US Navy: Flugzeugträger mit 3 Begleitschiffen

In einem größeren Konflikt ist aber nicht auszuschließen, dass die Begleitschiffe kampfunfähig geschossen werden. Zudem könnte der Gegner durch einen Sättigungsangriff die Luftabwehr überlasten, etwa mit Drohnenschwärmen und mehreren Wellen von Antischiffsraketen und Marschflugkörpern. Dann ist jedes zusätzliche Mittel zur Abwehr, wie eine Laserwaffe, willkommen.

Klicken Sie hier für die Newsletteranmeldung

Hat dir der Artikel gefallen? Jetzt teilen!

Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

mehr lesen