Solarhalsband statt Stacheldraht: Wie dieses Start-up Kühe lenken will
Die Digitalisierung macht auch vor der Landwirtschaft nicht Halt, erst recht nicht vor Betrieben im industriellen Maßstab. An diese richtet sich das neuseeländische Start-up Halter. Es vertreibt solarbetriebene Halsbänder für Rinder, Funkmasten und passende Software, die Zäune überflüssig machen sollen.
Vor einigen Tagen erhielt Halter 220 Millionen US-Dollar (ca. 190 Millionen Euro) an Wagniskapital. Der Wert des Unternehmens wird damit auf 2 Milliarden US-Dollar geschätzt.
Bye bye Kuhglocke
Die GPS-gestützten Halsbänder können Kühe laut Halter mit Hinweistönen und Vibrationen innerhalb virtueller Begrenzungen lenken. Hinweistöne geben dabei Richtungsanweisungen, Vibrationen sollen das Tier zur Bewegung animieren. Reagiert es darauf nicht, bekommt es einen Stromimplus. Dieser ist nach Unternehmensangaben schwächer als ein typischer Elektrozaun.
Dieses System soll tatsächliche Zäune – sei es nun Stacheldraht oder Elektrozaun – überflüssig machen. Landwirte müssen nicht einmal mehr in die Nähe ihrer grasenden Herde kommen, denn die Steuerung erfolgt per Smartphone.
Positiver Nebeneffekt: Wildtiere werden nicht mehr durch Stacheldraht- oder Elektrozaun gestört. Auch im touristischen Bereich könnten derartige Systeme nützlich sein, denn Wanderer könnten über Weidevieh in ihrer Umgebung benachrichtigt werden.
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2 Tage Training für die Kuh
Voraussetzung für das Halter-System sind Funkmasten, die per LoRaWAN mit den Halsbändern kommunizieren. Sie sind ebenfalls solarbetrieben und können laut Halter einfach installiert werden. Einer davon kann je nach Terrain etwa einen Radius von 8 Kilometern abdecken.
Als Nächstes müssen die Kühe trainiert werden, was etwa ein bis 2 Tage dauert. Ist das geschafft, erhält ein durchschnittliches Rind weniger als 2 Minuten täglich Töne oder Vibrationen vom Halsband.
Die Halsbänder zeichnen auch das Verhalten, die Körpertemperatur und den Fruchtbarkeitszyklus der Tiere auf. So können aus der Ferne Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand des Tiers gezogen werden. Kranke Kühe können mit der App einfach vom Rest der Herde getrennt werden.
Landwirte sollen Kosten sparen
In Neuseeland, Australien und den USA hat Halter nach eigenen Angaben schon eine Million Halsbänder an über 2.000 Betriebe verkauft. Allein in den USA seien seit 2024 schon fast 100.000 Kilometer virtueller Zäune angelegt worden. Das System eignet sich sowohl für Milch- als auch Mastbetriebe.
Weil Landwirte präzise kontrollieren können, wo ihre Herden grasen, könne die Produktivität ihrer Flächen um 20 Prozent gesteigert werden, erklärt Gründer Craig Piggott gegenüber TechCrunch. Auch Personalkosten könnten gespart werden.
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Ein Abo für jede Kuh
Die Funkmasten sind eine einmalige Investition, dazu kommen monatliche Abogebühren für jedes einzelne Halsband. In Neuseeland kostet ein Mast etwa 7.800 neuseeländische Dollar (umgerechnet etwa 3.800 Euro).
Ein Halsband pro Monat 9,90 neuseeländische Dollar (4,90 Euro), wie Forbes berichtet. Die Preise sind dabei auch abhängig von der Größe eines Betriebs.
Rechtliche Lage
Halter will gegen Ende des Jahres nach Großbritannien und Irland expandieren. Auch Südamerika und weitere europäische Länder hat das neuseeländische Unternehmen als mögliche Märkte im Blick.
Die Rechtslage zu virtuellen Zäunen in der EU ist allerdings uneinheitlich, viele Staaten haben Tierschutz-Bedenken. Schweden und Dänemark wollen sie bald legalisieren, wie es bei Euronews heißt. In Österreich wurden derartige Systeme bisher nur in Pilotprojekten getestet.