Iran trifft F-35 Stealth-Fighter mit Rakete: Ist das Video echt?
Die F-35 war bisher „untouched“, obwohl sie schon einige Kampfeinsätze geflogen hat: für die Air Force, Marines, Navy, die israelischen Streitkräfte und Großbritannien. Trotzdem wurde bislang keiner der Stealth-Fighter durch feindlichen Beschuss beschädigt.
Diese seit der ersten Indienststellung im Jahr 2015 anhaltende Strähne dürfte jetzt vorbei sein. Der Iran hat ein Video veröffentlicht, das vermeintlich zeigt, wie eine F-35 von einer Rakete getroffen wird.
Ist das Video echt?
Seit dem Beginn der Angriffe von den USA und Israel auf den Iran, wurden KI-generierte Videos veröffentlicht, die angeblich im Auftrag des iranischen Regimes angefertigt wurden. Diese zeigen die Zerstörung von amerikanischen Flugzeugträgern, Kampfjets und israelischen Städten. Daher gibt es Zweifel, ob dieses vom Iran veröffentlichte Video des F-35-Treffers echt ist.
Ein Hinweis auf ein KI-generiertes Video sei demnach, dass es nur 6 Sekunden dauert, was eine übliche Länge für KI-Slop sei. KI-Generatoren können aber mittlerweile weit längere Videos anfertigen als nur 6 Sekunden. Zudem würde man meinen, dass, wenn es ein KI-Video wäre, die Zerstörung spektakulärer wäre und Trümmer vom Himmel regnen würden.
Das Video hört aber kurz nach dem Einschlag der Rakete auf. Ist auch das ein Hinweis auf einen Fake? Nein, sondern nur, dass mit dem Beschuss nicht der gewünschte Propaganda-Effekt erzielt wurde. Im letzten Frame des Videos sieht man nämlich, dass die F-35 weiterfliegt und nicht in 1.000 Fetzen zerspringt.
Die F-35 fliegt direkt nach dem Einschlag weiter
© Screenshot/Iran
USA bestätigen Notlandung von F-35
Das deckt sich mit der offiziellen Aussage der US-Streitkräfte zu dem Vorfall, wie CNN berichtet. Laut dem US Central Command musste eine F-35A der US Air Force auf einem US-Militärflugplatz im Nahen Osten notlanden, nach einem Kampfeinsatz über dem Iran. Das Flugzeug sei sicher gelandet, der Pilot im „stabilen Zustand“.
Ein Beschuss wurde nicht erwähnt, nur dass der „Vorfall untersucht wird“. Dass der Pilot aber im „stabilen Zustand“ ist und nicht „unverletzt“ könnte ein Hinweis darauf sein, dass er durch den Einschlag verletzt wurde. Jedenfalls ergibt dies, zusammen mit dem Video des Iran, einen deutlichen Hinweis darauf, dass tatsächlich eine F-35 beschossen wurde, aber beschädigt weiterfliegen konnte.
Ist die Infrarotaufnahme zu hell?
Eine andere Vermutung vieler User, warum das Video ein Fake sein könnte, ist die Qualität der Wärmebildaufnahme. Die Bildqualität ist zu gut, wird da etwa gesagt, weil man die F-35 zu genau erkenne. Für die Authentizität spricht, dass die Huthis in der Vergangenheit ein Video von der Zerstörung einer MQ-9 Reaper veröffentlicht haben, das sehr ähnlich aussieht.
Ebenfalls verdächtig sei für die User, dass die F-35 auf der Wärmebildaufnahme genauso hell ist, wie die Abgase des Triebwerks. In diesem Modus des Infrarotbilds würde dies laut ihnen bedeuten, dass die F-35 weit über 500 Grad heiß wäre, was sie nicht lange aushalten würde.
Allerdings macht es einen Unterschied, welcher Punkt für die Messung des Wärmebilds herangezogen wird. Denn Wärmebild zeigt immer Temperaturunterschiede an und stellt diese farblich dar – in diesem Fall: Weiß ist heiß, Grau ist kalt. Wird auf die F-35 „fokussiert“, ist die vor dem Himmel das heißeste Objekt, also grellweiß. Selbst, wenn der Abgasstrahl dahinter heißer ist, kann der nicht noch weißer dargestellt werden. Gerade bei der Flugabwehr ist es sinnvoll, das so zu machen, weil man ja das Flugzeug deutlich sehen und erfassen will und nicht den Abgasstrahl.
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Wie es aussieht, wenn man das nicht macht, ist ebenfalls im letzten Frame des Videos zu erkennen. Das Infrarotbild hat hier auf die Explosion, bei der deutlich mehr Hitze entstanden ist, „fokussiert“. Die heißen Gase sind grellweiß, dann sieht man den Abgasstrahl in Weiß. Die F-35 ist eher hellgrau und nicht mehr so gut vor dem dunkelgrauen Himmel zu erkennen. Das zeigt, dass ihre Infrarot-Beschichtung eigentlich gut funktioniert. Sieht man noch genauer hin, ist die Spitze der F-35 wärmer, weil dort durch die Luftreibung mehr Hitze entsteht.
Letzter Frame im Video: Die Infrarotdarstellung "fokussiert" auf einen anderen Hitzepunkt (die Explosion), weshalb die F-35 korrekt dunkler (kälter) erscheint als der Abgasstrahl.
© Screenshot/Iran
Mögliche Beschädigung erkennbar
Interessant ist, dass neben dem Abgasstrahl ein zweiter Strahl zu sehen ist und eine erhöhte Wärmesignatur im hinteren Bereich der rechten Tragfläche. Dies könnte auf einen Schaden in diesem Bereich hindeuten und womöglich einen Brand.
Im letzten Frame des Videos ist ein zweiter "Strahl" zu erkennen.
© Screenshot / Iran
Denkbar ist, dass ein Fragment/Splitter der Rakete einen der Tanks getroffen hat, aus dem Treibstoff ausgetreten ist, der sich entzündet hat. Die F-35 hat, wie fast alle Kampfjets, speziell beschichtete Tanks, die sich kurz nach dem Leckschlagen selbst verschließen.
Auch ein kleiner Brand kann so wieder ausgehen, bevor er sich ausbreitet, weil er vom brennbaren Material abgeschnitten wird. Die F-35 hätte es also, trotz des Einschlags, zum nächsten Flugplatz schaffen und dort landen können.
Das Argument, dass das Video fake ist, weil die Explosion viel zu groß ist für eine Luftabwehrrakete dieser Größe, ist nicht valide. Auf Wärmebildaufnahmen sehen Explosionen immer viel größer und dramatischer aus als auf normalen Aufnahmen, was an den heißen Gasen liegt, die sich ausbreiten.
Kann der Iran überhaupt eine F-35 treffen?
Luftabwehrsysteme nutzen üblicherweise 2 Zieltechniken: Radar und/oder Infrarot. Ein Radar sendet Radarstrahlen aus. Die werden von Objekten zurückgeworfen und vom Radar wieder aufgefangen. Dadurch weiß man, wie weit das Objekt entfernt ist und wie groß es ist. Stealth-Kampfjets und -Bomber sind so gebaut, dass möglichst wenig Radarstrahlen zurückgeworfen werden. Damit sind sie quasi unsichtbar für das Radar.
Der Nachteil von Radar ist: Die Strahlung lässt sich aufspüren. Es gibt eigene Raketen, die automatisch Radarstrahlungsquellen ansteuern, wie etwa die amerikanische AGM-88 HARM.
Zudem können Radare durch elektronische Kriegsführung gejammt werden, indem sie mit Signalen auf den Frequenzbändern „beschossen“ und somit überlastet werden – sie „sehen“ dadurch nichts mehr. Man kann deshalb davon ausgehen, dass der Iran viele seiner radarbasierten Luftabwehranlagen bereits verloren hat oder sie während der US-Luftangriffe nur eingeschränkt nutzbar sind.
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Da das Video ein Infrarotbild zeigt, könnte das bedeuten, dass auch eine Rakete mit Infrarotsuchkopf („hitzesuchend„") verwendet wurde und nicht mit Radarsuchkopf. Dagegen hilft die Infrarot-Beschichtung einer F-35 nur wenig, weil sie nicht perfekt funktioniert und die Rakete ohnehin den heißesten Punkt anvisieren kann, in dem Fall den Abgasstrahl direkt bei der Düse des Triebwerks. Luftabwehrraketen explodieren üblicherweise einige Meter vor dem Ziel und stoßen dabei trichterförmig Splitter aus, um die Trefferwahrscheinlichkeit zu erhöhen, selbst wenn das Flugzeug Ausweichmanöver fliegt.
Warum ist die F-35 nicht ausgewichen?
Ein weiterer Grund, warum die Echtheit des Videos angezweifelt wird: Die F-35 scheint nicht zu manövrieren und keine Gegenmaßnahmen einzuleiten, wie etwa das Ausstoßen von Täuschkörpern. Das ist tatsächlich ein spannender Aspekt, da die F-35 eigentlich das AN/AAQ-37 Distributed Aperture System (DAS) an Bord hat. Dieses nutzt 6 Infrarotsensoren, die rund um die Maschine befestigt sind, um anfliegende Raketen aus allen Richtungen aufzuspüren, zu verfolgen und dem Piloten einen Hinweis zu geben, wann er Täuschkörper ausstoßen soll.
Das System soll so gut sein, dass es sogar den Start von ballistischen Raketen in 1.300 km Entfernung erkennt und das Abfeuern einer Panzerkanone am Boden. Es hätte also die anfliegende Rakete erkennen müssen.
Hier kann nur spekuliert werden, was schief gegangen ist. Vielleicht war das System defekt. Vielleicht hat der Pilot die Warnung nicht ernst genommen, weil zuvor im Laufe des Kampfeinsatzes mehrere Fehlalarme ausgelöst wurden. Möglich ist auch, dass der Pilot nicht genügend Zeit hatte, um rechtzeitig zu reagieren, weil er sehr tief geflogen ist.
Welche Waffe könnte der Iran genutzt haben?
Bei rein auf Infrarot-basierenden Luftabwehrsystemen gibt es keine Vorwarnung, da die meist rein passiv funktionieren: Sie erfassen die Infrarotstrahlung, senden aber nichts aus, im Gegensatz zu Radar. Daher kann die Gefahr erst mit dem Start der Rakete erkannt werden.
Ein Beispiel: Irans Majid AD-08 verschießt Raketen mit einer Reichweite von bis zu 8 km und einer maximalen Flughöhe von bis zu 6 km. Ist die F-35, aus welchen Gründen auch immer, nur 5 km hoch statt in der üblichen Höhe von 10 km geflogen, wäre sie in Reichweite. Die Rakete fliegt mit Mach 2 (2.469,6 km/h). Geht man von einer diagonalen Flugbahn der Rakete aus, würde sie die F-35 in 7 km Entfernung in 10 Sekunden erreichen, was noch genug Zeit zum Reagieren wäre. Bei weniger Flughöhe und Entfernung sinkt die Zeit natürlich: Bei 3 km Distanz wären es nur noch 4,4 Sekunden, bei 1,5 km 2,2 Sekunden.
Fliegt die F-35 entsprechend tief, hätte sie sogar mit einem MANPAD beschossen werden können, also einen Luftabwehrsystem, das von Infanteristen transportiert werden kann. Hier käme etwa die von der Schulter abgefeuerte Misagh-3 infrage.
Start einer Misagh-Rakete
© Tasnim News Agency
Die iranische Rakete mit Infrarotsuchkopf hat eine Reichweite von 6 km und eine maximale Flughöhe von 5 km. Ihre Geschwindigkeit beträgt Mach 2,88, also knapp 1 km/s. Der Beschuss mit einem MANPAD könnte den scheinbar eher geringen Schaden erklären. Zwischen Oktober 2010 und 2011 haben die USA die in der Entwicklung befindliche F-35 zu Testzwecken mit MANPAD-Raketen beschossen. In dem dazugehörigen Video ist zu sehen, dass der Einschlag keinen großen Schaden verursacht hat, bei dem Teile weggesprengt wurden.
Ist eine Radaraufschaltung trotz Stealth möglich?
Ein Treffer mit einem radarbasierten System kann nicht ausgeschlossen werden. 1999 haben etwa serbische Streitkräfte einen amerikanischen Stealth-Jet F-117A mit einem russischen Flugabwehrsystem aus den 1960er-Jahren abgeschossen. Die F-117A flog in 8 km Höhe und die USA dachten, dass die Tarnkappeneigenschaften sie immun gegen die veralteten Luftabwehrsysteme machen würden.
Im Falle des Iran könnte der womöglich einige seiner Lkw-basierten Flugabwehrsysteme bisher versteckt gehalten haben. Diese könnten erst kürzlich aus einer Höhle oder einem Bunker hervorgeholt worden sein. Damit sie nicht gleich anvisiert werden, könnte deren Radar erst eingeschalten worden sein, nachdem die F-35 durch ein Infrarotsystem erfasst wurde.
Denkbar wäre etwa der Einsatz von einem Khordad 15. Dieses soll Stealth-Flugzeuge auf einer Entfernung von bis zu 45 km bekämpfen können. Die Radar-Zielaufschaltung und der Raketenabschuss hätten aber von den Systemen der F-35 bemerkt werden müssen.
Was genau passiert ist, könnte womöglich erst nach Tagen, Wochen oder sogar Monaten bekannt gegeben werden, wenn ein ausführlicher Bericht der US Air Force vorliegt – falls dieser nicht aus Sicherheitsgründen geheim gehalten wird. Dann sollte es auch Fotos geben, die den Schaden an der F-35 zeigen.