Iron Fist beschützt Panzer vollautomatisch vor Drohnen und Raketen
Der Krieg in der Ukraine hat den einstigen Königen des Schlachtfelds einen gewaltigen Reality Check verpasst. Kampfpanzer werden regelmäßig von FPV-Drohnen (First Person View) zerstört. Oft sind das handelsübliche Multicopter, die für ein paar Hundert Dollar gekauft und mit improvisierten Sprengsätzen zu Kamikazedrohnen gemacht werden.
Die Rüstungsindustrie reagiert auf die neue Bedrohung mit unterschiedlichen Herangehensweisen. Eine der Vielversprechendsten ist, bestehende aktive Abwehrsysteme (APS) so umzubauen, dass sie nicht nur Raketen und Geschosse abfangen, sondern auch Drohnen. Das hat jetzt der israelische Rüstungskonzern Elbit gemacht.
Das APS von Elbit heißt international Iron Fist. Der hebräische Name lautet Hetz Dorban, was sich wörtlich als Stachelschwein-Pfeil übersetzen lässt. Üblicherweise besteht ein Iron-Fist-System aus mindestens 2 Startvorrichtungen, die am Turm von Panzern oder am Dach von Fahrzeugen befestigt sind. Die Starter sind dreh- und schwenkbar und haben jeweils 2 Schuss.
Ein Eitan mit Iron Fist. Einer der Starter ist hinten am Panzer zu sehen.
© Elbit
Über AESA-Radars und Infrarotsensoren werden anfliegende Bedrohungen, wie Raketen, Geschosse und jetzt eben auch Drohnen, erkannt. Der Bedrohung wird die Abfangladung entgegengeschossen, die einen hochexplosiven Gefechtskopf hat. Der explodiert möglichst nahe am Ziel, um es zu zerstören. Im Falle eines panzerbrechenden Pfeils eines APFSDS-Projektils, wird dieser deformiert, dadurch abgelenkt und abgeschwächt, damit er die Panzerung des Fahrzeugs nicht mehr durchschlagen kann.
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Iron Fist wirksam gegen Top-Attacks?
Elbit hat keine technischen Details zu den Abwehrfähigkeiten gegen Drohnen genannt. Anhand der Aufnahmen im Video sieht es so aus, dass die Drohnen maximal aus einem 45-Grad-Winkel angreifen. Fahrende Panzer werden in der Ukraine häufig aus flachen Winkeln angegriffen, könnten also abgefangen werden.
Allerdings können auch Drohnen direkt von oben angreifen und das Dach des Turms ist bei Panzern oft die am schwächsten gepanzerte Stelle. Zudem werden mit Drohnen Sprengladungen von oben abgeworfen, etwa wenn ein abgestellter Panzer entdeckt wurde.
Da Elbit in dem Video nicht die Abwehr einer Drohne direkt über dem Turm zeigt, muss man davon ausgehen, dass dies aus so großen Winkeln nicht möglich ist. Das wirft auch die Frage auf, ob Panzerabwehrwaffen mit Top-Attack-Funktion von Iron Fist abgefangen werden können. Der Javelin kann beispielsweise in diesem Modus die 45 Grad übersteigen, ebenso wie die israelische Spike LR2.
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China hat mit dem HJ-12 ein Gegenstück zum Javelin, das ebenfalls Top-Attacks beherrscht.
Trophy APS
Rafael, ebenfalls aus Israel, hat schon 2024 angekündigt, dass sein APS mit der Fähigkeit nachgerüstet wurde, Drohnen abzuwehren. Trophy gilt als kampferprobt, da es schon seit 2010 bei der israelischen Armee eingesetzt wird.
Auch hier ist nicht klar, inwiefern Top-Attacks und hochfliegende Drohnen abgewehrt werden können. Rafael spricht lediglich von einem „hohen Winkel“. Ebenso ist unbekannt, ob bestehende Trophy-Systeme mit der Drohnenabwehrfunktion nachgerüstet werden können oder ob ein umfangreicherer Hardware-Austausch nötig ist.
Bei Trophy wird kein explosiver Gefechtskopf Richtung Ziel geschossen, sondern eine Richtladung gezündet. Diese erzeugt aus der davor liegenden Metallplatte Splitter, die dem Ziel entgegengeschleudert werden, um es zu zerstören.
Trophy für Kampfpanzer, Iron Fist für Schützenpanzer
In Konkurrenz zueinander stehen Elbit und Rafael mit ihren APS nur auf dem Papier. Denn sie teilen sich derzeit den Markt auf. Trophy kommt vorrangig (aber nicht ausschließlich) bei Kampfpanzern zum Einsatz, während Iron Fist primär für Schützenpanzer und andere Fahrzeuge genutzt wird.
Die deutsche Bundeswehr setzt etwa beim Leopard 2A71 und beim kommenden 2A8 auf Trophy. Einige M1 Abrams der USA haben schon 2021 Trophy bekommen, die Briten werden beim Challenger 3 dieses APS nutzen.
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Leopard 2 A7A1
© Bundeswehr/Volker Muth
Iron Fist wird bei der US Army gerade in einige Schützenpanzer M2A4 Bradley integriert und in die neueren M2A4E1-Varianten. Die Niederlande statten den CV90 mit Iron Fist aus, Israel den Eitan.
Ferngesteuerte Waffenstationen
Schon vor dem Ukraine-Krieg hat sich abgezeichnet, dass APS zur Standardausstattung von Kampfpanzern und Schützenpanzern wird. Mittlerweile werden die meisten Panzer schon so designt, dass diese Systeme bestmöglich integriert werden.
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Ein weiterer Trend sind ferngesteuerte Waffenstationen. Diese befinden sich am Dach bzw. Turm und werden aus dem Innern gesteuert, unabhängig von der Ausrichtung des Turms. Da die Zielerfassung ohnehin mit Kameras bzw. elektronischen Zielvorrichtungen und Sensoren erfolgt, arbeiten mehrere Rüstungsunternehmen an Drohnenabwehrmodi.
Maschinengewehre oder Maschinenkanonen in solchen Waffenstationen könnten dann automatisch anfliegende Drohnen erfassen und bekämpfen. Der Vorteil dabei ist, dass sie mehr Munition als APS und mehrere Hundert Meter Reichweite haben.
Allerdings müssen sich solche Systeme erst als zuverlässig bewähren. So besteht etwa die Gefahr, dass falsche Ziele erkannt oder die Drohnen von Verbündeten abgeschossen werden, die eigentlich in 100 Meter Entfernung vorbeifliegen, um das Gebiet für die Panzerkolonne aufzuklären.