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Russisches Rodeo: Maschinengewehr dreht durch und schleudert Soldaten durch die Luft

Not macht erfinderisch – gilt auch im Kriegsgebiet. Schnell wechselnde Situationen und zu langsamer Nachschub sorgen in Konflikten für improvisiertes Kriegsgerät. Gerade im Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine haben beide Seiten ungewöhnliche Konstrukte hervorgebracht, vom Wasserbombenwerfer an Land bis zum Schildkrötenpanzer.

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Dass nicht jede Erfindung eine gute ist, zeigt ein kurioses Video, das gerade die Runde macht. Darin dreht ein Maschinengewehr buchstäblich durch.

Der Soldat betätigt den Abzug und das Maschinengewehr beginnt sich beim Feuern zu drehen. Der Soldat versucht sich festzuhalten und lässt dabei den Abzug gedrückt. Ein zweiter Soldat hinter ihm duckt sich gerade noch rechtzeitig. Schließlich schleudert das Geschütz den Soldaten weg.

Verletzt wurde bei dieser Aktion anscheinend niemand. Zumindest gibt es eine Version des Videos mit Untertiteln, laut denen alle Beteiligten das Unglück überstanden haben, sofern die Übersetzung korrekt ist. Nur der Kamaz-Lkw, auf dem das Maschinengewehr montiert ist, dürfte Schaden davongetragen haben.

Rotierende Läufe erzeugen Momentum

Das Maschinengewehr ist ein JakB-12,7 (YakB-12.7 in englischer Schreibweise). Dabei handelt es sich um eine Gatling Gun mit 4 Läufen. Die Läufe rotieren und schießen abwechselnd, nicht gleichzeitig. Während die Läufe rotieren, wird der typische Ablauf eines Maschinengewehrs, Laden-Schießen-Auswerfen, nicht hintereinander, sondern gleichzeitig ausgeführt.

Das ermöglicht weit höhere Feuerraten als bei üblichen Maschinengewehren. Die JakB-12,7 kommt auf etwa 4.000 bis 5.000 Schuss pro Minute, also bis zu 83 Schuss pro Sekunde. Weil 4 Läufe vorhanden sind, die sich die Schussbelastung untereinander aufteilen, überhitzen sie, trotz der enormen Feuerrate, nicht so schnell.

Das Rotieren der Läufe erzeugt Momentum. Da die JakB-12,7 das Kaliber 12,7 × 108 mm nutzt, müssen die Läufe entsprechend dick und schwer sein: Hier bewegt sich also viel Masse. Außerdem hat das Kaliber einen ordentlichen Rückstoß – es ist das russische Gegenstück zu 12,7 mm NATO, auch bekannt als .50 BMG. Das Kaliber wird nicht nur für Maschinengewehre, sondern auch für schwere Scharfschützengewehre genutzt.

Ein Projektil von 12,7 × 108 mm wiegt zwischen 48 und 59 Gramm. Rechnet man mit 55 Gramm, werden pro Sekunde 4,5 Kilogramm Projektilgewicht verschossen. Zum Vergleich: Bei der M134 Minigun im Kaliber 7,62 NATO, deren justierbare Feuerrate üblicherweise auf 3.000 Schuss pro Minute eingestellt ist, sind das 0,5 Kilogramm an Projektilen pro Sekunde. Bei JakB-12,7 ist es also das 9-fache.

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M134 Minigun

Enorme Rückstoßkraft

Die Rückstoßkraft, die eine Gatling Gun erzeugt, ist aber weit größer als die Summe der Geschossgewichte. Bei der Minigun sind es, je nach Schussrate, zwischen 67 und 85 Kilogramm, die entstehen. Man muss also schon ein T-800 sein, um wie im Film Terminator 2 die Minigun aus der Hand abfeuern zu können. Selbst auf einer stabilen Lafette sieht man, wie das anfängliche Momentum die Minigun zur Seite drückt:

Die M61 Vulcan im Kaliber 20 mm (sie ist der Grund, warum die Minigun als „Mini“ bezeichnet wird) verschießt üblicherweise Projektile mit einem Gewicht von etwa 100 Gramm. Die Rückstoßkraft liegt, bei 4.000 Schuss pro Minute, bei etwa 968 Kilogramm. Welche Wucht das ist, sieht man in diesem Video, in dem ein modifizierter Toyota Prius mit einer M61 am Dach einen kurzen Feuerstoß abgibt:

Die JakB-12,7 ordnet sich beim Rückstoß zwischen M134 und M61 ein. Auch bei einer stabileren Lafette und kurzen Feuerstößen sieht man, wie Rückstoß und Momentum wirken:

Spott und Memes

Und weil anscheinend der Soldat nicht darauf vorbereitet war und ein Idiot ist, der den Abzug gedrückt hält, obwohl er die Waffe nicht kontrollieren kann, kommt es zum Maschinengewehr-Kreisel. In den sozialen Netzwerken gibt es Häme und Spott dafür. „Russisches Rodeo ist das neue russische Roulette“ wird etwa geschrieben und es werden Memes gepostet.

JakB-12,7 gehört zum Mi-24 Hind

Die JakB-12,7 hat am Boden eigentlich nichts verloren. Sie wurde für den Kampfhubschrauber Mi-24 Hind entwickelt. Dort befindet sie sich in einer schwenk- und drehbaren Aufhängung unter der Nase.

Bei späteren Modellen des Mi-24 wurde sie durch die GSh-23 ersetzt. Das ist eine Zwillingskanone im Kaliber 23 × 115 mm. Die hat zwar eine etwas geringere Feuerrate (ca. 3.400 Schuss pro Minute), aber mehr Durchschlagskraft gegen leicht gepanzerte und befestigte Ziele.

GSh-23 eines Mi-35 (Exportversion des Mi-24)

Mobile Luftabwehr

Dass die JakB-12,7 auf einem Kamaz-Lkw gelandet ist, auf einer scheinbar unzureichend stabilisierten Lafette, ist der mangelnden Ausrüstung der russischen Armee geschuldet. Das Video soll bei einem Training einer „Mobile Fire Group“ entstanden sein. Diese Einheiten sollen russische Lkw begleiten, bzw. an neuralgischen Verkehrspunkten positioniert werden, um ukrainische Drohnen zu zerstören.

Die Ukraine hat in den vergangenen Monaten versteckt begonnen, mit Mittelstreckendrohnen die russischen Versorgungslinien anzugreifen. Dazu werden Lkw im besetzten Gebiet und im russischen Gebiet zerstört. Bisher scheint die russische Armee kein geeignetes Mittel gefunden zu haben, um diese Angriffe abzuwehren – das Maschinengewehr-Rodeo wird vermutlich nichts daran ändern.

Wird die JakB-12,7 korrekt montiert, kann sie aber zumindest für Feuerstöße zur Luftabwehr genutzt werden. In diesem Video sieht man, wie das Maschinengewehr auf einer vernünftigen Lafette mit einem zusätzlichen Dämpfer ausgestattet wurde.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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