Minigun
100 Schuss pro Sekunde: US-Streitkräfte vereinheitlichen legendäre Minigun
Spätestens seit den Filmen Predator (1987) und Terminator 2 (1991) ist sie Teil der Popkultur: die M134 Minigun. Sogar der für gewöhnlich Schusswaffen-ablehnende Batman hatte im gleichnamigen Film von 1989 das 6-läufige Maschinengewehr in seinem Batwing installiert.
Den Beinamen Minigun hat sie, weil sie eine „Mini-Version“ der M61 Vulcan ist. Die M61 hat das Kaliber 20 mm und wurde für Flugzeuge gebaut.
Die Minigun hat das Kaliber 7,62x51 mm, das etwa auch bei Sturmgewehren, wie dem Stg58 und G3, genutzt wird.
Bei den US-Streitkräften wurde die Minigun 1963 in Dienst gestellt. Sie ist bis heute bei der Army, Air Force, Navy und den Marines im Einsatz. Dabei sind im Laufe der Zeit mehrere Varianten und Versionen entstanden, wie die GAU-2, GAU-2B/A, GAU-17, GAU-21, usw. Das soll jetzt alles vereinheitlicht werden.
Minigun
© US Navy
GAU-24/A
Dieser Plan geht aus einer formellen Anfrage des Naval Air Systems Command (NAVAIR) für die GAU-24/A hervor, die vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde. Darin ist zu lesen: „Die GAU-24/A soll der Ersatz für alle M134-basierten Waffen werden, die derzeit von den US-Streitkräften genutzt werden.“
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Rüstungskonzerne können jetzt ihr Interesse an dem Auftrag bekunden. Und dieser Auftrag dürfte lukrativ sein: Allein die US Army soll über 9.000 Miniguns haben, eine genaue Anzahl ist nicht bekannt.
Laut NAVAIR wird man anhand der Rückmeldungen der Rüstungskonzerne entscheiden, wie die Beschaffungsstrategie der GAU-24/A aussehen soll. Die Unternehmen müssen jedenfalls in der Lage sein, innerhalb von 12 Monaten 5 Stück der neuen Minigun zu liefern, damit diese getestet werden kann. Die Testphase soll 2027/2028 beginnen und könnten laut NAVAIR 36 bis 60 Monate dauern.
Kostenersparnis durch vereinfachte Logistik
Offen ist, ob tatsächlich nur komplett neue Miniguns angeschafft werden sollen, oder ob ein möglicher Auftrag auch Nachrüstkits vorsieht, um ältere Varianten auf den neuen Standard GAU-24/A zu bringen. Letzteres könnte zwar Geld sparen, ist aufgrund der vielen Minigun-Varianten aber womöglich schwierig umzusetzen, weil nicht ein Nachrüstkit mit allen Versionen kompatibel ist, sondern mehrere verschiedene Nachrüstkits geplant und produziert werden müssten.
Wartungsarbeiten an einer Minigun
© US Army
Das Ziel der Vereinheitlichung ist eine Vereinfachung der Logistik und damit verbundene, zukünftige Kostenersparnis. Denn obwohl alle Miniguns optisch fast gleich aussehen und dasselbe Funktionsprinzip haben, sind nicht alle Komponenten untereinander austauschbar.
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Neben den Versionsunterschieden kommt noch hinzu, dass in den vergangenen 60 Jahren weitere Hersteller für die Minigun hinzugekommen sind. Ursprünglich wurde sie nur von General Electric gebaut, dann kamen Dillon Aero, Garwood Industries und Profense hinzu. Jeder der Hersteller hat Verbesserungen und damit Änderungen am ursprünglichen Design vorgenommen.
Warum die Minigun 6 Läufe hat
Die Minigun hat 6 Läufe, die rotieren. Sie schießt immer nur aus einem Lauf, nicht aus mehreren gleichzeitig. Geschossen wird aus dem Lauf, der in der Rotation die oberste Position (12 Uhr) erreicht. Durch die 6 Läufe sind hohe Feuerraten möglich, ohne, dass die Läufe dadurch zu heiß und permanent beschädigt werden. Bei einer Feuerrate von 3.000 Schuss pro Minute ist jeder Lauf nur mit einer Feuerrate von 500 Schuss pro Minute belastet – das ist weniger als moderne Maschinengewehre, die nur einen Lauf haben.
Minigun
© US Army
Die multiplen Läufe sind zudem der Grund, warum überhaupt so eine hohe Feuerrate möglich ist. Der typische Ablauf Laden-Schießen-Auswerfen findet nämlich bei der M134 nicht hintereinander, sondern gleichzeitig statt. Aus einem Lauf wird geschossen, 2 sind in den verschiedenen Phasen der Extraktion der Patronenhülse und 3 sind in den unterschiedlichen Ladephasen.
In der regulären Variante wiegt die Minigun 39 kg. Die Läufe sind 560 mm (22 Zoll) lang. Die maximale effektive Reichweite wird durch das Kaliber 7,62 NATO vorgegeben und liegt bei etwa 1.000 Metern.
Die Feuerrate kann von 2.000 bis 6.000 Schuss pro Minute eingestellt werden, was bis zu 100 Schuss pro Sekunde sind. Je schneller der elektrische Motor die Läufe dreht, desto höher die Feuerrate. Zum Vergleich: Reguläre 7,62-Maschinengewehre haben meist Feuerraten zwischen 550 und 950 Schuss pro Minute (9 bis 16 Schuss pro Sekunde).
Minigun
© US Marines
Handheld-Minigun gibt es nur im Film
Üblicherweise wird bei aktuelleren Minigun-Versionen die Schussrate auf 3.000 Schuss pro Minute im Einsatz beschränkt. Das erzeugt übrigens eine Rückstoßkraft von etwa 80 kg. Man müsste also schon ein echter T800 sein, um, wie im Film, ohne mit der Wimper zu zucken locker-flockig die M134 aus der Hand abzufeuern.
Diese Handversionen der Minigun sind deshalb nur Fiktion. Es gibt zwar das Tragegestell mit dem Handauslöser, das dient aber nur für das Servicepersonal, um die Funktion des Motors (ohne Munition) zu testen. Üblicherweise ist die Minigun in Stellungen, auf Fahrzeugen, Booten, Schiffen und Hubschraubern montiert.
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Diese Vielseitigkeit und Leistungsfähigkeit sorgt dafür, dass die Minigun weltweit beliebt ist. Auch Österreich gehört zu den 46 Ländern, die Varianten der M134 im Einsatz haben. Beim Bundesheer kann bei Bedarf damit der Hubschrauber OH-58 Kiowa bewaffnet werden.
Anforderungen an die GAU-24/A
Mit den Plänen für die GAU-24/A dürfte klar sein, dass die Minigun, auch nach 60 Jahren, noch nicht zum alten Eisen gehört. Welche Leistungskriterien die neue GAU-24/A erfüllen soll, ist noch nicht bekannt. Die Feuerrate wird vermutlich justierbar von 2.000 bis 4.000 Schuss pro Minute sein, könnte aber alternativ auf 3.000 Schuss pro Minute beschränkt werden, da sich das als Standard bei den US-Streitkräften etabliert hat.
Die verwendeten Materialen müssen gegen Korrosion durch Salzwasser geschützt sein. Bei neueren Varianten der Minigun konnte das Gewicht von 39 kg auf 19 kg reduziert werden. Vermutlich wird deshalb für die GAU-24/A ebenso ein Maximalgewicht von 19 kg gefordert sein.
Ebenso dürfte sich die geforderte Langlebigkeit der GAU-24/A an den neueren Varianten orientierten. Bei der M134D-H beträgt die Lebensdauer des Gehäuses 1,5 Millionen Schuss. Das Laufbündel mit allen 6 Läufen wird üblicherweise nach etwa 180.000 Schuss getauscht – das entspricht einer Schussbelastung von etwa 30.000 Schuss pro Lauf.
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