Chinesischer Soldat mit Sturmgewehr, Schrotflinte, Raketenwerfer und Drohne auf einem Übungsplatz.

Chinesischer Soldat, bis an die Zähne bewaffnet

© Weibo
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Militärtechnik

Chinas „Super-Soldat” sorgt für Spott

Sturmgewehr? Check. Schrotflinte? Check. Raketenwerfer? Check. Aufklärungsdrohne? Check. Der Spott im Internet, weil man besser ausgerüstet ist als so mancher Videospiel-Charakter? Check.

Das Foto, das vor allem in chinesischen Netzwerken wie Weibo und Douyin die Runden macht, schwappt jetzt auch auf X und Facebook über. Es zeigt einen jungen Soldaten der chinesischen Armee, der anscheinend für jede Art von Konfrontation ausgerüstet wurde.

Chinesischer Soldat mit Sturmgewehr, Schrotflinte, Raketenwerfer und Drohne auf einem Übungsplatz.

Chinesischer Soldat, bis an die Zähne bewaffnet

„Die chinesische Armee hat Loot-Boxen“

Chinesische User haben den Infanteristen scherzhaft zum „Super-Soldaten“ erklärt und machen sich über die Menge an Ausrüstung lustig. Häufig werden Vergleiche zu Videospielen gezogen, bei denen die Spielfigur oft unrealistisch viele Waffen trägt: „So sieht es aus, wenn man bei Free-to-play-Games für Extra-Ausrüstung zahlt“, ist da etwa zu lesen und: „Ich hoffe er hat genug Tasten frei, um alle Waffen schnell auswählen zu können.“ „Die chinesische Armee hat die Loot-Boxen gefunden“, kommentiert ein anderer User.

Auf den militärischen Aspekt bezogen gibt es Kommentare wie: „Das ist eine richtige Ein-Mann-Armee! Der kann alles alleine machen: Fernkampf, Nahkampf, Luftabwehr, Panzerabwehr und Aufklärung!“ „Alles, außer laufen“, antwortet ein User darauf. „Der muss doch nicht laufen. Schau mal auf seine Propeller am Rücken. Der hebt gleich ab!“, geht die nicht ernstgemeinte Diskussion weiter.

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Keine Pistole, aber alles andere

Die Hintergründe für die Über-Ausrüstung sind unklar. China präsentiert seine Soldaten zwar gern martialisch, aber so stark bewaffnet sind einzelne Männer üblicherweise nicht. Im Gegenteil: Chinas Armee verzichtet bei normalen Infanteristen meistens sogar auf Pistolen – auch der „Super-Soldat“ scheint keine dabei zu haben. Pistolen sind bei der chinesischen Armee hauptsächlich für Offiziere und Spezialtruppen vorgesehen.

Üblich ist zumindest, dass die Soldaten mit Raketenwerfern auch ein Sturmgewehr dabeihaben. Dass diese aber gleichzeitig eine Schrotflinte und Drohne am Mann haben, ist nicht Standard. Diese Bewaffnung und die damit verbundenen Aufgaben werden für gewöhnlich im Squad/Trupp aufgeteilt. Nicht nur, damit die Waffen, wenn nötig, schnell eingesetzt werden können, sondern weil sonst auch das Gewicht pro Person zu viel wird. Denn abgesehen von den Waffen muss auch noch die Munition und sonstige Ausrüstung getragen werden.

Sturmgewehr QBZ-191

Der „Super-Soldat“ hat ein Sturmgewehr QBZ-191 in der Hand, das ungeladen schon mal 3,4 kg wiegt. Ein volles 30-Schuss-Magazin kommt auf etwa 400 Gramm, wovon ein normaler Soldat meistens zumindest 5 Stück hat – also nochmal 2 kg dazu.

Die Schrotflinte QBS-09 wiegt ungeladen 3,45 kg. Schrotflinten werden bei Armeen nur noch selten für den Nahkampf verwendet. Stattdessen werden sie zum Aufschießen von Türen und zur Drohnenabwehr genutzt. Da die QBS-09 eine halbautomatische Schrotflinte ist, eignet sie sich zumindest theoretisch zur Drohnenabwehr.

Im Krieg in der Ukraine haben Soldaten schon öfters bewiesen, dass mit Schrotflinten Kamikazedrohnen auf kurze Distanz abgeschossen werden können. Allerdings erfordert dies Übung – oder Glück. Der Umstand, dass der Soldat auch noch 2 andere Waffen und eine Drohne tragen muss, dürfte sich nicht positiv auf das Hantieren mit einer Schrotflinte in einer Stresssituation auswirken, in der eine fliegende Sprengladung versucht, ihn zu rammen.

Raketenwerfer mit thermobarischer Ladung

Der Raketenwerfer ist, soweit erkennbar, ein PF-97, bzw. eine Variante davon. Der PF-97 ist eine Lizenzfertigung des russischen RPO-A Shmel. Dieser verschießt eine thermobarische Ladung, bei dessen Einschlag ein Feuerball mit enormer Hitze und eine hohe Druckwirkung entsteht.

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Durch die Explosion wird der Sauerstoff aus der unmittelbaren Umgebung aufgebraucht, wodurch eine Vakuumwirkung einsetzt. Dieser Unterdruck kann die Lunge derart schädigen, dass man an den Folgen ersticken kann. Geladen wiegt der PF-97 etwa 12 kg.

Die Quadcopter-Drohne am Rücken ist nicht identifizierbar. Anhand der Größe dürfte sie eher für die Aufklärung gedacht sein, es handelt sich also vermutlich nicht um eine Kamikaze-Drohne. Ob der „Super-Soldat“ auch die Steuerung für die Drohne im Gepäck hat, ist nicht zu sehen. Zumindest scheinen aber die 3 kleineren Taschen an der rechten Seite noch mit Handgranaten gefüllt zu sein und auch der Gasmaskenbehälter davor sieht gefüllt aus.

Ausfassen vor der Schießübung

Hinter der fotografierten Vollbeladung könnte eine Disziplinarmaßnahme stecken: Die Rekruten sollen mal ordentlich schleppen.

Ein chinesischer Soldat trägt Sturmgewehr, Schrotflinte, Raketenwerfer und Drohne bei einer Übung im Gebirge, während ein weiterer Soldat danebensteht.

Ein anderer Ausschnitt des Fotos (leider in geringer Auflösung), zeigt, dass die Aufnahme auf einem Schießstand bei einer Übung entstanden ist.

Eine andere Möglichkeit ist, dass das Foto zu Beginn eines Ausbildungstags entstanden ist. Die Soldaten haben hier noch die gesamte Ausrüstung am Mann, die sie für den Tag ausgefasst haben. Später wird mit den Waffen und der Drohne an den jeweils dafür vorgesehenen Stationen trainiert. Dass das Foto auf einem Schießstand entstanden ist, unterstützt diese Theorie. 

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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