Trümmer einer Geran-5
Geran-5: Russland bewaffnet Marschflugkörper mit Luft-Luft-Raketen
Russland vergrößert die Geran-Familie um eine neue Waffe: die Geran-5. Wie die Ukraine berichtet, wurde sie vor Kurzem zum ersten Mal eingesetzt.
Skizze einer Geran-5
© Ukrainisches Verteidigungsministerium
Optisch hat sie wenig mit der Geran-2 gemein, die ein russischer Nachbau der iranischen Shahed-136 ist.
Eine in Kiew ausgestellte Geran-2
© REUTERS / Valentyn Ogirenko
Statt der für die Geran-2 typische Deltaflügler-Form, hat die Geran-5 eine traditionelle Bauweise mit geraden Flügeln. Dadurch erinnert sie an Marschflugkörper wie etwa den amerikanischen Tomahawk.
Tomahawk Marschflugkörper
© US Navy
Auch die Länge ist ähnlich. Das ukrainische Verteidigungsministerium hat Trümmer einer abgestürzten Geran-5 analysiert. Demnach ist sie etwa 6 Meter lang (Tomahawk: 5,56 Meter), die Spannweite ist mit 5,5 Metern (Tomahawk: 2,67 Meter) aber deutlich größer.
➤ Mehr lesen: Russlands nukleare Wunderwaffe Skyfall ist 14.000 km weit geflogen
Trümmer einer Geran-5
© Ukrainisches Verteidigungsministerium
Mischung aus Drohne und Marschflugkörper
Technisch gesehen ist die Geran-5 eine Mischung aus Drohne und Marschflugkörper. Die Form erinnert zwar an eine Cruise Missile, die Bauweise und die verwendeten Komponenten sind aber auf eine günstige und schnelle Produktion in hohen Stückzahlen ausgelegt, so wie bei Kamikaze-Drohnen.
Auf Fotos von Trümmern ist zu erkennen, dass große Teile der Konstruktion der Geran-5 aus Metall bestehen. Das macht sie zwar teurer als die Geran-2, aber auch widerstandsfähiger, weshalb eine höhere Traglast und Geschwindigkeit möglich wird.
Trümmer einer Geran-5
© Ukrainisches Verteidigungsministerium
Wie hoch diese ist, ist aktuell nicht bekannt. Die Geran-3, die eine Geran-2 mit Düsentriebwerk statt Propeller ist, hat eine Reisegeschwindigkeit von etwa 300 bis 370 km/h. Anhand der Größe des Triebwerks und der Flügelform könnte die Reisegeschwindigkeit der Geran-5 bei etwa 500 bis 600 km/h liegen. Das ist zwar weit weniger als beim Tomahawk (bis zu 920 km/h), könnte aber für die ukrainischen Verteidiger dennoch für Probleme sorgen.
Höhere Geschwindigkeit erschwert günstiges Abfangen
Eine Geran-2 kostet in etwa 30.000 US-Dollar pro Stück. Diese mit Raketen abzufangen, die mehrere Hundertausend bis zu Millionen US-Dollar kosten und noch dazu knapp sind, ist ein Problem. Daher setzt die Ukraine auf verschiedene andere Maßnahmen. Dazu gehört das Bekämpfen der Drohnen mit dem seitlich montierten Maschinengewehr eines Hubschraubers und vom Rücksitz einer alten Propellermaschine aus.
➤ Mehr lesen: Wie die Ukraine mit einem unbewaffneten Flugzeug 120 Drohnen abgeschossen hat
Außerdem werden in der Ukraine eigene Abfangdrohnen gebaut. Dazu gehört etwa die Sting, die lediglich 2.500 US-Dollar kosten soll.
Sting (links) im Größenvergleich mit einer Shahed-Drohne
© Wild Hornets
Das ist auch einer der Gründe, warum Russland vermehrt auf die Geran-3 setzt. Weil sie doppelt so schnell wie die Geran-2 ist, soll sie schwieriger abzufangen sein. Allerdings wurden mit Sting auch schon Geran-3 zerstört.
Falls die Geran-5 wirklich über 500 km/h schnell fliegt, kommt die Sting hier nicht mehr mit - laut Hersteller ist die Abfangdrohne 315 km/h schnell. Auch das Abfangen durch den Doorgunner des Hubschraubers dürfte dann kaum noch möglich sein.
Rakete mit Rakete bewaffnet
Hinzu kommt, dass die Geran-5 laut dem ukrainischen Geheimdienst mit Raketen bewaffnet werden wird. Demnach arbeite Russland an einer Variante, die mit einer R-73 ausgerüstet ist. Dabei handelt es sich um eine Luft-Luft-Rakete mit Infrarotsuchkopf. Die Reichweite liegt bei etwa 30 km.
Das gefährdet vor allem die ukrainischen Kampfjets. Diese könnten versuchen, die Geran-5 mit der Bordkanone abzuschießen, um wertvolle Raketen zu sparen. Wenn die Kamikaze-Drohne dann unerwartet mit einer Rakete zurückschießt, könnten die Piloten davon überrascht und ihre Maschinen abgeschossen werden.
Es ist nicht das erste Mal, dass Russland versucht seine Kamikaze-Drohnen zu bewaffnen. So wurde kürzlich eine Geran-2 abgefangen, die eine R-60 Luft-Luft-Rakete an der Oberseite montiert hatte.
➤ Mehr lesen: Russland bewaffnet jetzt Shahed-Drohnen mit Luft-Luft-Raketen
Vor Russland experimentierte schon der Iran mit Drohnen, die mit Luft-Luft-Raketen bewaffnet sind. 2023 wurde eine Karrar-Drohne mit einer AD-08 getestet. Die Luft-Luft-Rakete hat eine Reichweite von bis zu 8 km.
Einige Medien sehen in der Geran-5 eine Kopie der Karrar. Allerdings sind Größe und Design unterschiedlich. Die Steuerelemente der Karrar erinnern mehr an ein Flugzeug und sie sind aufwändiger konstruiert als bei Geran-5. Zudem kann Karrar per Fallschirm landen und wiederverwendet werden, während Geran-5 eine Kamikaze-Drohne ist.
Geran-5 könnte von Flugzeug aus starten
Die Ukraine geht zudem davon aus, dass Russland die Geran-5 nicht nur vom Boden aus startet. So soll eine Variante geplant sein, die vom Kampfjet Su-25 getragen und gestartet werden kann.
Das soll die Reichweite erhöhen. Die Ukraine schätzt für Geran-5 eine Reichweite von 1.000 km, also vergleichbar mit der Geran-3. Von die Su-25 getragen, könnten noch bis zu 750 km Reichweite dazukommen.
➤ Mehr lesen: Ukraine setzt selbstgebaute ballistische Rakete Sapsan ein: Das steckt dahinter
Chinesisches Triebwerk
Der Sprengkopf der Geran-5 soll 90 kg schwer und damit in etwa doppelt so groß sein, wie bei einer normalen Geran-2/3. Andere Komponenten, wie das Kometa-Satellitennavigationssystem, 3G/4G-Modem und ein Raspberry-Minicomputer, finden sich ebenfalls in der Geran-2/3.
Komponente einer abgestürzten Geran-5
© Ukrainisches Verteidigungsministerium
Das Triebwerk stammt vom chinesischen Hersteller Telefly. Diese Triebwerke sind auch für die zivile Nutzung erhältlich und deshalb leicht zu beschaffen. Die Geran-3 nutzt ein Telefly JT80, die Geran-5 hat eine größere und leistungsstärkere Variante.
Kommentare