Warum KI Vögel gefährdet
Was lange Zeit als eher uncooles Hobby alter Männer verschrien war, begeistert immer mehr Menschen. „All die coolen Kids beobachten Vögel“, verkündete etwa das Magazin The Atlantic kürzlich. Vor allem die Gen Z habe das verstaubte Hobby wieder salonfähig gemacht.
Für die Forschung ist der neue Zulauf von Vogelbegeisterten erst einmal erfreulich: Denn häufig teilen die Hobby-Ornithologen ihre Beobachtungen in Form von Fotos und anderen Daten, wie Sichtungsort oder -zeit, auch auf Citizen-Science-Plattformen wie iNaturalist. Dadurch können Forscher Vogelpopulationen und deren Lebensräume besser im Blick behalten. Sie erfahren etwa, wenn Vogelarten plötzlich in anderen Gebieten auftauchen oder vermehrt gesichtet werden.
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Eindrückliche Warnung
KI ist zwar einerseits ein wichtiges Forschungstool, macht die Arbeit aber andererseits zunehmend schwerer: Kürzlich veröffentlichten Forscher in Nature eine ausdrückliche Warnung dazu: „Ohne dringende Schutzmaßnahmen und Aufklärungsarbeit könnte der Nutzen von Citizen Science für die biologische Erfassung untergraben werden“, schreiben sie.
„Citizen-Science-Plattformen zur Erfassung biologischer Daten erhalten Millionen von Bildern, Tonaufnahmen und Videos“, erklären sie in der Publikation: „Diese Daten liefern zunehmend die Grundlage für unser Wissen darüber, wo Arten räumlich und zeitlich vorkommen und wie sie sich verhalten.“
Die kostbaren Daten würden aber zunehmend durch KI-Fakes verzerrt. Das könne laut den Vogelforschern „zu falschen ökologischen Schlussfolgerungen führen“. Etwa könne es zur Verwechslung von Vogelarten führen oder Verwirrung stiften, wenn eine Spezies an einem bisher unüblichen Ort auftaucht.
Ein Mann beobachtet Vögel.
© APA/AFP/MENAHEM KAHANA / MENAHEM KAHANA
KI „verbessert“ Aufnahmen
Ein Problem ist, dass Leute komplett KI-generierte Vogelfotos hochladen. Eine kürzliche Stichprobe von drei großen Plattformen (iNaturalist, Macaulay Library und WikiAves) habe Hunderte Fakes entlarvt. Die Forscher gehen aber von einer noch höheren Dunkelziffer aus.
Eine weitere Gefahr sei die digitale Nachbearbeitung mit KI-Fotosoftware. „Durch die Bildverbesserung können Artefakte entstehen, die auffällige Erkennungsmerkmale einer Art überdecken und zu einer falschen Bestimmung der Art führen können“, erklären die Forscher.
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Fotografiert man etwa einen kleinen Vogel aus der Distanz und nutzt nachher ein KI-basiertes Tool zum Nachschärfen, kann es passieren, dass die KI Bereiche mit fehlenden Daten durch eigene „Halluzinationen“ ergänzt – heißt, sie füllt etwa Federn im Halsbereich mit einem Farbton auf, den sie für am wahrscheinlichsten hält.
Vergleich eines Vogelfotos vor und nach KI-Bearbeitung.
© David Theobald
Mehr Aufklärung nötig
Fehlerhafte Bilder und Videos könnten laut den Forschern etwa das Training von Klassifizierungsalgorithmen erschweren. Social Media sei als Quelle ohnehin zunehmend ausgeschlossen, da dort so viele Fake-Tierbilder kursieren. Spezialisierte Datenbanken, in denen Privatpersonen Bilder hochladen können, bräuchten laut den Forschern daher Schutzmaßnahmen wie Authentifizierungsprotokolle.
Insbesondere gelte es aber, Hobby-Ornithologen, die selbst Bilder bereitstellen, zu warnen. Die Forscher betonen, dass sich die KI-Fehler nicht immer mit böser Absicht einschleichen. „KI-basierte Bildbearbeitungswerkzeuge sind mittlerweile allgegenwärtig, und es gibt einen dringenden Bedarf, die Verfasser von Beiträgen über die Probleme aufzuklären, die Bildmanipulationen für die wissenschaftliche Dokumentation mit sich bringen können“, mahnen die Forscher.
Warum gefährden die KI-Bilder die Vogelbeobachtung?
Die manipulierten Bilder verzerren die Datengrundlage der Forschung. Schon ein kleiner Anteil verzerrter Daten kann die Analyse verfälschen, insbesondere bei seltenen Arten. Die Einreichungen werden etwa dazu genutzt, Veränderungen in Brutgebieten zu dokumentieren, Zugrouten nachzuverfolgen oder die Auswirkungen des Klimawandels auf einzelne Arten zu untersuchen. Verfälschte Sichtungen, etwa von Arten, die in einem Gebiet gar nicht vorkommen, können dazu führen, dass Schutzmaßnahmen falsch eingeschätzt oder nicht eingeleitet werden. Das kann den Schutz von Vogelbeständen erschweren.
Das Problem der KI-Eingriffe in Fotos betrifft nicht nur die Vogelforschung. Denn die KI-Verbesserungstools sind omnipräsent und betreffen alle Arten von Bildern, die in Citizen-Science-Datenbanken eingetragen werden.
2025 sorgte etwa auch eine KI-verbesserte Aufnahme eines Marderhundes in Japan für Diskussionen in der Wissenschaftsgemeinschaft: Die KI hatte die Haltung des Marderhundes und die Art, wie er seine Beute trug, verändert.
Ein japanischer Tanuki: Oben das Original, unten das Ergebnis der Bildverbesserung mit KI
© Yakushima Umigame-kan
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