Löwe Symbolbild
Löwe rettet Pferd: KI-Dokus erfinden Tierverhalten auf Social Media
Viele haben wohl in den vergangenen Monaten das eine oder andere Tiervideo zugeschickt bekommen, das echt aussieht, aber tatsächlich mit KI erstellt wurde. Der SFR berichtete etwa Anfang 2026 von einer Schwemme an Katzenvideos, die mit KI gefälscht wurden. Oft fallen die Unterschiede kaum auf, weil das tierische Verhalten in ähnlicher Form auch unter Realbedingungen dokumentiert wurde.
Wie stillen Buckelwale?
Zunehmend verbreiten sich aber auch Tiervideos, die vorgeben, Tierverhalten dokumentarisch zu belegen. Oft steht dann in der Beschreibung etwas wie "Wissenschaftler haben festgestellt,. Ein YouTuber namens Chris Gillette (GatorChris) warnte kürzlich etwa vor Videos, die angeblich einen Buckelwal beim Stillen zeigen. Das Stillen gilt als wenig dokumentiert.
Im Video wird dem Jungtier eine Milchfontäne in den Mund gespritzt. Unwissende, die das Video sehen, denken, dass Wale so stillen – aber das stimmt nicht. Vor einem ähnlichen Fake warnte auch die Faktencheck-Plattform Snopes im April.
Wie Forschende herausgefunden haben, stimmt es zwar, dass Buckelwale ihren Jungtieren Milch in den Mund spritzen – die KI-Videos stellen das jedoch extrem übertrieben dar. In echten Aufnahmen ist keine derartige Fontäne zu sehen. Diese Videos sehen jedoch weniger spektakulär aus und fesseln unsere Aufmerksamkeit weniger.
Erstaunlich: Löwe rettet Pferd
Die gefälschten Mini-Tierdokus findet man auch sonst zuhauf. Oft tun Tiere darin Erstaunliches oder Ungewöhnliches. Auf TikTok gibt es etwa Kanäle, die sich komplett darauf spezialisiert haben. Manchmal steht zwar in der Videobeschreibung, dass ein Video KI-generiert ist, aber beim schnellen Durchscrollen auf TikTok fällt das nicht auf. Ein solches Video zeigt etwa einen Löwen, der ein Fohlen rettet, anstatt es zu fressen.
Ein anderes Video zeigt, wie ein Büffel einen angreifenden Wolf meterweit durch die Luft wirft:
Forscher entdecken angeblich Dinos
Es gibt aber auch Videos, die Dinosaurier zeigen, die Forscher angeblich entdeckt haben. So wie folgendes TikTok, das mit dem Schriftzug „Forscher berichten, dass sie 2026 einen Dinosaurier im Amazonas-Regenwald gefunden haben“.
Andere behaupten angebliche Dinosaurier-Funde in Alaska oder anderen Regionen der Welt. Die Videos sehen oft absichtlich so aus, als seien sie schnell und spontan mit dem Smartphone gefilmt worden: Sie sind wackelig und verpixelt. Dadurch sollen sie echter wirken.
Opium Bird und erfundene Tiere
Es ist auch denkbar, dass sich künftig Videos verbreiten, die komplett neue Tiere zeigen, etwa Tierhybride. Ein erstes Beispiel für so ein Wesen ist eine mysteriöse vogelartige Kreatur, die seit 2023 in KI-generiertem Bild- und Videomaterial verbreitet wird. Der „Opium Bird“ ist ein popkulturelles Meme geworden – Namensgeber ist das amerikanische Rap-Label „Opium“.
Obwohl den meisten klar sein dürfte, dass es nicht existiert, tauchte das Vogelmonster laut KnowYourMeme erstmals in einem TikTok auf, in dem behauptet wurde, diese Tierart sei in einem Antarktis-Gebirge entdeckt worden. Es gibt weitere Beispiele und es ist zu erwarten, dass in Zukunft noch mehr solcher Fake-Tiere oder -Monster auftauchen.
Falschinformationen kriegen Aufmerksamkeit
Obwohl Videos von wiederentdeckten Dinosauriern oder spektakulären Milchfontänen bei Buckelwalen für Unterhaltung sorgen, verbreiten sie Falschinformationen: Die Vorgänge sind ungewöhnlich, übertrieben und fesseln die Aufmerksamkeit oftmals mehr als gewöhnliche Inhalte – und die Social-Media-Algorithmen belohnen das mit mehr Reichweite.
Das Faktencheck-Netzwerk des SRF hat etwa einen Guide veröffentlicht, wie man falsche, scheinbar dokumentarische Tiervideos auf Social Media erkennen kann. Das Problem ist nur, viele Nutzerinnen und Nutzer wohl nie mitbekommen, dass sie einen Fake für echt gehalten haben. Sie wischen schnell zum nächsten Beitrag weiter.
Nicht nur für das Wissen über die Natur ist das ein Problem, sondern auch in anderen Bereichen. Auch Geschichtsfälschung mit KI ist ein Problem: 2026 wandten sich etwa 30 KZ-Gedenkstätten in einem offenen Brief an die Öffentlichkeit, in dem sie gefälschtes historisches Bildmaterial beklagten, das den Holocaust verharmlost.
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