In den Verpackungen der PlayStation-Games findet man künftig nur noch einen Downloadcode statt eine Disc.
Sony killt PlayStation-Spiele auf Disc: Was das für die Zukunft des Gamings bedeutet
„Danke Rockstar!“ dürfte es kollektiv durch die Management-Etagen von Sony und Microsoft am 24. Juni geschallt haben. Das Spielestudio hat nämlich bekanntgegeben, dass GTA 6 nicht auf Disc erscheint. Wer die „physische Version“ kauft, bekommt eine Schachtel mit einem Downloadcode.
Und das ist der Anstoß, auf den die Konsolen-Hersteller lange gewartet haben. Das am meisten erwartete Spiel der vergangenen Jahre prescht vor und verzichtet auf eine Disc, kostet trotzdem mindestens 80 Euro und wird sich vermutlich, wie schon GTA 5, dennoch über 200 Millionen Mal verkaufen. Die Kunden müssen also für GTA 6 die Disc-lose Zukunft akzeptieren.
Schaut aus wie immer, hat aber keine Disc in der Verpackung: GTA 6.
© Rockstar Games
Und diese Disc-lose Zukunft, die Konsolen-Hersteller seit Jahren durchsetzen wollten, aber bisher am Widerstand der Kunden gescheitert sind, kommt jetzt: Sony beendet im Jänner 2028 die Produktion für physische PlayStation-Spiele – sowohl für die PS5 als auch die PS6, falls die Konsole bis dahin erschienen ist.
Es wird nicht lange dauern, bis Microsoft nachzieht. Project Helix, das Nachfolgegerät der Xbox Series, soll Gerüchten zufolge kein optisches Laufwerk mehr haben. Zudem gibt es Pläne, damit User noch auf der Xbox Series ältere Spiele auf Discs „digitalisieren“ können, die dann auf der neuen Konsole als Download zur Verfügung stehen.
Viele Vorteile für Konsolen-Hersteller, keine für User
Für die Konsolen-Hersteller hat das viele Vorteile, für die Nutzer nur Nachteile. Einer sind die Kosten: Eine Disc zu produzieren ist weit teurer, als einen Zettel mit einem Downloadcode auszudrucken, bzw. einfach nur das Spiel digital anzubieten. Dass diese Preisersparnis zum Kunden weitergegeben wird, ist höchst unwahrscheinlich, wie man bei GTA 6 sieht. Auch jetzt kosten in den Stores der PS5 und Xbox Series die digitalen Versionen der Spiele beim Erscheinen genauso viel wie die physischen.
Resident Evil Requiem kostet im PlayStore Store derzeit 79,99 Euro. Auf Preisvergleichsportalen findet man die physische Version ab 59,90 Euro.
© Screenshot / Sony
Durch das Eliminieren der physischen Exemplare wird der Second-Hand-Markt gekillt. Gebrauchte Spiele billig kaufen ist dann aus, genauso wie einem Freund schnell mal ein Game borgen. Zwar könnte man das auch technisch lösen, indem man die digitale Lizenz an einen anderen User weitergibt – aber wollen das die Konsolen-Hersteller und werden sie es deshalb machen? Wohl eher nicht. Denn 2 verkaufte Spiele bringen mehr Geld als ein verkauftes Spiel.
Gekaufte digitale Spiele besitzt man nicht
Gibt es die Spiele nur noch digital, haben Sony, Microsoft und die Publisher die volle Kontrolle darüber. Entschließt sich jemand davon, das Game nach einem Jahr zu entfernen, dann ist es futsch. Dass das kein „das wird doch eh nie passieren“-Szenario ist, sondern die Realität von digitalen Titeln, hat Sony erst vor wenigen Tagen wieder gezeigt: 551 Filme und TV-Serien werden am 1. September 2026 nicht nur aus dem Store genommen, sondern auch von den Konsolen der User gelöscht. Denn auch wenn man Spiele, Filme oder Serien „kauft“, erwirbt man damit meistens nur eine Lizenz, die zurückgezogen werden kann.
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Ein weiterer Nachteil für Nutzer: Nicht alle haben eine schnelle Internetverbindung. Neue PS5-Spiele knacken mittlerweile regelmäßig die 100-GB-Marke. Selbst wer nur Singleplayer-Games spielt, muss sich also womöglich Gedanken darüber machen, seine Internetverbindung upzugraden. Gibt es diese Option am Standort nicht, an dem die Konsole genutzt wird, wird das Gaming zur Geduldsprobe, bis der Download fertig ist, oder gar unmöglich.
Auch nach dem Download muss man online sein. Die meisten digitalen Games fragen beim Start bei den Servern nach, ob die Lizenz noch gültig ist. Das können die Konsolen-Hersteller ändern, etwa indem nur alle 7 Tage abgefragt wird. Dennoch ist auch das wieder eine unnötige Hürde für Nutzer, die sich bisher darauf verlassen haben, dass sie ein Spiel auf Disc kaufen, diese einlegen und einfach zocken können.
Alle Gamer sind betroffen
Viele User lässt das vermutlich kalt, nach dem Motto: „Ich kauf‘ meine Games eh nur digital, bisher hat alles gepasst.“ Ja, bis es eben nicht mehr passt. Denn wie bereits erwähnt, fällt der Gebrauchtmarkt weg. Auf rabattierte Spiele im Handel, wenn etwa die Verpackung mit dem Downloadcode mal in der „-50 Prozent“-Wühlkiste landet, sollte man sich nicht verlassen: Sie werden auf kurz oder lang verschwinden. Denn die Publisher werden sich gut überlegen, ob sie sich das noch leisten wollen, wenn ohnehin alle Games nur noch digital und online sind.
Es gibt also keine Konkurrenz mehr zum PlayStation Store und zukünftig wohl auch Xbox Store. Das heißt Preise bleiben länger hoch. Und dann hat man eben nur eine Lizenz für das Spiel und besitzt die digitale Kopie nicht. Wenn die Konsolen-Hersteller und Publisher die totale Kontrolle haben, weil es keine Alternative dazu gibt, wird diese Kontrolle zum Nachteil der Nutzer verwendet werden: Macht erzeugt Missbrauch.
Rechtliche Schritte denkbar
Protestieren und boykottieren wäre für Gamer jetzt angebracht und auch rechtliche Schritte sind denkbar. Denn Sony hat nach Jänner 2028 ein absolutes Monopol bei der Verteilung der Playstation-Spiele. Selbst die Downloadcodes, die in den Verpackungen im Handel zu finden sind, werden im PlayStation Store eingelöst und das Game dort heruntergeladen.
Sony könnte womöglich durch eine Klage dazu gebracht werden, zumindest alternative Stores auf der PS5 und PS6 zuzulassen. In der EU könnte Sony etwa als „Gatekeeper“ eingestuft werden, so wie Apple, weshalb auf iPhones in der EU alternative App-Stores genutzt werden können. Dasselbe Schicksal könnte Microsoft drohen. Da Project Helix mehr PC als Konsole sein soll, wäre es da vermutlich einfach, andere Spiele-Stores zu implementieren, falls das nicht ohnehin schon geplant ist.
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