Ein F-35-Kampfjet der US Marines vor blauem Himmel

F-35B

© US MArines
Wählen Sie FUTUREZONE als bevorzugte Google-Quelle

Militärtechnik

US-Militär bestätigt: Brandneue F-35 Kampfjets wurden ohne Radar geliefert

Schon im Februar 2026 gab es Spekulationen: Die neuesten F-35s werden ohne Radar ausgeliefert. Damals dementierte die US Air Force das noch vehement. Doch jetzt ist es offiziell: Mehrere der Stealth-Fighter wurden vom Hersteller Lockheed Martin ohne Radar geliefert.

Diese Information kommt von Lieutenant General Gregory Masiello, dem Chef des F-35 Joint Program Office (JPO), berichtet twz. Das JPO ist für das Management der F-35-Flotte, über alle Teilstreitkräfte der USA hinweg, verantwortlich. Masiello wurde bei einem Hearing eines Komitees von Senator Mark Kelly zur F-35-Situation befragt.

US Marines bekamen F-35s ohne Radar

„Die Marines haben Flugzeuge ohne Radar geliefert bekommen. Ist das korrekt?“ fragt Kelly. „Wir haben 6 Maschinen für die US Marines angenommen, die kein Radar installiert haben. Das ist korrekt“, antwortet Masiello.

Techniker inspizieren eine geöffnete F-35 auf dem Flugdeck, während ein Pilot ins Cockpit klettert.

F-35B

Außerdem bestätigt Masiello, was der Grund dafür ist: das neue Radar AN/APG-85. Bei diesem gibt es nämlich seit Jahren andauernde Verzögerungen. Nach den aktuellen Plänen wird das AN/APG-85, das der Nachfolger des derzeit in der F-35 verwendeten Radars AN/APG-81 ist, frühestens im April 2028 geliefert. Die F-35s werden also fast 2 Jahre nur sehr eingeschränkt nutzbar sein.

Ist eine F-35 ohne Radar überhaupt einsatzfähig?

„Ich nehme an, dass diese Flugzeuge ohne Radar nicht voll einsatzfähig sind?“, fragt Kelly. „Ich denke nicht, dass man sie als voll einsatzfähig sehen kann“, antwortet Masiello. „Sie sagen, sie denken nicht. Ich kann mir kein Szenario vorstellen, in dem eine F-35 ohne Radar ein voll einsatzfähiges Flugzeug sein kann“, entgegnet Kelly – ohne eine Antwort von Masiello zu erhalten.

Ein moderner Kampfjet ohne Radar ist quasi „blind“ – der Pilot muss auf Sicht fliegen, bzw. sich, falls vorhanden, mit anderen Systemen helfen, wie etwa optisch-elektronischen Ziel- und Sichtsystemen auf Infrarotbasis. Die F-35 könnte trotzdem ohne Radar, zumindest rudimentär, für Einsätze genutzt werden. Durch das Multifunction Advanced Data Link (MADL) kann sie Radardaten von einer F-35 mit Radar erhalten, solange die Formation dicht genug fliegt und die Maschinen so in der Reichweite von MADL bleiben.

Das ständige Fliegen in Formation kann aber ein Risiko sein, weil es die Gefahr entdeckt zu werden erhöht. Bei Beschuss könnte eine anfliegende Rakete etwa von den Täuschkörpern des ersten Fliegers abgelenkt werden, aber dann gleich die zweite F-35, die dicht daneben fliegt, ansteuern. Zudem müssen die Taktiken angepasst werden, weil nicht jede Maschine ein eigenes Radar hat.

Außerdem ist das Radar der F-35 ein wichtiger Teil der Maßnahmen zur elektronischen Kriegsführung. Weil es ein AESA-Radar ist, also aus Hunderten kleinen Antennen besteht statt einer großen, wird es verwendet, um gezielte, starke Pulse auszusenden, die etwa wie ein Jammer wirken können. Damit können Raketen mit Radarsuchkopf oder die Luftraumüberwachung „geblendet“ werden. Ohne Radar fällt diese Schutzmaßnahme weg.

Warum wird nicht das alte Radar eingebaut?

Damit die F-35s ohne Radar vernünftig flugfähig sind, haben sie Ballast in der Nase. Dadurch wird das Gewicht des fehlenden AN/APG-85 ausgeglichen, damit die Flugeigenschaften erhalten bleiben. Wäre es da nicht sinnvoller, einfach das ältere AN/APG-81 einzubauen, statt radarlos zu fliegen?

Sinnvoller schon, aber teurer. Die Hardware, um das AN/APG-85 in der F-35 zu montieren, ist nämlich nicht kompatibel mit dem AN/APG-81. Hätte man jetzt die neuen F-35s, die in der Charge Lot 17 schon in der Ausbaustufe „Block 4“ geliefert werden, mit dem AN/APG-81-Radar von „Block 3“ ausgestattet, hätte das nicht nur die Pläne für die Auslieferung durcheinandergebracht. Außerdem müssten die F-35s später, wenn das neue Radar verfügbar ist, zu viel umfangreicheren Umbauarbeiten zurück zum Hersteller gebracht werden. Das kostet Zeit und Geld.

Der Hersteller Lockheed Martin kennt die Problematik. Laut einem Bericht hat er im Vorjahr in Aussicht gestellt, eine Radar-Aufhängung bauen zu können, die sowohl mit dem AN/APG-81 als auch dem AN/APG-85 kompatibel ist. Allerdings wäre die erst für das Lot 20 bereit, also die Charge an F-35-Jets, die ohnehin erst ab 2028 ausgeliefert werden soll – und dann gibt es hoffentlich schon das AN/APG-85.

3 Kampfjets des Typs F-35A auf dem Rollfeld.

F-35A auf dem Rollfeld.

Vermutlich alle F-35-Modelle betroffen

Zu welchen Typen die radarlosen F-35s der Marines gehören, wurde von Masiello nicht spezifiziert. Die US Marines nutzen sowohl die senkrechtstartende F-35B als auch die Flugzeugträger-Variante F-35C. Da es schon zuvor Gerüchte über F-35Bs ohne Radar gab, werden es vermutlich die sein.

Weil ab Lot 17 die Jets für die US-Streitkräfte auf dem Stand Block 4 sind, werden vermutlich nicht nur die Marines, sondern auch die US Air Force (F-35A) und US Navy (F-35C) ihre nächsten Stealth-Fighter vorerst ohne Radar bekommen. Ausländische Kunden sind nicht betroffen, weil derzeit nur die USA als Empfänger von F-35s mit AN/APG-85 vorgesehen sind.

Nicht genügend Kühlleistung?

Wenn die neuen Radars später nachgeliefert werden, scheint das nächste Problem vorprogrammiert. Kelly fragt nach, wie es um die Kühlleistung der Block 4 F-35 bestellt ist. Denn er habe gehört, das AN/APG-85 benötigt mehr Kühlleistung, um voll funktional zu sein, als die F-35 bereitstellen kann. „Wir versuchen das stufenweise zu erhöhen und wir haben ein laufendes Programm, um ein leistbares Upgrade für das Hitzemanagement-System zu finden“, sagt Masiello. Ein erstes großes Upgrade beim Hitzemanagement wird aber frühestens 2031 erwartet, als Teil des „Engine Core Upgrades“ – also ein überarbeitetes Triebwerk.

Details dazu, wie sich das bis dahin auf das AN/APG-85 auswirkt, wolle er nicht verraten. Er könne keine Angaben zur Leistung des Radars in einem Hearing machen, das nicht als geheim eingestuft ist. Weil das AN/APG-85 eben noch geheim ist, gibt es keine konkreten Informationen dazu, was es besser können wird als das Vorgängermodell. Ganz generell soll das AN/APG-85 mehr Leistung haben, sowohl beim Erkennen von Objekten in der Luft und am Boden als SAR (Synthetic Aperture Radar), um hochauflösende Scans vom Boden zu machen und als Mittel zur elektronischen Kriegsführung.

Hat dir der Artikel gefallen? Jetzt teilen!

Kommentare