Eine weiße Taube fliegt vor einem Gebäude.

Friedenstaube unterwegs.

© Photo by Sunguk Kim on Unsplash
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Roost Social: Brieftauben statt WhatsApp

Mit Roost Social hat die Brieftaube ihr Nest auf dem Smartphone.

Wenn es um Online-Kommunikation geht, kann es heutzutage nicht schnell genug gehen. Signal, WhatsApp und viele andere Messenger-Apps gehören zu den Essentials auf einem Smartphone. Text eintippen und absenden, schon hat unser Gegenüber die Nachricht erhalten.

Was viele Vorteile mit sich bringt, ist in einer immer schnelllebigeren Welt für viele aber auch eine Belastung. Roost Social möchte hier mit einem verspielten Konzept dagegenhalten. Mit Roost Social ist nun eine App erschienen, die die Kommunikation zwischen Freundinnen und Freunden und auch Fremden wieder entschleunigen will. Zwar findet die Kommunikation auch hier im digitalen Raum statt, das Brieftauben-Konzept der App unter dem Slogan „Slow-cial Media“ sorgt aber für ein ganz anderes Erlebnis.

Stressfreie Tauben

Um mit Roost Social loszulegen, braucht es die kostenlose App. Nach dem Download ist der erste Schritt die Registrierung. Angeboten werden ausschließlich Single-Sign-On via Apple bzw. Google, andere Methoden stehen nicht zur Verfügung. Während des Anmeldeprozesses will Roost zudem unser Geburtsdatum wissen und bittet um die Auswahl eines Nutzernamens. Im Onboarding lernen wir auch gleich unsere Übermittler kennen.

Hier geht es tatsächlich um virtuelle Brieftauben. Roost bietet einen ganzen Stall an digitalem, gefiedertem Getier an. Bis zu 4 „Start-Tauben“ können wir uns hier aussuchen. Darunter sind allerdings nicht nur klassische Brieftauben, sondern auch ein Pinguin, Kiwi oder Strauß. Hauptmerkmal bei der Auswahl ist die Geschwindigkeitsangabe, die für den späteren Transport eine Rolle spielt.

Weltkarte in Roost Social mit Übersicht zu zurückgelegten Strecken der Tauben.

Von Text bis GIFs

Ebenfalls beim Start einstellen müssen wir unseren Standort, ohne den wir die App nicht benutzen können. Neben der Möglichkeit zur Nutzung von Ortungsdiensten können wir unsere Stadt aber auch einfach manuell eintippen. Haben wir das Onboarding durchgetippt, landen wir im Dashboard von Roost.

Im Gegensatz zu klassischen Messengern ist hier aber nicht eine Konversationsliste das Herzstück der App. Die Weltkarte steht hier im Mittelpunkt. Auf dieser sehen wir nach der Einrichtung bereits die erste Taube über die Karte flattern. Erreicht sie unseren Standort, ploppt im Reiter „Nachrichten“ eine rot umrahmte Eins auf. Zu sehen sind hier alle Nachrichtenverläufe, die wir mit anderen Nutzerinnen und Nutzern haben.

Tippen wir auf einen Verlauf, sehen wir den grundsätzlich vertrauten Anblick einer Text-Unterhaltung. Hier können wir ganz klassisch Nachrichten eintippen, auch GIFs und Zeichnungen lassen sich versenden. Eigenartigerweise können aber keine Bilder verschickt werden.

Das schnellste Huhn der Welt

Die größte Besonderheit beim Nachrichtenverlauf von Roost ist die Anzeige unter jeder Nachricht, die uns die Route, also z. B. von New York nach Wien und die virtuelle „Flugzeit“ der Nachricht veranschaulicht. Auch Gruppenchats sind bei Roost vorhanden, geführt werden sie unter dem Namen „Nest“. Ein Nest kann bis zu 10 Personen beinhalten, der Standort muss beim Erstellen des Nests einmalig festgelegt werden, um ein Ziel für die Tauben zu haben. 

Da Roost auf „Tauben“ setzt, ist deren Anzahl neben der Distanz bzw. Geschwindigkeit unsere Beschränkung beim Versenden von Nachrichten. Zum Start erhalten wir insgesamt 4 Tauben. Sind diese allesamt im Einsatz, können wir keine weiteren Nachrichten versenden.

Um dieses Problem zu lösen, können wir uns aber mehr Tauben holen. Hin und wieder erhalten wir Tauben geschenkt, gegen Echtgeld lässt sich aber auch im Shop etwa ein Adler um 2,99 Euro erstehen. Wer das Konzept von Roost aushebeln möchte, kann aber auch in ein rasendes Huhn investieren, das um 9,99 Euro nicht sehr realistische 1.609 km/h mitbringt.

Nachrichtenfenster in Roost Social mit den klassischen Konversationsblasen.

Brieffreundschaft in modern

So lustig das Konzept von Roost Social auch ist, werden viele für die Kommunikation mit Familie und Freunden bei klassischen Messengern bleiben. Viel spannender ist dagegen das integrierte Brieffreunde-Feature.

Haben wir eine einmalige Verifikation per Telefonnummer abgeschlossen, können wir auch vollkommen Fremde auf der Plattform finden und mit ihnen eine Brieffreundschaft starten. Im Reiter „Schwarm“ finden wir dazu eine eigene Funktion, mit der sich Nutzerinnen und Nutzer gegenseitig finden können. Haben wir die Brieffreundschaft einmal gestartet, landen unsere Unterhaltungen auch gesammelt in der Nachrichten-Übersicht. 

Die Taube liest mit

Ein Problem, das es bei echten Brieftauben nicht gibt ist, dass die digitalen Tauben von Roost mitlesen. Die versendeten Nachrichten werden zwar transportverschlüsselt, sind bei Roost aber im Klartext gespeichert.

Auch werden die Inhalte laut Datenschutzerklärung automatisch durch ein System von OpenAI gescannt bzw. analysiert und bei Bedarf auch menschlichen Moderatoren vorgelegt, um „rechtliche Vorgaben“ einzuhalten. Wer mit Roost Social kommuniziert, muss sich also im Klaren sein, dass hier jedes Wort von KI und Mensch gelesen wird.

Auch das Datenschutz-Tableau im App Store zeigt recht eindeutig, dass hier ganz schön viel mit unseren Daten gewerkelt wird. Roost Social ist also das genaue Gegenteil einer datenschutzfreundlichen App.

Fazit

Das Konzept von Roost Social ist sehr unterhaltsam. Während einige Nutzerinnen und Nutzer die Entschleunigung begrüßen werden, ist die App zur alltäglichen Kommunikation nicht nur aus Datenschutzgründen ungeeignet.

Eine Daseinsberechtigung hat Roost Social dank des Brieffreunde-Features aber trotzdem. Mit diesem lässt sich eine alte Tradition im digitalen Raum neu erleben.

Roost Social ist kostenlos für iOS und Android erhältlich.

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Amir Farouk

Early-Adopter. Liebt Apps und das Internet of Things. Schreibt aber auch gerne über andere Themen.

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