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LAMD: Südkorea bekommt seinen "Iron Dome" früher als gedacht

Rüstungsprojekte sind ähnlich wie große Infrastrukturprojekte, wenn sie mit Staatsgeldern finanziert werden: notorisch verspätet. In diesem Fall ist es aber anders. Südkorea hat beschlossen, dass LAMD 2 Jahre früher in Dienst gestellt wird, als bisher geplant war.

LAMD steht für Low-Altitude Missile Defense. Zukünftig könnte es zur Low-Altitude Munition Defense werden, wenn es mit Ausbaustufen erweitert wird, um etwa auch Kamikazedrohnen abzufangen.

Schutzschirm für Seoul

Die Idee von LAMD ist mit Israels Iron Dome vergleichbar. Dabei handelt es um ein Netzwerk aus Luftabwehrbatterien, die zum Schutz von Ballungszentren automatisch anfliegende Raketen und Artilleriegranaten zerstören.

LAMD soll vor allem die Hauptstadt Seoul beschützen und andere Städte, die sich nahe der Grenze zu Nordkorea befinden. Das Stadtzentrum von Seoul ist lediglich 40 km entfernt von der Grenze, womit es eine ähnliche Situation wie bei den israelischen Städten Tel Aviv und Jerusalem gibt. Geringere Distanzen bedeuten, dass günstigere Raketen mit weniger Reichweite auf die Ziele abgefeuert werden können, von denen eine entsprechend höhere Stückzahl vorhanden ist, bzw. sich diese leichter beschaffen und bauen lassen.

Warum jetzt?

Dass Nordkorea androht, Seoul in ein „Meer des Feuers“ zu verwandeln, ist nichts Neues und bisher nicht passiert. Der einzige „Angriff“ in der jüngeren Vergangenheit war mit Ballons, die mit Müll beladen waren. Warum also jetzt mehr Geld in das Projekt buttern, um LAMD zu beschleunigen?

Südkorea begründet das mit den technischen Fortschritten, die Nordkorea bei seiner Artillerie und Raketenartillerie gemacht hat. Dabei geht es vor allem um die Lkw-basierten Mehrfachstarter, mit Raketen im Kaliber 240 mm und 300 mm. Im Oktober 2025 zeigte Nordkorea etwa bei einer Parade eine Kopie der US-Raketenartillerie HIMARS. Diese hatte einen Pod für 9 Raketen im Kaliber 240 mm. Zudem soll Nordkorea ältere 240-mm-Systeme mit neuen Raketen aufgerüstet haben, die eine Reichweite bis zu 80 km haben.

➤ Mehr lesen: Nordkorea kopiert US-Raketenartillerie HIMARS und gibt ihr Atomraketen

Nordkoreanische Kopie von HIMARS

Das 300-mm-System ist das KN-09. Es hat 8 Startröhren. Die Raketen sollen eine Reichweite bis zu 200 km haben. Von der Grenze aus gestartet, würde damit halb Südkorea in Reichweite sein.

KN-09

Bis zu 20.000 Raketen und Granaten auf Seoul

Raketenartillerie kann alle Raketen als Salve in nur wenigen Sekunden abfeuern. Sind sie etwa gut getarnt oder in Bunkern untergebracht, können sie herausrollen und innerhalb weniger Minuten ihre Ladung abfeuern und wieder verschwinden. Das würde Südkorea kaum Vorwarnzeit geben. Damit ist ein Zerstören dieser Systeme, bevor sie ihre Raketen abfeuern können, sehr unwahrscheinlich.

In einem Worst-Case-Szenario gehen Analysten davon aus, dass Nordkorea innerhalb der ersten Stunde eines solchen Überraschungsangriffs 10.000 bis 20.000 Granaten, Raketen und Marschflugkörper auf Seoul abfeuern könnte. Südkorea hat zwar bereits Abwehrsysteme, wie M-SAM und das amerikanische Patriot: Diese seien aber laut Analysten eher für das Abfangen von weitreichenderen Raketen gedacht, die in einer Höhe von 15 bis 20 km fliegen.

Die 240- und 300-mm-Raketen von Nordkorea würden aber in Höhen zwischen 5 und 10 km fliegen, weshalb sie von diesen Systemen womöglich nicht effektiv genug abgewehrt werden können. Daher wird LAMD benötigt – ein Abwehrsystem für Raketen in dieser, niedrigeren Flughöhe.

Viele Raketen benötigt

Ein weiterer Grund ist, dass M-SAM und Patriot nicht in ausreichender Stückzahl zur Verfügung stehen, um einen drohenden Angriff mit über 10.000 Raketen und Granaten abzuwehren. Noch inoffiziellen Berichten zufolge, soll jeder LAMD-Starter 32 Röhren haben. Eine Batterie soll aus 6 Startern bestehen und könnte theoretisch damit 192 Ziele abfangen, bevor nachgeladen werden muss.

Test von LAMD

Theoretisch, weil noch nicht klar ist, wie LAMD genau funktionieren wird. Bei Iron Dome werden üblicherweise 2 Raketen auf jedes Ziel abgeschossen, um die Trefferquote zu erhöhen. Dies könnte bei LAMD auch so sein, wäre aber eher unwahrscheinlich, wenn es darum geht, einen riesigen Angriff in kurzer Zeit abwehren zu müssen.

Wie viele LAMD-Batterien Südkorea anschaffen will, ist noch nicht bekannt. Bis 2029 sollen jedenfalls 2 Prototyp-Batterien einsatzfähig sein. Der beschleunigte Zeitplan habe die vorläufigen Projektkosten von ursprünglich 430 Millionen US-Dollar auf 557 Millionen US-Dollar erhöht, bedingt durch intensivere Tests der Abwehrraketen, neu zu errichtende Anlagen und erhöhte Wartungskosten.

Raketenabwehr in 3 Schichten

Ähnlich wie Israel strebt Südkorea einen Schutzschirm mit mehreren Schichten an. LAMD ist dabei, wie Iron Dome, die unterste Schicht. Hier könnte später Cheongwang integriert werden. Die Laserwaffe ist primär zur Abwehr von Drohnen vorgesehen. Auch Israel hat vor seinen Iron Dome nach und nach mit der Laserwaffe Iron Beam zu ergänzen.

➤ Mehr lesen: Israels Laserwaffe Iron Beam wird noch heuer online gehen

Die Schicht darüber ist M-SAM, ein in Südkorea hergestelltes Raketensystem. In der aktuellen Ausbaustufe Block 2 hat es eine Reichweite von 50 km, eine Flughöhe bis zu 20 km und kann auch ballistische Raketen anvisieren. Ebenfalls in dieser Schicht ist das von den USA gelieferte Patriot PAC-3 MSE, mit einer Reichweite von bis zu 60 km gegen ballistische Raketen und einer Flughöhe bis zu 36 km.

Die oberste Schicht ist L-SAM, mit 150 km Reichweite und bis zu 60 km Flughöhe. Die Indienststellung soll 2028 erfolgen. In der nächsten Ausbaustufe sollen die Reichweite und Flughöhe (bis zu 180 km) gesteigert werden, um ballistische Raketen und Hyperschallgleiter früher und besser abzufangen.

Bis L-SAM einsatzbereit ist, hat Südkorea in dieser Schicht lediglich THAAD. Das amerikanische Abwehrsystem gehört aber nicht Südkorea, sondern ist lediglich dort stationiert und wird von US-Truppen betrieben. THAAD hat eine Reichweite bis zu 200 km und eine Flughöhe bis zu 150 km.

THAAD

SM-3-Raketen für Südkorea

Zudem werden SM-3-Raketen für Südkoreas Zerstörer angeschafft. Die von Schiffen gestartete Luftabwehrrakete hat eine Reichweite bis zu 1.200 km und eine Flughöhe von mindestens 250 km (genaue Daten sind geheim). Sie gilt damit als eine der derzeit leistungsfähigsten Raketen, um nicht nur ballistische Raketen abzuwehren, sondern bei Bedarf auch Satelliten im niedrigen Erdorbit zu zerstören.

Dass Südkorea SM-3 kaufen will, zieht sich schon seit Jahren hin. Im Rahmen der LAMD-Ankündigung wurde gesagt, dass es jetzt wirklich passieren soll. Die Lieferung, Integration und Einsatzbereitschaft soll demnach bis 2031 erfolgen.

Womöglich hält dieser Zeitplan nicht, da die USA wegen des Iran-Kriegs zuerst ihre eigenen SM-3-Vorräte wieder aufstocken werden. Auch der Preis könnte steigen: Der US-Regierung kostet eine SM-3 derzeit um die 15 Millionen US-Dollar. Mit Exportaufschlägen, Servicepaketen und Preissteigerungen, muss Südkorea womöglich doppelt so viel pro Rakete bezahlen.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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