Ein weißes Flugzeug fliegt vor blauem Himmel

RAT55

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Militärtechnik

RAT55: „Geheimste Boeing 737 der Welt“ fliegt jetzt für die NASA

Hinter dem Rufnamen RAT55 steckt eines der auffälligsten Flugzeuge der US Air Force. Die modifizierte Passagiermaschine hat nämlich nicht nur eine dicke Knollnase, sondern auch einen sehr ungewöhnlichen Schwanz. Obwohl sie dadurch besonders leicht zu erkennen ist, bekommt man sie nur sehr selten zu sehen.

RAT55 wurde bisher nämlich hauptsächlich für geheime Flugzeugprojekte und Tests von Stealth-Flugzeugen eingesetzt. Daher sieht man sie, wenn man sie denn überhaupt mal zu Gesicht bekommt, eher im Bereich der Area 51 in Nevada und in der Nähe des Militärflughafens Edwards in Kalifornien, der das Test Center der Air Force beheimatet.

Gestern ist die Maschine aber über Floridas Ostküste aufgetaucht, gut 3.500 Kilometer entfernt von ihren üblichen Einsatzgebieten.

Mittels öffentlicher Daten konnte ihre Flugroute nachvollzogen werden. Sie war dabei als C-130 Transportmaschine gekennzeichnet, obwohl sie auf einer Boeing 737 basiert. Ob das absichtlich passiert ist, um das Flugzeug weiter geheim zu halten, oder ob es nur ein Fehler war, ist nicht bekannt.

RAT55 ist vom Air-Force-Flugfeld in MacDill in Tampa abgehoben. Über dem Kennedy Space Center hat sie mehrere Kreise gezogen – in der aktiven Flugverbotszone. Dort wurde nämlich gerade die NASA-Rakete SLS für den Start bereit gemacht, der wenige Stunden später erfolgt ist. Nach den Runden ist RAT55 zurück nach Tampa geflogen.

Hat die RAT55 bei der Air Force ausgedient?

TWZ hat bei der Air Force nachgefragt, was RAT55 beim Start der Artemis-II-Mission gemacht hat. Überraschenderweise gab es tatsächlich eine Antwort. Laut TWZ ist das sehr ungewöhnlich, da die Air Force so gut wie nie Fragen zu RAT55 beantwortet. Auch deshalb wird sie oft als die „geheimste Boeing 737 der Welt“ bezeichnet.

„Nach Jahrzehnten, in denen das Flugzeug die Air Force in verschiedenen Rollen unterstützt hat, beginnt jetzt die nächste Phase seiner Karriere. Den Anfang machte das Sammeln von Daten während der Startvorbereitungen von Artemis II. Das Flugzeug wird weiterhin die Entwicklung der wichtigsten und fortschrittlichsten Technologien unserer Nation unterstützen“, sagt die Air Force.

Was genau das bedeutet, wurde nicht beantwortet. Es klingt so, als hätte RAT55 bei der Air Force ausgedient, zumindest für ihre Aufgaben bei der Entwicklung von geheimen Fluggeräten und Stealth-Jets. Ob RAT55 der NASA übergeben wird oder offiziell im Inventar der Air Force bleibt, ist nicht bekannt. Beim Flug rund um die Rakete hatte RAT55 jedenfalls den Rufnamen NASA522.

Auch welche Daten RAT55 gesammelt hat, wurde nicht verraten. Die Air Force hat die Maschine bisher hauptsächlich genutzt, um die Beschichtungen von Stealth-Flugzeugen zu verifizieren und während des Flugs zu beobachten. Es ist denkbar, dass RAT55 genutzt wurde, um das Hitzeschild der SLS und die Ventile zu beobachten, während die Tanks mit flüssigem Wasserstoff und Sauerstoff gefüllt wurden. Probleme mit den Ventilen und dem Hitzeschild gehörten zu den Gründen, warum der Start von Artemis II mehrmals verschoben werden musste.

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Einzelstück

Die Geschichte von RAT55 geht bis in die 1970er-Jahre zurück. 1971 bestellte die Air Force 19 Stück T-43 bei Boeing. Die T-43 ist eine für militärische Zwecke modifizierte Variante des Passagierjets 737-200. Von 1974 bis Mitte der 1990er-Jahre dienten sie als Ausbildungsflugzeuge.

Ein weißes Flugzeug wird für eine Ausstellung vorbereitet

Eine außer Dienst gestellte T-43A

Eine einzelne Maschine davon wurde zur NT-43A umgebaut, einem „Radar Test Bed Aircraft“ oder auch „Radar Airborne Testbed“. Daher der Rufname RAT55, manchmal auch RAT 55 und RATT55 genannt. Die 55 dürfte sich auf die Air-Force-Seriennummer der NT-43A beziehen, 73-1155.

Die offizielle Bezeichnung lautet jedenfalls NT-43A. 2010 wurden die noch verbleibenden T-43s ausgemustert, RAT55 ist also das letzte noch aktive Flugzeug dieser Ära.

Radar und Infrarotsensoren

Bisher wurde vermutet, dass RAT55 am Tonopah Test Range Airport in Nevada stationiert war. Das ist ein US-Militärflughafen mit besonders hohen Sicherheitsvorkehrungen und Geheimhaltungsvorschriften, die nur von Area 51 übertroffen werden sollen.

In der auffälligen Nase und dem Schwanz von RAT55 befinden sich große Radaranlagen. Auch Infrarotsensoren sind vorhanden, um den IR-Schutz der Beschichtung von Stealth-Flugzeugen zu prüfen. Die 2 Radaranlagen sollen auch zusammenarbeiten können. Fliegt die RAT55 im richtigen Winkel, soll so ein umfassenderes Radarabbild des Stealth-Flugzeugs gemacht werden können, um mögliche Schwächen im Design der Tarnkappen-Bauweise besser zu sehen.

RAT55 wurde etwa bei gemeinsamen Flügen mit dem Stealth-Bomber B-2 gesichtet und war vermutlich bei der Entwicklung der F-35 und B-21 beteiligt. Für Trumps „Superflieger“ F-47 wird sie wohl nicht mehr genutzt werden, falls sie der NASA übergeben wird.

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Es ist möglich, dass die Air Force die RAT55 aufgibt, weil ein moderneres Radarsystem benötigt wird und ein Nachrüsten der NT-43A nicht möglich ist oder wirtschaftlich keinen Sinn macht. Moderne Kampfjets, Schiffe und Bodenanlagen nutzen AESA-Radar, bei dem viele kleine Antennen zusammenarbeiten, statt dass nur eine große genutzt wird.

AESA hat eine höhere Reichweite und Scangeschwindigkeit, ist weniger anfällig für Jamming und kann besser kleine Ziele erfassen. Daher müssen neue Stealth-Flugzeuge nicht nur mit herkömmlichem Radar auf die Effizienz ihrer Tarnkappeneigenschaften überprüft werden, sondern eben auch mit AESA.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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