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Ende der Enterprise: Erster nuklearer Flugzeugträger der Welt wird zerstückelt

Nicht nur unter Science-Fiction-Fans ist der Schiffsname Enterprise legendär. Die USS Enterprise (CV-6) war das US-Kriegsschiff mit den meisten Auszeichnungen im Zweiten Weltkrieg.

Der prestigeträchtige Name sollte weiterleben und wurde deshalb der CVN-65 gegeben: dem ersten Flugzeugträger der Welt mit Nuklearantrieb. Und der wird jetzt zerstückelt, bevor die nächste USS Enterprise in See sticht.

USS Enterprise im Dezember 1998

Ein Einzelstück

Die US Navy hat dazu einen Vertrag an NorthStar vergeben. Das Unternehmen bekommt 418,5 Millionen US-Dollar, um die Enterprise komplett zu zerlegen, Teile davon zu recyceln und den Rest zu entsorgen.

Diese Kosten scheinen enorm hoch zu sein, zumal der Bau der Enterprise mit 451,3 Millionen US-Dollar auf einem ähnlichen Niveau war. Allerdings war das Ende der 1950er-Jahre. Je nachdem, wie man die Inflation rechnet, sind das aus heutiger Sicht über 5 Milliarden US-Dollar.

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Die 451,3 Millionen US-Dollar Baukosten waren damals ein kleiner Skandal. Die 1955 bestellte USS Kitty Hawk mit konventionellem Antrieb kostete nämlich „nur“ 264 Millionen US-Dollar. Wegen des enorm hohen Preisunterschieds wurde damals von Kritikern behauptet, dass atomare Flugzeugträger keine Zukunft haben werden.

USS Kitty Hawk, 2008.

Sie sollten zumindest teilweise recht behalten: Die Enterprise-Klasse hatte keine Zukunft – die USS Enterprise blieb der einzige Flugzeugträger dieser Klasse. Wegen der hohen Baukosten wurden die ursprünglich 5 weiteren Schiffe dieser Klasse gestrichen.

Für Flugzeugträger mit Nuklearantrieben war es aber nicht das Ende. 1968 begann der Bau der USS Nimitz. Bis heute sind alle 10 Flugzeugträger der gleichnamigen Klasse im Einsatz, während 2009 der letzte US-Navy-Träger mit konventionellem Antrieb außer Dienst gestellt wurde.

8 Atomreaktoren

Dass die USS Enterprise ein Einzelstück blieb, lag nicht nur an den Kosten, sondern auch an der Komplexität. Während spätere Flugzeugträger 2 Atomreaktoren nutzen, hat die Enterprise 8 Stück. Als weitere Besonderheit ist sie der einzige Flugzeugträger mit 4 Rudern statt 2.

Außerdem hält sie bis heute den Rekord als das längste Kriegsschiff der Welt, mit 342 Metern. Knapp dahinter kommt die Gerald-R.-Ford-Klasse mit 337 Metern, zu der die neuesten Flugzeugträger der US Navy zählen.

Durch die 8 Atomreaktoren konnte das riesige Schiff, mit einer Verdrängung von über 93.000 Tonnen, eine Geschwindigkeit von 62 km/h erreichen. Als die Enterprise im Jänner 1962 zu ihrer Jungfernfahrt aufbrach, wurde ein Test bei voller Geschwindigkeit durchgeführt. Dabei soll das Begleitschiff USS Laffey, ein Zerstörer der Allen-M.-Sumner-Klasse, gefunkt haben: „Du hast das Rennen gewonnen. Treibstoff leer, Deck versalzen, Crew nass und Motoren müde.“

Neue Enterprise bekommt Stahl der alten Enterprise

Diese 8 Atomreaktoren sind aber auch der Grund, warum die Zerlegearbeiten so teuer sind. Dadurch sind größere Bereiche kontaminiert als bei Flugzeugträgern mit nur 2 Reaktoren. Das ist auch der Grund, warum die USS Enterprise nicht zu einem Museumsschiff werden kann. Laut der US Navy sind die Reaktoren zu tief im Schiff integriert. Der Ausbau, plus der der verstrahlten Sektionen, sei nicht so möglich, dass der Rest des Schiffs erhalten und sicher genug für Besucher wird.

Weil das Unterfangen so komplex ist, zieht sich der gesamte Prozess schon über Jahre. Am 1. Dezember 2012 wurde die Enterprise stillgelegt. Im Dezember 2016 wurde der Brennstoff aus dem letzten Nuklearreaktor entfernt, am 3. Februar 2017 wurde sie offiziell außer Dienst gestellt.

Die USS Enterprise wird 2013 zur einer Schiffswerft überstellt, bei der der Abbau-Prozess beginnt.

Bevor die große Zerstückelung beginnt, wurden schon Teile entfernt. So hat etwa die USS Abraham Lincoln einen Anker der Enterprise bekommen. Ein Teil des Stahls des Flugzeugträgers wurde für die nächste USS Enterprise (CVN-80) recycelt. Wenn diese fertiggestellt ist, soll sie über 16 Tonnen Stahl der alten Enterprise enthalten.

Erneute Ausschreibung spart Navy über 100 Millionen Dollar

Der jetzt beschlossene Abriss stand eigentlich schon im Juni 2025 fest. Allerdings legte ein Mitbewerber Protest ein: NorthStar hätte den Auftrag zu Unrecht bekommen, weil man wegen eines technischen Fehlers auf der Ausschreibungs-Website der US-Regierung nicht rechtzeitig ein Angebot vor Ende der Deadline abgeben konnte.

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Also wurde die Ausschreibung heuer wiederholt. NorthStar hat zwar wieder gewonnen, allerdings hat sich die Navy dabei Geld gespart. 2025 wäre der Auftrag 536,7 Millionen US-Dollar wert gewesen, jetzt sind es genau 415.497.668 US-Dollar. Das entspricht gut 22 Prozent Preissenkung.

Für die Navy ist die Zerstörung der Enterprise eine Art Probelauf, weil es der erste nukleare Flugzeugträger ist, der abgebaut wird. Danach soll die USS Nimitz folgen, die eigentlich schon im April 2026 in Pension geschickt werden sollte. Im März 2026 wurde deshalb ihre letzte Fahrt angekündigt, mittlerweile wurde das Dienstende auf März 2027 verschoben.

Die Zerlegung der Enterprise sowie das Recycling und die Entsorgung der normalen und kontaminierten Teile sollen bis September 2030 abgeschlossen sein. Die neue USS Enterprise der Gerald-R.-Ford-Klasse soll im März 2031 der US Navy übergeben werden.

Von der Kuba-Krise bis zum Golfkrieg

In den über 50 Jahren Dienstzeit war die USS Enterprise an zahlreichen Missionen und militärischen Konflikten beteiligt. Ihre erste internationale Krise erlebte sie im Oktober 1962. Sie war einer von 5 Flugzeugträgern, die die Seeblockade gegen Kuba durchsetzen sollten.

Im Dezember 1965 wurde sie das erste Kriegsschiff mit Nuklearantrieb, das an Kampfhandlungen beteiligt war. F-4Bs und A-4Cs starteten von der Enterprise aus und flogen Bombenangriffe gegen den Vietcong.

Am 14. Jänner 1969 brach ein Feuer an Deck aus, das mehrere Explosionen und weitere Feuer unter Deck auslöste. 27 Matrosen starben, 314 wurden verletzt. 15 Flugzeuge wurden zerstört.

Feuer an Bord der USS Enterprise (14.1.1969)

Nach dem Vietnam-Krieg wurde die Enterprise umgebaut, um mit der damals neuen F-14 Tomcat kompatibel zu sein. Im März 1974 starteten und landeten erstmals einsatzfähige F-14s auf ihr. Die Enterprise war auch der erste Flugzeugträger, der mit F-14s im Einsatz war.

Mr. Sulu erfindet Enterprise on the Rocks

Im April 1983 kam es zu einem kuriosen Zwischenfall. Bei der Rückkehr von einem Einsatz fuhr die Enterprise bei San Francisco auf eine Sandbank auf und blieb dort über 6 Stunden stecken – keine 1.000 Meter vom Dock entfernt, wo die Angehörigen der Matrosen auf deren Rückkehr warteten. Kurios war der Vorfall auch deshalb, weil George Takei an Bord war, der Mr. Sulu in der Star-Trek-Serie und den -Filmen gespielt hat. Er ist auf Einladung der US Navy zuvor mit einem Hubschrauber an Bord gebracht worden, um die zurückkehrende Crew in Empfang zu nehmen. Später witzelte er, dass man einen Drink nach dem Vorfall benennen könnte: „Enterprise on the Rocks.“

1986 gab es ein weiteres „Worlds First“: Die Enterprise war der erste nukleare Flugzeugträger, der den Sueskanal durchquerte. Im Dezember 1988 war die Enterprise an der Operation Desert Fox beteiligt, bei der Ziele im Irak angegriffen wurden. 2001 wurde die Enterprise bei einer Übung „versenkt“. Ein deutsches U-Boot machte dazu ein Foto durch das Periskop, um zu zeigen, dass man den Flugzeugträger mit einem Torpedo hätte abschießen können.

Foto durch das Periskop von U24.

Mehr Stars, mehr Sandbänke

Später folgten Einsätze gegen Afghanistan und ab 2003 gegen den Irak im Dritten Golfkrieg. In dieser Zeit hatte die Enterprise Besuche weiterer Promis. Dazu gehörten der WWE-Wrestler Kurt Angle, der NASCAR-Fahrer Mike Wallace, Robin Williams und Ben Affleck. Davon war aber keiner an Bord, als die Enterprise 2005 wieder auf einer Sandbank auflief. Alle 8 Reaktoren fuhren hinunter. Danach dauerte es fast 3 Tage, bis die Kondensatoren der Reaktoren vom Flussschlamm gereinigt waren.

Generationenwechsel: Links startet eine F-14 vom Deck der USS Enterprise, rechts stehen schon die F/A-18 (Foto aus dem Jahr 1999).

Am 11. März 2012 lief die Enterprise zu ihrem finalen Routine-Einsatz aus, der am 4. November 2012 beendet wurde. In den Jahren davor und bei der letzten Fahrt war sie mit Kampfjets des Typs F/A-18s bestückt. Die Zeit der US-Navy-Stealth-Fighter erlebte sie nicht mehr. Erste Tests mit der F-35C auf einem Flugzeugträger fanden am 3. November 2014 statt, auf der USS Nimitz.

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Gregor Gruber

Testet am liebsten Videospiele und Hardware, beschäftigt sich leidenschaftlich mit Rüstungstechnologie.

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