Netzpolitik

IT-Forscher warnen vor Online-Alterskontrollen

Weltweit setzen immer mehr Länder verpflichtende Online-Alterskontrollen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen ein. Über 400 IT-Forscher und Cybersicherheits-Experten haben sich jetzt in einem dringenden Apell gegen eine solche Einführung in der EU ausgesprochen. Unter ihnen sind auch 14 Personen aus Österreich.

Im offenen Brief erklären die Fachleute, dass die derzeitigen Möglichkeiten zur Altersprüfung zu unsicher seien. Sie gehen dabei auf die 3 gängigsten Methoden ein: Ausweiskontrolle, KI-basierte Schätzung und Verhaltensanalyse. Sie alle hätten große Mängel bei der Cybersicherheit, seien aber leicht zu umgehen. 

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Ineffektive Kontrolle

Die Alterskontrollen ließen sich etwa mit gefälschten Dokumenten oder durch Nutzung des Accounts eines älteren Freunds aushebeln. Auch mit einem VPN kann die Altersabfrage umgangen werden, wenn man etwa einen Standort auswählt, an dem es keine Kontrolle gibt.

Zudem ließe sich die KI-Schätz-Methode mit einfachen Mitteln wie Make-Up manipulieren. Hinzu komme, dass Gesichtsscans bei Menschen mit dunklerer Hautfarbe fehleranfälliger seien, was zu Diskriminierung führen kann. Altersschätzungen anhand von Gesichtsscans und der Analyse des Klickverhaltens seien außerdem ein schwerer Eingriff in die Privatsphäre

Dabei würden persönliche Daten gesammelt, die möglicherweise nicht sicher sind. In der Vergangenheit seien außerdem bereits Ausweisdokumente nach einem Cyberangriff im Netz gelandet, heißt es.

Sperren unerwünschter Inhalte

Auch warnen die Forscher davor, dass die Alterskontrolle genutzt werden kann, um Schranken für bestimmte Inhalte zu implementieren. Das könnten ausgenutzt werden, um Informationen zu zensieren. Autoritäre Regimes könnten so etwa den Zugang zu LGTBQ+-Aufklärung behindern. Nutzer könnten aufgrund der Altersschranken außerdem auf alternative Webseiten ausweichen und wären damit einem höherem Risiko durch Schadsoftware ausgesetzt. 

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Insgesamt würden die negativen Folgen die positiven Effekte übertreffen. Ein effektiver Kinderschutz wäre nur dann möglich, wenn bei jeder Aktion ein offizielles Ausweisdokument überprüft würde - und damit die Nutzerfreundlichkeit von Apps und Webseiten massiv eingeschränkt wäre. Auch würden Alterskontrollen dafür sorgen, dass sich weniger Menschen mit sensiblen Themen wie psychischer Gesundheit oder Sexualität auseinandersetzen würden, da sie nicht mehr anonym im Netz unterwegs sind.

Die Experten fordern daher, dass Altersbeschränkungen erst dann eingeführt werden, wenn die dafür nötige Technologie weit genug entwickelt sei. Sie müsse unabhängig und frei von Diskriminierung funktionieren, bevor sie bedenkenlos eingesetzt werden könnte.

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